Halbzeit an den Märkten: Die Morningstar-Kategorien in der Performance-Übersicht

Die Märkte haben sich im ersten Halbjahr von ihrer launischen Seite gezeigt. Das spiegelt sich auch in der Fondsperformance wider. Die Gewinner und Verlierer unter den Morningstar Kategorien in der Übersicht.

Ali Masarwah 10.07.2018

War der Jahresauftakt noch ganz nach dem Geschmack der Optimisten mit einem kräftigen Plus bei Risiko-Anlagen verlaufen, so zeigten sich die Kapitalmärkte ab Februar von ihrer unfreundlichen Seite. Die Volatilität kehrte mit Macht zurück, und seither verlaufen die Kurse der Aktienmärkte bestenfalls seitwärts – mit zeitweise starken Ausschlägen. Dabei fielen in zahlreichen Asset-Klassen in den ersten sechs Monaten Verluste an. Vor allem europäische Aktien sowie Wertpapiere aus den Schwellenländern gerieten unter die Räder. 

Für Investoren aus dem Euroraum zeigten sich allerdings - wieder einmal - die Vorzüge der Diversifikation: Portfolios mit Fremdwährungs-Exposure, vor allem hin zum Dollar-Raum, konnten dank der Euro-Schwäche die Verluste zumindest einigermaßen begrenzen, da die Gemeinschaftswährung gegenüber den wichtigen globalen Währungen nachgab. Der Dollar legte gegenüber dem Euro dabei mit eine Plus von rund drei Prozent besonders stark zu, aber auch die Performance amerikanischer Aktien fiel – währungsbereinigt – positiv aus. 

Als Gründe für die divergierende Entwicklung werden einerseits die politischen Unsicherheiten in Europa genannt, zu denen auch die Furcht vor einer neuerlichen Euro-Krise zählt. Auf der anderen Seite erweist sich die konjunkturelle Entwicklung in den USA als sehr robust, und die Steuerreform der US-Regierung wirkt sich positiv auf die Unternehmensgewinne aus, was bedeutet, dass die Bewertungen von US-Aktien nicht mehr so hoch sind, wie das noch zum Jahresende 2017 der Fall war. Bei den Emerging Markets schlagen indes vor allem die Stärke des US-Dollar und die Aussicht auf stetig steigende Zinsen in den USA ins Kontor. Interessanterweise profitierte bei Rohstoffen der Ölpreis, nicht jedoch die Krisenwährung Gold, was zeigt, dass Anleger per se nicht pessimistisch sind. 

Diese Großwetterlage spiegelte sich naturgemäß auch in der Performance der Fondskategorien wider. Wie die untere Tabelle zeigt, konnten Fonds der Kategorie „Rohstoffe Energie“ die beste Performance mit einem Plus von knapp 20 Prozent im ersten Halbjahr erzielen, gefolgt von norwegischen Aktien mit eine durchschnittlichen Zuwachs von gut elf Prozent. Norwegische Aktien profitieren typischerweise ebenfalls von steigenden Notierungen am Ölmarkt. Interessanterweise legten Norwegen-Aktien sogar stärker zu als Sektorfonds für Energieaktien, was nicht nur durch die Stärke der norwegischen Währung erklärbar ist. 

Die Tabelle der Gewinner spiegelt darüber hinaus die Erfolgsgeschichte amerikanischer Aktien wider, und zwar nicht nur mit Blick auf die dort vertretenen fünf USA-Aktienkategorien, die teilweise zweistellig zulegten. Sektorfonds für Technologie, einschließlich Biotechnologie, sind ebenfalls sehr stark von US-Aktien geprägt, und auch globale Aktienfondskategorien setzen sich zu einem großen Teil aus US-Aktien zusammen. 

Tabelle: Die Gewinnerkategorien im ersten Halbjahr

 

Ein Blick auf die Verlierer auf Ebene der Fondskategorien zeigt vor allem das Elend der Schwellenländer-Investments, die kräftige Verluste einfuhren. Dass Türkeifonds gut 25 Prozent einbrachen und Brazilienprodukte gut 15 Prozent verloren, zeigt wieder einmal, dass Einzelländerfonds für Schwellenländer hohe Risiken in sich bergen – für Privatinvestoren vermutlich zu hohe, wie auch die Mittelabflüsse aus entsprechenden Publikumsfonds andeuten. 13 der 15 Kategorien mit den höchsten Einbußen zum 30. Juni sind solche für Schwellenländer-Investments. 

Für deutsche Investoren, die typischerweise einen Home-Bias pflegen, besonders bitter: Fonds, die sich auf deutsche Standardwerte konzentrieren, verloren gut fünf Prozent und zählten damit zu den schwächsten Halbjahres-Performern. Die Schwäche beim Goldpreis schlug sich auch in Verlusten bei Fonds mit Fokus auf Goldminenbetreiber nieder, wie die untere Tabelle zeigt. 

Tabelle: Die Verliererkategorien im ersten Halbjahr

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.