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Drei Strategien für das neue Zinsumfeld

Nach Jahren extrem expansiver Geldpolitik sollten sich Bond-Anleger auf steigende Zinsen einstellen. Drei Szenarien für ETF-Anleger.

Jose Garcia-Zarate 23.03.2018

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die monatlichen Anleihenkäufe im vergangenen Jahr bereits zweimal gekürzt. Auf der jüngsten Ratssitzung im März hat sie nunmehr das bisher stets geäußerte Versprechen, die Käufe bei Bedarf zu erhöhen, fallen gelassen. Das zeigt, dass nunmehr auch die EZB einem optimistischeren Konjunkturszenario folgt. Das Drehbuch dürfte so aussehen, dass die EZB die Zinssätze bis zum Auslaufen des Kaufprogramms – voraussichtlich im September 2018 – bei minus 0,4 Prozent belassen wird. Danach muss der nächste Schritt zwingend in der Erhöhung der Zinsen liegen. 

Die neue EZB-Politik hat Konsequenzen für auf Euro lautende festverzinsliche Anlagen. Höhere Zinsen drücken den Kurs bestehender Anleihen nach unten. Typischerweise gehen Anleihekursschwankungen politischen Entscheidungen voraus, da die Marktteilnehmer ihre Erwartungen weit im Voraus einpreisen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Anleger die Bond-Allokation auf ein Szenario mit höheren Zinsen ausrichten können. In diesem Beitrag werden drei Strategien diskutiert, die mit ETFs umgesetzt werden können. Diese Strategien folgen unterschiedlichen Anlagezielen, und ihre Umsetzung hängt auch von der Risikobereitschaft der Anleger ab.

1. Die Duration verkürzen

Die Duration misst die Sensitivität von festverzinslichen Vermögenswerten gegenüber Zinsänderungen; sie gibt die ungefähre Kursänderung einer Anleihe als Reaktion auf eine Zinsänderung von 1,00 Prozent an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Duration zu berechnen. Man unterscheidet zwischen der effektiven Duration, der modifizierten Duration und der Macaulay-Duration. Die Unterschiede zwischen ihnen sind jedoch minimal und sollten uns nicht von der Grundidee ablenken, dass Anleihekurse und Zinssätze in einem inversen Verhältnis zueinanderstehen. Unterstellen wir also, dass ein Zinsanstieg von einem Prozent bei einem Portfolio mit einer durchschnittlichen Duration von acht Jahren einen Preisabschlag von acht Prozent nach sich zieht.

Angesichts dieser Beziehung optimieren einige Anleger die Duration ihres Bond-Portfolios als Reaktion auf erwartete Zinsänderungen. Eine Verkürzung der Duration in Zeiten steigender Zinsen dämpft den Abwärtstrend der Anleihekurse, während eine Verlängerung in Zeiten fallender Zinsen den Aufwärtstrend verstärkt. 

ETFs sind praktische Werkzeuge, um Durationsstrategien zu implementieren. Es gibt viele kostengünstige ETFs, welche die Performance von abgegrenzten Laufzeitsegmenten von Staats- und Unternehmensanleihenmärkten messen. Diese ETFs können verwendet werden, um die Duration eines Portfolios präzise zu adjustieren.

Schauen wir uns ein einfaches Beispiel an. Ein Investor hält 10.000 Euro in einen ETF auf Staatsanleihen der Eurozone. Die iShares Core EUR Government Bond, Lyxor EuroMTS All-Maturity Investment Grade und die Xtrackers Eurozone Government Bond ETFs – allesamt halten das Morningstar Analyst Rating „Gold“ - bilden Indizes mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 7,5 Jahren ab.

Durch die Umschichtung von 5.000 EUR in einen ETF, der ein Laufzeitsegment von 1 bis 3 Jahren abbildet - zum Beispiel der iShares EUR Government 1-3y, Lyxor EuroMTS 1-3y oder Xtrackers Eurozone Government Bond 1-3y mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 1.8 Jahren – würde die Gesamtdauer auf 4,65 Jahre sinken. Dadurch würde der Kursrückgang des Bondportfolios bei einem Zinsanstieg von 1,00 Prozent um fast 3 Prozentpunkte verringert werden. Indes würden die Diversifikationsvorteile einer Anlage in festverzinsliche Papiere im Portfolio erhalten blieben.  

Tabelle: Eine Auswahl an Renten-ETFs für kürzere Laufzeiten 

 2. Das Zinsrisiko gänzlich eliminieren

Einige Anleger in festverzinslichen Papieren schaudern beim bloßen Gedanken an steigende Zinsen, wollen aber dennoch die potenziellen Vorteile höherer Renditen nutzen. Anleger, die das Zinsrisiko eliminieren wollen, können Floating Rate Notes (FRNs) oder Rentenfonds mit eingebautem Zinssicherungsgeschäft in Betracht ziehen. Beide sind im ETF-Wrapper erhältlich.

Floating Rate Notes (FRNs) sind Anleihen mit einem variablen Kupon, der an einen Standard-Geldmarktsatz plus einen festen Spread gekoppelt ist. Der Kupon passt sich periodisch an Zinsänderungen an. Infolgedessen haben FRNs eine Laufzeit von nahezu Null, so dass die Anleger ausschließlich dem Kreditrisiko der emittierenden Unternehmen ausgesetzt sind. Logischerweise steigt die Nachfrage nach FRNs in Zeiten steigender Zinsen. FRNs werden meist von Unternehmen ausgegeben. In Europa sind die wichtigsten Emittenten Finanzinstitute.

Für dieses Szenario bieten sich zwei ETFs an, die ein Engagement im auf Euro lautenden Investment-Grade-FRN-Markt anbieten, nämlich der Lyxor Barclays Floating Rate EUR 0-7y und der Amundi Floating Rate Euro Corporate 1-3y. Beide bilden die Indizes synthetisch ab.

Tabelle: ETFs, die auf Floater setzen

Während der Lyxor ETF einen Index abbildet, der Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren abdeckt, konzentriert sich der Amundi ETF auf die Laufzeitklasse 1-3 Jahre. Neben dem Fälligkeitsrisiko führen weitere Konstruktionsunterschiede zwischen den beiden Benchmarks typischerweise zu einem höheren Kreditrisiko - und damit zu einem höheren Renditepotenzial - für den Lyxor ETF.

Da jedoch FRNs nicht jedermanns Sache sind, können sich Anleger, die das Zinsrisiko absichern und gleichzeitig das Engagement auf dem Markt für festverzinsliche (d.h. traditionelle) Unternehmensanleihen beibehalten wollen, für den iShares Euro Corporate Bond Interest Rate Hedged ETF entscheiden.

Tabelle: ETF für die Null-Durations-Lösung

Der ETF bildet einen Index ab, der in etwa hälftig auf Emittenten aus dem Bankenbereich einerseits und Emittenten aus dem Non-Financials andererseits setzt. Der Hedge - eine Short-Position in deutschen Bund-Futures – trägt dazu bei, die Duration auf nahe Null zu senken.

 3. Nichts tun

Das klingt vielleicht nicht so sehr nach einer Strategie. Anleger, die Anleihen lediglich als Gegengewicht (d.h. als Versicherungspolice) zur Aktienvolatilität und nicht als Renditetreiber nutzen, können es sich leisten, nicht auf Zinsschwankungen zu achten.

Für diese Art von Anleger könnte ein passiver One-Stop-Shop-Fonds mit breiter Laufzeit und niedrigen Kosten wie der iShares EUR Aggregate Bond ETF oder der SPDR EUR Aggregate Bond ETF attraktiv sein. Dies ist der ultimative "Buy and forget about it"-Produkttyp, der es Investoren ermöglicht, alle ihre Energien auf den Aktienteil des Portfolios zu konzentrieren.

Tabelle: Breit diversifzierte ETFs für die Aktiendiversifikation

Beide ETFs bilden den Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index ab. Es bietet eine umfassende Abdeckung der Märkte für Staatsanleihen (in der Regel 50%-60%), eine Auswahl quasi-staatlicher Emittenten (10-%-15%), Unternehmensanleihen (15%-20%) und besicherte Anleihen (10%-15%), die auf Euro lauten und ein Investment-Grade-Rating aufweisen. Der Index bietet eine ausgewogene Verteilung über das Laufzeit- und Investment-Grade-Kreditspektrum. 

Fazit

Die sich verbessernden Konjunkturaussichten im Euroraum lassen steigende Zinsen immer wahrscheinlicher werden. Während frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2018 mit einer ersten Zinserhöhung zu rechnen ist, werden die Finanzmärkte bereits im Voraus beginnen, diesen Regime-Change einzupreisen.

Dies hat wichtige Auswirkungen auf festverzinsliche Anlagen und erfordert, dass Anleger darüber nachdenken, welche Strategie besser zu ihrer Risikobereitschaft und ihren Anlagezielen passt. Ganz gleich, ob sie die Duration optimieren, ein Engagement in FRNs wünschen oder sich für eine starre Bond-Allokation entscheiden: Investoren werden wahrscheinlich einen kostengünstigen ETF finden, der ihnen hilft, ihr Ziel zu erreichen.

 

 

Über den Autor

Jose Garcia-Zarate  is an ETF analyst with Morningstar UK.