Die Mischfonds-Alternative für Dividendenjäger

Als Nachklapp zu unserer Dividendenserie bringen wir eine Übersicht zu ausschüttungsstarken defensiven Mischfonds. Anleger müssen trotz generell günstiger Risiko-Profile zur Kenntnis nehmen, dass sie nichts geschenkt bekommen.

Ali Masarwah 05.06.2018

Eigentlich haben wir in der vergangenen Woche mit einer Übersicht zu Dividenden-ETFs den Abschluss unserer Dividendenserie markiert. Doch wir hatten bereits im ersten Teil unserer Umschau angekündigt, dass wir uns auch Gedanken über alternative Ausschüttungswege für Anleger machen würden. Das tun wir hiermit. Geht man davor aus, dass manche Anleger - in erster Linie dürfte es sich um Ruheständler handeln - eine laufende hohe Ausschüttung benötigen und zugleich keine Performance-Havarie riskieren wollen, so bieten sich Mischfonds als eine mögliche Alternative zu Aktien-Dividendenfonds an. 

Für Investoren, die sich in der Konsumphase befinden, ist die Dividendenrendite bzw. die Höhe der Ausschüttungen, die ihnen ein Fonds bietet, das entscheidende Kriterium für ein Investment. Doch auch wenn ihnen laufende Erträge wichtiger sind als die absolute Rendite, so müssen diese risikoaversen Anleger sicher sein, dass sie morgen noch genug Masse im Portfolio haben werden, um übermorgen und auch über-übermorgen in den Genuss einer Ausschüttung zu kommen. Die Risikotragfähigkeit dieser Anlegergruppe ist also sehr gering. 

Wir haben uns deshalb die beiden Kategorien der defensiven Euro-Mischfonds vorgenommen, die global investierenden und die europäisch ausgerichteten. Nur diese Mischfonds kommt in die engere Wahl als Alternative zu Dividendenfonds, weil die Anleger, um die es hier geht, möglichst geringe Aktienrisiken tragen können. 

Unsere Auswahlkriterien: Wir haben nur Fonds mit einer Performance-Historie von drei Jahren und mit Vertriebszulassung Deutschland berücksichtigt. Naturgemäß haben wir nur nach ausschüttenden Fonds in unserer Datenbank gefiltert. Um sicherzustellen, dass sich unser Muster-Anleger nicht nur staubiges Knäckebrot leisten kann, sondern auch einen ordentlichen Stich Butter und hin und wieder ein Lachshäppchen, haben wir nur Fonds berücksichtigt, die über längere Zeiträume eine Ausschüttungsrendite von mindestens zwei Prozent pro Jahr gewährleisten. 

Die 15 defensiven Mischfonds mit den höchsten Ausschüttungsquoten finden Sie in der unteren Tabelle. Sie lesen unsere Auflistung von links nach rechts so: Neben Fondsnamen und ISIN finden Sie weiter rechts die Kosten, gefolgt vom Sortierkriterium, der prozentualen Ausschüttungsquote, welche die Höhe der letzten Ausschüttung ins Verhältnis zum Fondspreis per Ende Mai 2018 setzt. Weiter rechts finden Sie das Fondsvermögen (in Millionen Euro) sowie das quantitative Morningstar Sterne Rating. Weiter rechts ist, sofern vorhanden, das Morningstar Analyst Rating aufgeführt, gefolgt vom Morningstar Risk und dem Morningstar Return versus den anderen Fonds der identischen Kategorie. Auf der Tabellenseite ganz rechts ist die Volatilität in Abwärtsphasen sowie der maximale Verlust in den vergangenen drei Jahren aufgeführt. 

Tabelle: Die Ausschüttungskönige unter den defensiven Euro-Mischfonds

 

Ein Blick auf die Tabelle verdeutlicht, dass eine hohe Ausschüttung nichts mit der Gesamtqualität eines Fonds zu tun haben muss. Der H&A Fonds – Select Total Return Strategie ist hierfür das beste Beispiel. Mit einer Ausschüttungsrendite von knapp sechs Prozent per Ende Mai weist er die zuletzt höchste Ausschüttungsquote auf. In den vergangenen zwei Jahren blieb die Quote nahe fünf Prozent. Doch das Zwei-Sterne-Rating zeigt, dass der Fonds nur ein unterdurchschnittliches Rendite-Risiko-Profil hat. In den vergangenen drei Jahren erwirtschaftete er ein Minus von 0,6 Prozent pro Jahr, was bedeutet, dass die Ausschüttungen an der Substanz des Fonds gezehrt haben. Auch wenn der Fonds weniger risikoreich war als seine Konkurrenten in derselben Kategorie, so war auch die Performance unterdurchschnittlich, so dass die Ausschüttungen den Fondspreis regelrecht erodiert haben. 

Gleiches gilt für den Schroders Global Multi-Asset Income, der sogar nur ein Ein-Sterne-Rating aufweist. Er hat das sehr ambitionierte Ziel, eine jährlichen Ausschüttungsquote von fünf Prozent zu erzielen (brutto sollen es sogar sieben Prozent sein). Doch das Risiko war in den vergangenen Jahren hoch und die Performance unterdurchschnittlich, sodass auch dieser Fonds es nach Ausschüttungen nicht schaffte, die Nulllinie zu halten, ja auch inklusive Ausschüttungen fiel per Ende März ein jährlicher Verlust von 0,6 Prozent an. Angesichts der Diskrepanz zwischen Ausschüttung und Gesamt-Performance sollten bei Anlegern hier die Alarm-Glocken klingeln.

Doch auch Fonds mit einem insgesamt überdurchschnittlichen Rendite-Risiko-Profil, hier sind der MFI Rendite Plus, PIMCO Strategic Income Fund, 4Q-Income Universal sowie der Aramea Rendite Plus zu nennen, können nicht auf Wasser gehen. Die Ausschüttungsquoten liegen allesamt zwischen 3,95 Prozent und 3,8 Prozent. Das bedeutet, dass auch diese Fonds in den vergangenen Jahren zumindest zeitweilig von der Substanz zehrten. Das erfolgte trotz des günstigen Performance-Profils der Fonds. Das zeigt, dass im Niedrigzinsumfeld von heute auskömmliche Kupons bei gleichzeitigem Kapitalerhalt, wie ihn traditionelle Anleihen früher sicherten, auch bei einer überdurchschnittlichen Performance keine Selbstverständlichkeit sind. 

Natürlich müssen an dieser Stelle die Gebühren der Fonds angesprochen werden. Sie sind zumeist hoch und kratzen im Extremfall knapp an der 2,5 Prozent-Marke. Günstig sind nur der SK Top Invest Deka, der MFI Rendite Plus UI sowie der Stiftungsfonds Westfalen, die Kosten von unter 1,0 Prozent aufweisen. Anleger sollten also nicht nur auf die Ausschüttungsrendite blicken, sondern auch die Kosten im Auge behalten, die unmittelbar den Anlageerfolg schmälern. Gerade bei konservativen Produkten sollten Anleger verinnerlichen, dass sie nichts zu verschenken haben. 

Abschließend nun eine alternative Sicht der Dinge. Wir haben unten die 20 Fonds aufgeführt, die ein unterdurchschnittliches bzw. durchschnittliches Risiko aufweisen. Die Reihenfolge der Datenpunkte ist identisch wie bei der oberen Tabelle. 

Die unterdurchschnittlich riskanten Fonds weisen überwiegend gemäßigtere Ausschüttungsquoten auf, die sich überwiegend zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr bewegen. (Ausnahmen sind hier die bereits erwähnten H&A Fonds-Select Total Return Strategie und der MFI Rendite Plus UI, deren Ausschüttungsquoten sich zwischen 4,5 und 5,9 Prozent bewegen).

Tabelle: Die 20 ausschüttungsstärksten Fonds mit den geringsten Risiken

Gerade bei diesen Fonds zeigt sich, dass es eine Herausforderung war, Ausschüttungsquoten und Fonds-Substanz in Einklang zu bringen. Produkte, die ein geringes Risiko eingegangen sind, haben tiefere Renditen erwirtschaftet als riskantere Fonds. Somit stand weniger Substanz als bei riskanteren Fonds für Ausschüttungen zur Verfügung. Auch in diesem Artikel kommen wir also zur Erkenntnis, dass Risikomanager im insgesamt freundlichen Kapitalmarktumfeld der vergangenen Jahre nicht belohnt wurden. Anleger müssen sich also damit abfinden, dass ihre Ausschüttungen in den meisten Fällen an der Substanz der Fonds genagt haben. 

Wer nun zum Schluss kommt, dass Aktien-Dividendenfonds angesichts der überwiegend positiven Substanzentwicklung (nach Ausschüttung) die bessere Wahl sind als defensive Mischfonds, der sollte sich daran erinnern, dass man es im Nachhinein immer besser weiß. Niemand konnte es im Vorhinein wissen, dass die Aktienmärkte nach 2009 eine derart grandiose Hausse genießen würden. Deshalb sollten Anleger bedenken, dass auch die solidesten Dividendenfonds bei einer Aktien-Korrektur in Mitleidenschaft gezogen werden und aller Voraussicht nach deutlich mehr verlieren werden als defensive Mischfonds.  

Auch wenn die Ausschüttungen empfindlich an der Substanz der defensiven Mischfonds genagt haben, dürften diese Fonds für viele Anleger mit geringer Risikotragfähigkeit durchaus eine Alternative sein, zumal in ruppigeren Börsenzeiten. Doch nach dieser allgemeinen Erkenntnis gilt es, die Fonds-Kandidaten genauer zu beäugen und zu prüfen. Denn das Problem ist, dass auch viele defensive Mischfonds in den vergangenen höhere Risiken genommen haben, um Anlegern eine ansehnliche Performance zu liefern, etwa über Investments in Junk Bonds oder durch die Erhöhung der Aktienquoten. Nur eine qualitative Analyse von Fondsstrategien kann die quantitativen Daten, die wir in den beiden oberen Tabellen aufgeführt haben, ultimativ erklären und deuten. 

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.  

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.