Bei ETFs war im Oktober Schmalhans Küchenmeister

Mittelflüsse bei Indextrackern war im Oktober insgesamt zwar positiv, Vermögenswerte sinken jedoch infolge der Marktkorrektur deutlich. Der Morningstar Absatzbericht für Europa-ETFs im Oktober.  

Ali Masarwah 16.11.2018

So ganz können sich ETFs offenbar nicht der Logik der Anlagemärkte entziehen. Obwohl ETFs generell nachgefragt sind und deutlich höhere Zuflüsse verbuchen als aktiv verwaltete Fonds, so zeigten sich ETF-Investoren in Europa offenbar doch vom Umfang der Aktien-Korrektur beeindruckt, zumindest ein wenig. Aktien-ETFs mussten im Oktober Mittelabflüsse in Höhe von 150 Millionen Euro hinnehmen. Das ist zwar nur ein Bruchteil der Abflüsse, die aktiv verwaltete Fonds offenbar im vergangenen Monat hinnehmen mussten – die genauen Daten zu aktiv verwalteten Fonds in Europa werden uns erst in einer Woche vorliegen -, aber dennoch war dies erst die dritte negative Monats-Absatzbilanz in diesem Jahr. Zum Vergleich: Im September gingen Aktien-ETFs noch knapp fünf Milliarden Euro netto zu. 

Auch wenn die Abflüsse aus Aktien-ETFs im Oktober waren, so ging es jedoch mit dem in diesen Vehikeln verwalteten Vermögen deutlich bergab. Waren per Ende September noch 491 Milliarden Euro in Aktien-ETFs investiert, so ging das verwaltete Vermögen per Ende Oktober auf 467 Milliarden Euro zurück, ein Rückgang von knapp fünf Prozent. 

Die Zuflüsse in Renten-ETFs lagen bei 560 Millionen Euro nach knapp zwei Milliarden Euro im September. Die Mittelflüsse in Rohstoff-Indexprodukte erreichten zum ersten Mal seit Juni wieder positives Terrain, vor allem dank der hohen Zuflüsse in Goldprodukte, die im Vormonat noch stark negativ gewesen waren. 

Wegen der Zuflüsse in Rohstoff-Vehikel, Renten- und Geldmarkt-ETFs war der Nettoabsatz der Indextracker insgesamt mit einem Plus von 1,2 Milliarden Euro deutlich positiv. Allerdings wurden im Vormonat noch gut zehn Milliarden Euro netto in börsennotierte Indexfonds investiert, sodass sich schon von einer gewissen Kaufzurückhaltung sprechen lässt. 

Insgesamt sank das in ETFs europaweit verwaltete Vermögen (ex Geldmarktfonds) von 706 Milliarden Euro per Ende September auf 691 Milliarden Euro per Ende Oktober. 

Tabelle: Die Zuflüsse im September nach Asset Klassen 

Zuflüsse in Mio. Euro, verwaltetes Vermögen in Mrd. Euro, Quelle: Morningstar Direct

So sehr sich die Kauflaune der Investoren insgesamt im Oktober eintrübte, so blieben doch einige Trends im ETF-Markt gegenüber den Vormonaten unverändert. Erneut wurden US-Aktien-ETFs gesucht. Sie sammelten mit 1,8 Milliarden Euro mehr ein als jede andere Fondskategorie. Gefragt waren in erster Linie ETFs, die den S&P 500 abbilden – sogar für Euro-Investoren währungsgesicherte Produkte verbuchten ungeachtet der hohen Absicherungskosten Zuflüsse. Auch US-Staatsanleihe-ETFs waren gefragt. Hier haben Anleger vor allem auf kurze Laufzeiten gesetzt. Wer bereit ist, das Dollar-Risiko einzugehen, bekommt am kurzen Ende bei Treasuries deutlich attraktivere Renditen als alles, was es bei Eurozone-Staatsanleihen zu holen gibt. 

Doch etliche Trends kehrten sich um. Während Aktien-ETFs für globale Aktien in diesem Jahr bis September zu den am stärksten nachgefragten Kategorien zählten, brachen im Oktober die Dämme. Mit Abflüssen von gut drei Milliarden Euro waren Standardwerte global die unbeliebteste Fondskategorie von ETF-Investoren im Oktober. Allerdings relativiert sich dieses Bild, wenn man bedenkt, dass aus einem ETF in der Kategorie gut 3,2 Milliarden Euro abflossen: aus dem UBS ETF MSCI ACWI. Bereits im Februar, Mai und nunmehr auch im Oktober zeigte dieser ETF extreme Schwankungen bei den Mitteflüssen, was auf sehr aktive, ja fast schon aktivistische Vertriebsstellen hindeutet. Lässt man diesen Einzel-ETF außen vor, blieben globale Standardwerte-ETFs in leicht positivem Absatzterrain. 

Erstmals seit Februar dieses Jahres wurden ETFs der Kategorie USA Standardwerte Growth verkauft. Hier standen Nasdaq-100-Tracker im Fokus, die im Zuge der Korrektur bei US-Technologiewerten verkauft wurden. Die hohen Kursverluste bei den so genannten FANG-Aktien zogen sogar die höchsten Mittelabflüsse aus dieser Kategorie nach sich, die jemals ein einem Monat gemessen wurden, seitdem wir anfingen, im Jahr 2007 Mittelflussdaten für europäische Fonds zu sammeln. 

Tabelle: Die beliebtesten und unbeliebtesten Fondskategorien im Oktober

 

Zuflüsse in Mio. Euro, verwaltetes Vermögen in Mrd. Euro, Quelle: Morningstar Direct

Unter den zehn größten ETF-Anbietern konnte Marktführer iShares die höchsten Mittelzuflüsse im Oktober auf sich vereinen. Die höchsten Zuflüsse gingen zwei Core ETFs zu – dem iShares Core MSCI World ETF, der 460 Millionen Euro einsammelte, und dem iShares Core S&P 500, der 340 Millionen Euro netto an Zuflüssen sah. 

Lyxor war im Oktober der zweiterfolgreichste Anbieter. Auch hier gingen mit knapp 480 Millionen Euro der Löwenanteil der Zuflüsse auf das Konto des Lyxor S&P 500 ETF. 

UBS ETF war indes der Träger der roten Laterne im Oktober. Das ging vor allem auf das Konto des bereits oben erwähnten MSCI ACWI-Trackers. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten ETF-Anbieter im Oktober 

 

Zuflüsse in Mio. Euro, verwaltetes Vermögen in Mrd. Euro, Quelle: Morningstar Direct

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.