Ausschüttend oder thesaurierend - was ist der Unterschied?

Über die Begriffe ausschüttend und thesaurierend stolpert man immer wieder. Wir erläutern, was sich dahinter verbirgt. 

Ollie Smith 20.05.2024
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Ich möchte Ihnen eine Geschichte über einen preisgekrönten Fondsmanager erzählen.

Er heißt Henry Whittaker und verwaltet für St Paul's Asset Management (SPAM) in London einen sehr beliebten Fonds. Seit er 2012 aufgelegt wurde, verzeichnete Whittakers Robotics and Intelligence Equity Fund (RIEF) einen Kapitalzufluss in Höhe von knapp einer Milliarde Pfund.

Trotz einer schwierigen Zeit im letzten Jahr und einiger spürbarer Abflüsse ist die Performance aktuell so attraktiv, dass es sich lohnen könnte, auf den Zug aufzuspringen, bevor es zu spät ist.

Also gehen Sie zu Ihrer Online-Fonds-Plattform, überprüfen Ihr Budget und bereiten sich auf den Kauf vor. Doch plötzlich müssen Sie sich entscheiden: Kaufen Sie die thesaurierende oder die ausschüttende Anteilklasse?

Unwillkürlich müssen Sie schlucken, nippen an Ihrem Tee und rufen Google auf.

Ausschüttend oder thesaurierend - das ist der Unterschied

Langsam! Möglicherweise brauchen Sie den Tee, aber ganz sicher nicht Google. Denn es gibt uns. Und wir helfen Ihnen gern weiter bei der Frage, wie sich "ausschüttend" von "thesaurierend" unterscheidet.

Bevor wir beginnen, wollen wir noch eines klarstellen. SPAM und RIEF sind fiktive Beispiele und den guten Henry haben wir uns nur ausgedacht. Aber die Beispiele können dafür sorgen, dass sich alles real anfühlt, ohne einschüchternd zu wirken.

"Ausschüttend" und "thesaurierend" sind die beiden Anteilklassen, die Anlegern in der Regel angeboten werden. Die Wahl zwischen beiden entscheidet darüber, wie die Dividenden an Sie ausgezahlt werden.

Eine thesaurierende Anteilklasse legt die Dividenden, die der Fonds erhält, für Sie wieder an. Das heißt, wenn Sie auf Ihrer Plattform RIEF von SPAM kaufen, werden die Nettoerträge des Fonds für Sie kostenlos wieder in den Fonds investiert.

Ausschüttende Fondsanteile funkionieren anders. Hier werden die Dividenden nicht reinvestiert, sondern auf das Cash-Konto Ihrer Plattform oder direkt auf Ihr Bankkonto ausgezahlt.

An dieser Stelle weisen wir darauf hin, dass viele einkommensorientierte Fonds darauf ausgelegt sind, den Zinseszinseffekt zu nutzen. Durch das sofortige Reinvestieren der Dividenden profitieren die Anleger von allen Vorteilen eines Fonds, wenn er erfolgreich ist (so zumindest die Theorie...).

Beachten Sie auch Folgendes: Wenn Sie einen ausschüttenden Fonds wählen, müssen Sie möglicherweise entscheiden, wann Sie Ihr Geld erhalten. Viele Fonds bieten monatliche, vierteljährliche, halbjährliche und jährliche Auszahlungsoptionen an.

Risiko und Ertrag

Nachdem Sie ein wenig über "ausschüttend" und "thesaurierend" gelesen haben, haben Sie vielleicht Fragen. Die erste Frage könnte sein: Bin ich noch ein einkommensorientierter Anleger, wenn ich mich für die thesaurierende Anteilklasse entscheide?

Klare Antwort: "Ja, auf jeden Fall". Die Erträge, auf die Sie kurzfristig verzichten, werden Ihnen (hoffentlich) später in Form höherer Renditen zufließen.

Es hängt alles davon ab, was Sie erreichen wollen. Mark Preskett, leitender Portfoliomanager bei Morningstar Investment Management (MIM), sagt, dass der Hauptvorteil der thesaurierenden Variante in dem großen Anteil besteht, den sie zu Ihrem Gesamtertrag beiträgt.

Er fügt allerdings hinzu, dass Sie eine ausschüttende Version wählen sollten, wenn Sie für Ihren Lebensunterhalt auf die Erträge Ihres Fonds angewiesen sind.

Wenn Sie Whittakers Fonds in Ihr "Satelliten"-Portfolio aufnehmen, um zu sehen, wie es läuft, und wenn es Sie nicht zu sehr schmerzt, wenn er zwischendurch auch einmal schwächelt, dann könnte "thesaurierend" eine gute Wahl sein. Wenn Ihr Wohlergehen im Ruhestand jedoch in gewissem Maße von Whittakers Fähigkeiten abhängt, ist "ausschüttend" vielleicht besser.

Sehen Sie den Elefanten im Zimmer? Sie brauchen einen Finanzplan!

"Wir sind der Meinung, dass ausschüttende Anteiklassen ein natürlicher Weg sind, um einkommensorientierte Portfolios aufzubauen. Aber sie sollten nur als ein kleiner Teil dessen betrachtet werden, was eine erfolgreiche einkommensorientierte Strategie ausmacht", sagt Mike Coop, Chief Investment Officer von MIM für EMEA.

"Entscheidend ist die richtige Balance zwischen Ertrag, Einkommenswachstum, Kapitalwachstum und Risiko - der Schlüssel dazu ist ein fundiertes Kapitalmarkt- und Manager-Research, damit Sie Einkommens- und Wachstumsquellen auf kosteneffiziente und risikokontrollierte Weise identifizieren und messen können."

Einfach ausgedrückt: Stürzen Sie sich nicht kopfüber hinein, ohne eine ungefähre Vorstellung davon haben, was Sie im Großen und Ganzen erreichen wollen. Dies gilt insbesondere bei den Gebühren, die anfallen können, wenn Sie Ihre Meinung ändern und von "thesaurierend" zu "ausschüttend" wechseln oder umgekehrt. Irren ist teuer. Wie immer sollten Menschen mit besonders komplizierten Finanzen - oder solche, die die Entscheidung auslagern wollen - professionellen Rat von einem regulierten Finanzberater einholen.

Gebühren schmerzen

Apropos Gebühren: Sie sollten wissen, was Sie wollen. Wenn Sie dazu neigen, einen Tunnelblick zu entwickeln, sollten Sie daran denken, dass es immer auch andere Optionen gibt, die Sie nutzen können.

"Die Grundlagen des Investierens gelten noch immer", sagt Coop.

"Zahlen Sie mehr für 'ausschüttend' oder für 'thesaurierend'? Und ist es das wert? Kennen Sie kostengünstigere passiven Einkommensstrategien, die ausschüttende Anteilklassen anbieten? Oder gehen Sie davon aus, dass nur aktive Strategien sinnvoll sind? Ist der Manager, ist die Strategie für Ihre Bedürfnisse geeignet?"

Denken Sie daran, dass Sie sich möglicherweise unter Wert verkaufen, wenn Sie nicht das große Ganze im Blick haben.

"Die beiden Todsünden bei einkommensorientierten Investments ist zum einen die Umwandlung von Kapital in Einkommen, zum anderen das Eingehen übermäßiger und oft unbeabsichtigter Risiken, um Erträge zu erzielen", sagt Coop.

"Wenn man die Zusammenhänge zwischen Einkommen, Wachstum und Risiko kennt, hilft das, realistische Erwartungen zu formulieren und Strategien zu finden, mit denen die eigenen Anlageziele am ehesten erreicht werden können."

Henry Whittaker und SPAM mögen nicht real sein, aber die Optionen, die Ihnen zur Verfügung stehen, sind es sehr wohl.

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie sind weder als Aufforderung noch als Anreiz zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers oder Finanzinstruments zu verstehen. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sollten nicht als alleinige Quelle für Anlageentscheidungen verwendet werden.

Erfahren Sie mehr zu einkommensorientiertem Investieren

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Über den Autor

Ollie Smith  Redakteur bei Morningstar UK