Bei Nebenwerten lohnt sich das Nachrechnen

Die Deutsche Bank Tochter db X-trackers bietet zwar die engsten Spreads auf Mid Caps, greift dafür bei den Management-Gebühren am stärksten zu. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht.

Gordon Rose 05.04.2013

Viele professionelle Marktteilnehmer behaupten, Mid Cap-Unternehmen würden nicht ausreichend von Analysten gecovered und schließen daraus, dass diese dadurch auch in Portfolios unterrepräsentiert seien. Darüber hinaus behaupten die gleichen Fachleute, die scheinbar ungeliebten Mid Caps würden überdurchschnittliche Renditen bieten. Leider ist der Großteil des bereits vorhandenen Researchs zu diesem Thema US-fokussiert und daher nicht unbedingt für alle geografischen Regionen und Investorenkreise geeignet.

Unsere eigenen Untersuchungen ergaben, dass Mid Caps in den letzten zwei Jahrzehnten im Vergleich zu Large und Small Caps zwar in den USA überdurchschnittliche Renditen lieferten, aber nicht in Europa. Der Grund ist jedoch nicht unbedingt darin zu suchen, dass Mid Caps kaum beobachtet oder unterrepräsentiert sind. Wenn die Outperformance in irgendeiner Weise damit im Zusammenhang stehen würde, müsste man davon ausgehen, dass die europäischen Mid Caps, wie ihre US-Pendants, ebenso besser als ihre Large-Cap-Benchmark abschneiden müssten. Es gibt jedoch Hinweise dafür, dass Mid Caps in der Tat gegenüber Large Caps in Portfolios unterrepräsentiert sein könnten. Dies könnte dann auch tatsächlich ein triftiger Grund für die Outperformance der Mid Caps sein. Wenn andererseits dieser Faktor tatsächlich einen Teil der Unterschiede in den Renditen erklärt, müssten auch in Europa die Mid Caps die Large Caps in diesem Zeitraum übertroffen haben. Ein Faktor, der möglicherweise einen Beitrag zur Erklärung der unterschiedlichen Performance liefern kann, stellen die Sektorzuordnungen der verschiedenen Größe-Indizes dar, da jeder Sektor von verschiedenen makroökonomischen Faktoren angetrieben wird. Des Weiteren scheinen Mid Caps Large Caps eher bei negativen Realzinsen zu übertreffen. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

Sollten Sie daher bei der derzeitig negativen Realverzinsung an eine Outperformance von Mid Caps glauben, hilft unserwöchentlicher Spread-Bericht, ihre Rendite zu maximieren, indem die Handelskosten minimiert werden.

Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das Eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade in illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt gibt es nur zwei Indizes auf europäische Mid Caps, die von ETF-Anbietern abgebildet werden. Entweder wird der MSCI Europe Mid Cap Index oder der STOXX Mid Europe 200 Index als Referenzwert herangezogen.

Der STOXX Mid Europe Index ist ein Sub-Index des STOXX Europe 600 Index und besteht aus den 201-400 größten Unternehmen dieses Indexes; gemessen anhand der Marktkapitalisierung. Der MSCI Europe Mid Cap Index besteht aus der Differenz zwischen dem MSCI Europe Index (85% +/-5% des investierbaren Universums) und dem MSCI Europe Large Cap (70% +/-5% des investierbaren Universums). Der Index von MSCI besteht derzeit aus 235 Aktien und hat damit eine etwas größere Marktabdeckung als der Index von STOXX. Des Weiteren überschneiden sich lediglich 59% der beiden Indizes. Jedoch gibt es sowohl bei der Länderverteilung als auch bei der Sektorallokation keinen nennenswerten Unterschied.

Die Unterschiede beim Index scheinen zwar gering zu sein, bei den Handelskosten sollte man jedoch besser zweimal hinschauen.

In den 30 Handelstagen vom 18. Februar bis 3. April weist der db x-trackers MSCI Europe Mid Cap TRN Index mit 10 Basispunkten mit Abstand den engsten Spread auf. Gleichzeitig gehört der ETF zu den kleinsten der Kategorie – Größe ist also nicht alles. Auf dem zweiten Platz folgt iShares mit dem iShares STOXX Europe Mid 200 Index und einem Spread von bereits 18 Basispunkten. Damit ist der ETF fast doppelt so teuer wie derjenige der Deutsche Bank Tochter. Knapp hinter iShares folgt der Amundi ETF MSCI Europe Mid Cap mit einem Spread von 19 Basispunkten.

Auf den nächsten Plätzen geht es dann Schlag auf Schlag weiter. Der ComStage ETF MSCI Europe Mid Cap weist einen Spread von 23 Basispunkten auf, gefolgt vom ETFlab MSCI Europe MC mit 38 Basispunkten. Den letzten Platz belegt der Source STOXX Europe Mid 200 ETF mit einem Spread von 53 Basispunkten und ist damit mehr als fünfmal so teuer wie das günstigste Produkt von db X-trackers.

Ein Blick auf die Management-Gebühren verrät, dass sich eine Kostenanalyse lohnt, die sowohl Management-Gebühr, als auch Spread umfasst. So ist zum Beispiel der iShares STOXX Europe Mid 200 ETF bei den Spreads zwar 8 Basispunkte teurer als das günstigste Produkt von db X-trackers, jedoch ist der ETF der BlackRock-Tochter bei den Management-Gebühren 20 Basispunkte günstiger. Heißt im Klartext: Rein unter Kostengesichtspunkten betrachtet, ist das Produkt der Deutschen Bank für kurzfristige Anlagen besser geeignet, während sich der Kauf des iShares Produkt bei einer längeren Haltedauer lohnt. Wie immer gilt: der Anlagezeitraum ist bei der Analyse entscheidend. Je länger dieser ist, desto wichtiger werden die Management-Gebühren und desto unwichtiger die Spreads. Die Hausaufgaben sollten also immer gemacht sein.

 

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.