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Ist die Medizin der Fondsbranche auch für Anleger gut?

Die Fondsanbieter wollen wachsen und müssen zugleich sparen. Diese Melange könnte sich als wenig bekömmlich für Investoren erweisen.

Ali Masarwah 18.10.2012

Fondswissen ist für die meisten Menschen schwere Kost. Zu schwere. Unsere Gespräche mit Verbrauchern zeigen regelmäßig, dass die meisten wenig Wissen über die Investmentwelt mitbringen. Auch dann, wenn sie Fonds im Depot haben. Noch schlechter sind Anleger über die Fondsanbieter als solche informiert. Schließlich sind Fonds Sondervermögen und somit vor einer möglichen Insolvenz des Anbieters geschützt. Warum sich also Gedanken über die Kapitalanlagegesellschaft machen?

Es gibt dafür gute Gründe. Warum, haben die Ereignisse in der Lebensversicherungsbranche vor gut zehn Jahren gezeigt. Seinerzeit waren alle Käufer von Lebensversicherungen auf die Höhe der Ablaufleistung fixiert. Abgeschlossen wurden Policen dort, wo die Beispielrechnungen am höchsten ausfielen. Seinerzeit schnitt eine Versicherung namens Mannheimer gut ab. Dass die Gesundheit des Anbieters einen großen Einfluss auf die Qualität der Produkte hat, mussten die Inhaber der Mannheimer-Policen danach schmerzhaft erfahren.

Die Fondsbranche in Europa befindet sich derzeit in einer Konsolidierungsphase. Seit der Finanzkrise 2008/09 investieren immer weniger Anleger neues Geld in Fonds. Das verwaltete Vermögen stagniert und damit auch die Gewinne der Firmen. Denn die Erträge der Fondsgesellschaften hängen unmittelbar an der Höhe der Kundengelder in Fonds. 

Die Reaktion der Finanzdienstleister auf die Kundenzurückhaltung ist naheliegend. Sie sparen. Am Personal, an der Infrastruktur und indem sie sich von ganzen Geschäftsparten trennen. Wer eine Ahnung bekommen will, mit welch harten Bandagen gekämpft wird, braucht nur die Tagespresse zu lesen. Die massiven Stelleneinsparungen der Banken sind ein guter Indikator auch für den Zustand der Vermögensverwaltungsindustrie.

In so einer Zeit schlägt die Stunde der Unternehmensberater. „Trends zu erkennen, die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen und sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, sind wesentliche Überlebensfaktoren in einem sich konsolidierenden Sektor“, so das Fazit einer Studie von Roland Berger. Europäische Fondsmanager müssten sich auf die Geschäftsfelder konzentrieren, in denen sie sich glaubhaft positionieren können, eine anhaltende Nachfrage besteht und Erwartungen an die Wertentwicklung hoch sind, sekundierte jüngst Fitch Ratings. Die Fitch-Experten sehen folgende Produkttypen als aussichtsreich im Vertrieb: Fonds für Unternehmensanleihen, reale Vermögenswerte, flexible Mischfonds und Multi-Strategie-Fonds.

Es steht zu befürchten, dass etliche Fondshäuser nur einen Teil dieser Empfehlungen beherzigen werden. Außer Zweifel steht, dass wir in den nächsten immer mehr Mischfonds, Fonds für Firmenanleihen und andere „In“-Produkte sehen werden. Aber werden die Fondsanbieter in Zeiten des Krisensparens die Produktoffensiven mit auskömmlichen Ressourcen unterlegen und hinreichende Kernkompetenzen entwickeln? An dieser Stelle sind Zweifel angebracht. Angesichts der bisherigen Erfahrung sind jede Menge Trendprodukte zu erwarten, die erfolgreichen Produkte am Markt nacheifern. Das wird einigen Anbietern frische Geldflüsse bescheren. Ob aber auch die Anleger an dieser Entwicklung Freude haben werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Angesichts der Tatsache, dass sich die Natur des Fondsmarktes nicht verändert hat, erscheint zweifelhaft, dass bei der Readjustierung der Geschäftsmodelle der Fondshäuser der Privatinvestor im Mittelpunkt stehen wird. Der Fondsmarkt – und dazu zählt auch der Vertrieb – ist immer noch themen- und trendgetrieben. Berater brauchen immer neue Stories, die sie dem Anleger erzählen können. Dahinter stehen häufig wenig nachhaltige Investmentkonzepte.

Wir haben wiederholt davor gewarnt, dass Themen-Investments Anlegern in der Regel suboptimale Ergebnisse bringen. Der Grund ist einfach: Bildet ein Fonds einen Börsentrend ab, dann muss er zunächst von aller Welt als Trend erkannt worden sein. Und wenn sich ein Trend etabliert hat, dann ist der Höhepunkt des Börsenzyklus nicht fern. Hiernach werden bestenfalls suboptimale Renditen erzielt, schlimmstenfalls folgt ein Kursabsturz. Beispiele für die Fehlallokation von Anlegergeldern gibt es viele. Wir erinnern uns alle, wie wenig Substanz von den Internet- und Solar-Stories in den Anlegerportfolios am Ende übrig blieb!

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.