Die bunte Welt der Euro-Bond-ETFs

Die Fondsgröße spielt bei den Kosten von Anleihe-ETFs nicht unbedingt eine Rolle. SPDR und ComStage punkten zwar nicht mit Vermögen, aber mit den engsten Spreads. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht.

Gordon Rose 11.01.2013

Anleger investieren wieder in spanische und portugiesische Unternehmensanleihen, als hätte es nie eine Finanzkrise gegeben; getrieben vor allem von Renditehungrigen Investoren. Der Renditeabstand von Unternehmens- zu Euro-Staatsanleihen ist derzeit auf einem Fünfjahrestief. Einzelne Anleihen, insbesondere von Ländern der Peripherie und Unternehmen, sind jedoch sehr anfällig auf Stimmungsschwankungen der Märkte. Es bietet sich also ein diversifiziertes Portfolio via ETFs an, um die Rendite über die der Bundesanleihen zu heben, gleichzeitig aber das unsystematische Risiko gering zu halten. Speziell bei Anleihen und vor allem angesichts der extrem niedrigen Zinsen lohnt sich jedoch ein Blick auf die Handelskosten.

Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das Eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade bei illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr). Unser Spread-Bericht soll dabei helfen.

Investoren haben die Auswahl zwischen insgesamt neun Produkten, um an der Wertentwicklung von gemischten Indizes auf Euro laufende Anleihen teilzunehmen. Die Anbieter greifen hierbei auf die verschiedensten Indizes zurück, wobei es teilweise große Unterschiede bei der Indexkonstruktion gibt. Der Barclays Euro Aggregate Bond bildet zum Beispiel 1.557 auf Euro laufende Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating ab, die in der Eurozone gelistet sind. Es sind daher auch Anleihen zum Beispiel aus Großbritannien und den USA im Index enthalten. Auf diesen Index gibt es 2 ETFs von SPDR und iShares, die das statistische Sampling-Verfahren anwenden. Im Gegenzug bildet der EuroMTS Covered Bond Aggregate lediglich auf Euro laufende Unternehmensanleihen ab und daher ist das Anlageuniversum mit derzeit 212 Titeln um einiges geringer. Der iBoxx EUR Germany Covered Capped Overall TR Index bildet hingegen lediglich den deutschen Pfandbriefmarkt ab. Investoren sollten sich also Gedanken über die gewünschte Anlageregion bzw. das Bond-Segment machen, bevor sie einen ETF kaufen. Erst dann lohnt sich ein Blick auf die Spreads. 

Generell sind die Spreads bei Anleihen weiter als bei Aktien. Dies liegt vor allem an der Preisbildungsproblematik dieser Anlageklasse auf die wir im oben genannten Artikel genauer eingehen.

In den 30 Handelstagen vom 22. November bis 09. Januar weist der SPDR Barclays Capital Euro Aggregate Bond ETF mit 2 Basispunkten den engsten Spread auf. Auf den weiteren Plätzen folgen mit relativ geringem Abstand der ComStage ETF iBoxx EUR Germany Covered Overall TR mit 3 Basispunkten und der iShares Barclays Capital Euro Aggregate Bond mit 4 Basispunkten. Die Spreads der Produkte auf Platz 4 bis 9 liegen dann mit 12 Basispunkten Differenz weiter auseinander. Insbesondere der Lyxor EuroMTS Covered Bond Aggreagte liegt mit 19 Basispunkten einsam auf dem letzten Platz.

Am Beispiel des iShares Barclays Capital Euro Aggregate Bond wird einmal mehr deutlich, dass das Domizil des ETFs durchaus einen großen Einfluss auf die Spreads haben kann.

 

Interessant ist außerdem zu sehen, dass die Größe der Produkte nicht mit den Spreads positiv korreliert. So weisen die mit Abstand kleinsten ETFs von SPDR und ComStage die günstigsten Spreads auf und der größte von iShares weist mitunter den weitesten Spreads in den 30 Handelstagen auf.

Auch bei den Management-Gebühren gibt es erhebliche Unterschiede. Zwischen dem günstigsten Produkten und den teuersten liegen 16 Basispunkte. Bei Lyxor sind die Spreads zumdem höher als die Management-Gebühren. Bei der Kostenanalyse müssen Investoren also genau hinschauen und vor allem ihr Anlagezeitrum berücksichtigen.

Obwohl Anleihen eine relativ illiquide Anlageklasse ist, wird die physische Replikation bevorzugt. Dies liegt unteranderem an der Hedging-Problematik für Anleihen bei Swap-basierten Produkten.

Bei den Börsen kann eindeutig Deutschland punkten, da 8 der 9 Produkte mit dem engsten Spreads an der Deutschen Börse bzw. Xetra gelistet sind.

 

 

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.