Irasshaimase und Sayonara, Lyxor!

Bei den Spreads bietet Lyxor sowohl das günstigste als auch das teuerste Produkt auf japanische Aktien. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht. 

Gordon Rose 30.11.2012

ETFs sind günstig, aber nur dann, wenn man die Feinheiten im Handel beachtet. Zum Selbstverständnis der ETF-Branche gehört es, Investoren einen günstigen Zugang zu Risikoquellen zu verschaffen. Die ausgewiesenen Kosten sind im Vergleich zu denen aktiv verwalteter Fonds günstig. Während bei Aktienfonds im Schnitt Gesamtkostenquoten (TER) von 1,8 % jährlich anfallen, liegen die Kosten von Aktien-ETFs im Schnitt europaweit bei 0,46%.

Allerdings sind die TERs nur ein Teil des Bildes. Bei ETFs kommen Handelskosten hinzu, die im Gegensatz zum Ausgabeaufschlag von aktiven Fonds je nach Produkt, Zeit und Handelsplatz stark schwanken können. Insofern gibt die TER nicht das gesamte Bild der Kosten eines ETFs wider. Vor allem die Handelskosten eines ETFs können ins Kontor schlagen (lesen Sie hier mehr zum Thema "Kosten für ETF-Anleger").

Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkauf eines Produkts, die sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel entsteht (lesen Sie hier, wie die Handelsspannen bei ETFs zustande kommen). Um Anlegern einen besseren Überblick zu ermöglichen, berichten wir jede Woche über die Handelskosten einer ausgewählten ETF-Kategorie. Dabei prüfen wir den durchschnittlichen Spread, der an den vorangegangenen 5 Handelstagen angefallen ist. Der durchschnittliche Spread an den 5 Tagen setzt sich aus tausenden von Datenpunkten zusammen und bildet das Sortierkriterium unseres wöchentlichen Rankings. Bei der Auswahl entscheiden wir uns für den Börsenplatz in Europa mit den günstigsten Handelskonditionen.

Wir wenden uns in dieser Woche einem scheinbar hoffnungslosen Fall zu; dem japanischen Aktienmarkt. Im laufenden Quartal hat der japanische Aktienmarkt den MSCI World Index mit über 5% outperformt und damit auf ungewohnte Weise Stärke gezeigt; Grund genug, uns die Spreads vom Topix-Index diese Woche etwas genauer anzuschauen. Der Topix gibt Anlegern die Möglichkeit, an der Wertentwicklung japanischer Unternehmen teilzunehmen und bildet dabei den gesamten Aktienmarkt in Japan ab, der aus ca. 1,700 Unternehmen besteht.

In den 5 Handelstagen vom 22. November bis 28. November weist der Lyxor ETF Japan (Topix) A die engste Handelsspanne auf. Der französische Anbieter ist mit einem Spread von 4 Basispunkten ein ganzes Stück günstiger als der zweitplatzierte ComStage ETF Topix mit einer Handelsspanne von 8 Basispunkten. In Bezug auf die Management-Gebühren macht der ETF der Commerzbank-Tochter jedoch wieder einiges an Boden gut.

Tabelle: Lyxor Top, Lyxor Flop: Die engsten und weitesten Spreads auf den Topix-Index

Mit einem „Respektabstand“ von 11 bzw. 47 Basispunkten auf ComStage folgen die Produkte vom ETF-Ableger der Royal Bank of Scotland - und das in Pfund gehandelte Produkt von Lyxor. Der britische Anbieter RBS weist mit einem Spread von 19 Basispunkten eine wesentlich weitere Spanne auf als das günstigste Produkt von Lyxor. Auch in Bezug auf die Management-Gebühr kommen die Briten nicht al Lyxor heran. Von einem reinen Kostenaspekt her spricht also wenig für das Produkt von RBS.

Das teuerste Produkt stammt jedoch auch von Lyxor. Der Lyxor ETF Japan (Topix) GBP weist in unserem Betrachtungszeitraum an der Londoner Börse einen Spread von 55 Basispunkten auf und ist damit im Handel fast dreimal so teuer wie der ETF von RBS. Der Spread-Unterschied dürfte teilweise auf die unterschiedliche Währung zurückzuführen sein. Für Euro-Anleger heißt es also Irasshaimase, willkommen, für Pfund-Anleger Sayonara, auf Wiedersehen, Lyxor!

Ein Blick auf die Börse zeigt, dass die Deutsche Börse zumindest für dieses Produkt die engsten Spreads anbietet. Lediglich beim Topix-ETF für britische Investoren kann die Londoner LSE – wenig überraschend – mithalten.

Abhängig vom Anlagezeitraum sollten Investoren bei der Kostenanalyse immer die Spreads gegenüber die Management-Gebühren stellen. Bei der reinen Kostenanalyse (Spread & TER) sind Lyxor und ComStage die bevorzugten Produkte. Bei einem Anlagezeitraum von unter einem Jahr wäre das Produkt aus Frankreich auf Grund des etwas engeren Spreads zu bevorzugen. Bei längeren Anlagezeiträumen hätte ComStage wiederum aufgrund der günstigen Management-Gebühr bei Buy-und-Hold-Investoren die Nase vorne.

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.