„Führen Sie die Effizienzmarkttheorien ad absurdum“

Aufzeichnungen eines bekennenden Warren Buffett-Anhängers von der diesjährigen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway. „Orakel von Omaha“ und Charlie Munger zeigen sich in Bestform.

Ali Masarwah 27.05.2015

Mein Kollege Huy Nguyen aus Zürich ist bekennender Anhänger von Warren Buffett und der von ihm gelebten Investmentphilosophie, in deren Zentrum der Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens steht. Natürlich muss es das Unternehmen zu einem Discount geben, so viel hat der Starinvestor aus seiner puristischen Value-Frühphase in das 21. Jahrhundert hinübergerettet. Wie 40.000 andere Investoren (man kann sie getrost auch Fans nennen!) pilgerte Huy zum diesjährigen Berkshire-Hathaway-Aktionärstreffen nach Omaha. Er hat den Ausführungen des 85-jährigen Buffett gelauscht, der mit seinem 91-jährigen Kollegen Charlie Munger in Omaha fünf Stunden lang die Geschäftsentwicklung der inzwischen gigantischen Holding erläuterte und – vor allem – die Fragen der Investoren beantwortete. Die zehn besten Bonmots des Altmeisters und Charlie Mungers, für Sie aufgeschrieben von Huy Nguyen:

  1. Wir haben keine Formel, nach der wir Unternehmen kaufen. Jeder Sektor hat seine Besonderheiten, und wir lernen noch immer dazu. (Munger zur Frage, welche Eigenschaften eines Unternehmens für ihn als Investor wichtig sind)
  2. Ich mag Unternehmen, die eine einigermaßen realistische Vorstellung haben, wie sie in fünf Jahren aufgestellt sein werden. Sehr wichtig ist die Frage, ob wir eine Partnerschaft eingehen möchten und ob wir erwarten können, dass sich die verantwortlichen Personen dort vernünftig verhalten werden. (Buffett zur selben Frage)
  3. Ein Viertel aller Kalorien, die ich in meinem Leben zu mir genommen habe, stammen von Coca-Cola. Hätte ich stattdessen Brokkoli oder Rosenkohl gegessen, wäre ich heute vermutlich nicht mehr am Leben. (Buffett zur Frage nach der Gesundheitsschädlichkeit von Zucker und Fast Food )*
  4. Ich bin noch nie einen Deal aufgrund von makroökonomischen Faktoren eingegangen, und ich habe aus solchen Gründen auch noch nie einen Deal abgelehnt. (Buffett zur Frage, welche Rolle das heutige gesamtwirtschaftliche Umfeld in seinen Investitionsüberlegungen spielt)
  5. Führen Sie die Effizienzmarkttheorien, die an den Wirtschaftsunis gelehrt werden, ad absurdum (Buffett zur Frage, was er jemandem raten würde, der keinen Zugang zu den Alumni-Netzwerken der Elite-Business Schools hat)
  6. Ich war nie auf einer Business School, warum sollte man an so einer Einrichtung studiert haben? (Munger zur selben Frage)
  7. Ich liebe deutsche Unternehmen wegen ihrer Produktivität und des deutschen Ingenieurswesens. Die Deutschen arbeiten weniger und produzieren mehr (als in den USA). (Munger auf die Frage nach den Unterschieden zwischen der deutschen und der US-Unternehmenskultur)
  8. Das Wichtigste ist, dass Berkshire erfolgreich bleibt. Über eine Million Menschen sind mit uns verbunden, deshalb wäre ich sehr unglücklich, wenn es der Firma nicht gut ginge (Buffett zur Frage, was für ihn im Leben am wichtigsten ist)
  9. Wir hassen es, das Geld anderer Leute zu verlieren. (Munger zur selben Frage)
  10. Es steht mir nicht zu, Checks auszustellen, die dem Kapital der Gesellschaften (von Berkshire Hathaway) entnommen werden. Das Geld gehört nicht mir, es gehört den Aktionären. (Buffett zur Frage, ob Berkshire Hathaway nicht eine Sonderdividende ausschütten könne)

 

*Coca-Cola ist heute die zweitgrößte Beteiligung von Berkshire Hathaway und macht rund 15% des Portfolios der Holding aus.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.