Für wen wird das Geld verdient?

Die Margen der Fondsanbieter geraten unter Druck - die Folgen für Anleger. Fund Times, die wöchentliche Morningstar Kolumne, mit einer etwas anderen Check-Liste.

Ali Masarwah 09.07.2012
Geldthemen sind für die meisten Menschen in Deutschland mega-out. Vorsorge? Finanzen? Fonds? Bitte nicht, lautet das Motto bei den meisten Privatanlegern. Das ist bedauerlich, denn Investmentfonds sind höchst demokratische Institutionen: Sie sind die Vermögensverwaltung des „kleinen Mannes“. Fonds ermöglichen es Otto-Normalanleger, sein überschaubares Vermögen breit zu streuen und somit sein (unsystematisches) Risiko zu reduzieren. Über die Vorzüge der Fondsanlage haben wir oft berichtet (lesen Sie zuletzt einen Kommentar hier).

Ist das Wissen der Anleger um Fonds begrenzt, so fällt es noch dürftiger mit Blick auf Informationen zu Fondsgesellschaften aus. Auch aufgeklärte Investoren, die täglich ihre Portfolios im Blick haben, dürften sich wenig um den Zustand der Vermögensverwaltungsindustrie und "ihren" Asset Manager kümmern. Das ist nicht angemessen. Auch wenn andere Faktoren, etwa die Person des Fondsmanagers und seine Investment-Strategie, die Performance eines Fonds unmittelbar beeinflussen, sind die Bedeutung der Organisation, die für die Bewirtschaftung eines Fonds zuständig ist, sowie ihr wirtschaftliches Umfeld nicht zu unterschätzen. 

Wie verdienen die Gesellschaften ihr Geld? In welche Geschäftsfelder drängen die Geschäftsleitungen? Wie nachhaltig ist das Engagement der Firma in den einzelnen Geschäftsfeldern? Sind die Produkt- und Vertriebspolitik nachhaltig und im Interesse des Anlegers gestaltet? Diese Fragen sind heute wichtiger denn je. Denn der Druck auf die Margen der Vermögensverwaltunger hat seit Beginn der Finanzkrise 2008 kontinuierlich zugenommen. Deshalb haben wir eine kleine Checkliste zusammengestellt, die einen Überblick über das "Fonds-Drumherum" geben soll: 

- Steht Ihr Asset Manager zum Verkauf? Wir haben in der Vergangenheit wiederholt über die Konsolidierung berichtet, die die Branche der Vermögensverwaltung in Europa derzeit durchmacht. Viele Banken werden im Zuge der absehbar strikteren Regulierung und dem Zwang, mehr Eigenkapital vorzuhalten, ihre Vermögensverwalter verkaufen. Bis vor wenigen Wochen verhandelte etwa die Deutsche Bank mit der US-Gesellschaft Guggenheim über den Verkauf weiter Teile ihrer Vermögensverwaltung, unter anderem der in Europa aktiven Alternatives-Sparte RREEF (lesen Sie hier mehr über die aktuellen Nachrichten zum Verkauf von Asset Managern)

Im heutigen Umfeld dürften derartige Meldungen kein gutes Omen für Fondsanleger sein. Denn die Interessen des Anlegers stehen zumeist nicht im Mittelpunkt einer Verkaufsüberlegung. Unabhängig davor bringen Eigentümerwechsel zudem Unruhe, die sich oft in Fondsschließungen und dem Wechsel von Fondsmanagern manifestiert. So wurden bei der Integration der Cominvest in Allianz Global Investors hunderte von Fonds geschlossen, und zahlreiche Fondsmanager nahmen ihren Hut. Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele, etwa der Buyout der britischen Fondshäuser Jupiter und Henderson, die sich von ihren Eigentümern lösten und seitdem als unabhängige Fondshäuser ihr Kerngeschäft „auf eigene Rechnung“ betreiben. Der Regelfall ist das heute allerdings nicht. 

- Neigt der Anbieter dazu, auf Trends aufzuspringen und Modeprodukte aufzulegen? Leider ist die Fondsbranche sehr stark von (zyklischen) Anlagetrends getrieben: Kommt etwa der Klimaschutz in Mode, werden Klimafonds aufgelegt; werden die Wachstumsaussichten der Schwellenländern positiv eingeschätzt, sind Emerging-Markets-Aktienfonds bei den Produktmanagern hoch im Kurs. Oft ist es mit der Kompetenz vieler Häuser in derartigen Nischenmärkten, die schnelles Geld versprechen, allerdings nicht so weit her. Derzeit empfehlen Unternehmensberatungen den Fondsanbietern, Absolute-Return-Produkte, Hedgefonds und Rohstoff-Investments aufzulegen, weil sich damit am meisten Geld verdienen lässt: gemeint sind hier allerdings die Fondshäuser, nicht die Anleger. Ob letztere von derartigen Produkten profitieren, ist fraglich. 

- Wie ist die Gebührenpolitik einer Fondsgesellschaft gestaltet? Wissenschaftliche Untersuchungen und auch unsere Analysen haben wiederholt ergeben, dass einer der wichtigsten Indikatoren für die künftige Performance eines Fonds gegenüber vergleichbaren Produkten die Höhe der Gebühren ist. Die Chancen, überdurchschnittlich abzuschneiden, sind bei günstigen Fonds deutlich besser als bei teuren. Oft sind die Kosten von neuartigen Produkten zudem überdurchschnittlich hoch, auch sie nicht zwangsläufig eine bessere Leistung versprechen. Was früher ein Mischfonds war, wird heute hochtrabend als Multi-Asset-Fonds deklariert. Ob ein Aktien-Renten-Immobilien-Rohstoff-Fonds zwangsläufig besser als ein klassischer Aktien-Renten-Fonds performen wird, steht aber in den Sternen. Klar ist hingegen oft: Die Gebühren sind deutlich höher. Neben der Höhe der laufenden Kosten gilt es auch Erfolgsgebühren zu beachten. So genannte Performance Fees werden oft zusätzlich zu ohnehin hohen laufenden Gebühren erhoben. Es gilt auch zu beachten, ob der Anbieter die Performance Fee fair gestaltet (lesen Sie hier mehr). 

- Ist Ihr Fonds oder Portfolio Teil des Kerngeschäfts einer Gesellschaft? Auch wenn große Fonds kein Garant sind für eine gute Performance, ist ein großer Fonds zunächst der Garant dafür, dass die Fondsgesellschaft viel tun wird, die Anleger bei der Stange zu halten (die Gebühren zu senken, gehört leider viel zu selten zu dem Repertoire!). Ähnlich verhält es sich auf der Ebene der Fondsgesellschaft. Große Vermögen lassen auf nachhaltige Geschäftsmodelle schließen. So dürfen sich Riester-Sparer einigermaßen sicher sein, dass die Platzhirsche Union Investment und  DWS auch künftig das Geschäft mit der privaten, geförderten Form der Altersvorsorge betreiben werden. Etliche andere Anbieter haben sich dagegen nach einem eher lustlosen Einstieg schnell verabschiedet. 

- Stichwort Vertrieb: Ist Ihre Fondsgesellschaft mit einer Vertriebsorganisation verbandelt? Auch wenn die Finanzmarktregulierung in ferner Zukunft den Verkauf von Produkten streng von ihrer Produktion trennen wird, sieht es heute anders aus: In Sparkassen bekommt man nach wie vor vorwiegend Deka-Fonds, in Genossenschaftsbanken Produkte von Union Investment und bei der Postbank künftig nur DWS-Fonds. Das muss nicht heißen, dass der Anleger dort zwangsläufig schlechte Produkte bekommt. Aber dass nicht jede Fondsgesellschaft in jeder Vermögensklasse gleich kompetent ist, ist wieder so eine Binse, die nicht näher erläutert werden muss. Übrigens kann diese Konstellation auch bei einem so genannten "freien Vertrieb" existieren. Die DVAG verkaufte lange Zeit vor allem dit-Fonds, bevor sie sich vor einigen Jahren auf die DWS als bevorzugten Produktpartner festlegte.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.