Ein Viertel der Eurozonen-Aktienfonds weisen signifikante Schwächen auf

Wir setzen unsere Reihe zu unseren quantitativen Morningstar Ratings fort. Heute blicken wir auf die Kategorie der Eurozonen-Standardwertefonds. Wie schneiden die größten Fonds in unseren Ratings ab, und welche Fonds haben die besten quantitativen Ratings?

Ali Masarwah 13.12.2018

Wir haben jüngst unsere neuen Morningstar Quantitative Ratings vorgestellt und gegenüber den Morningstar Analyst Ratings abgegrenzt. Heute stellen wir Ihnen das Morningstar Quantitative Rating in der Praxis vor. In lockerer Reihenfolge arbeiten wir uns an den wichtigsten Fondskategorien ab und stellen dabei praxisnah die qualitativen Ratings der größten Fonds vor. Wir machen den Start mit einer Übersicht über die Kategorie der Eurozonen Standardwertefonds. Mit einem verwalteten Vermögen von knapp 160 Milliarden Euro in rund 520 Fonds zählt diese Gruppe zu den größeren Fondskategorien in Europa. Wie sieht die Abdeckung mit Morningstar Ratings aus? 

Fangen wir mit den Morningstar Analyst Ratings an. Unsere Fondsanalysten haben 24 Fonds in dieser Kategorie qualitativ analysiert. Zwölf dieser Fonds sind aktiv verwaltet, zwölf sind Index-Tracker. Nun könnte der Beobachter verächtlich die Lippen schürzen ob der relativ geringen Anzahl an qualitativ bewerteten Fonds. Tatsächlich sind 24 von 520 etwas weniger als fünf Prozent der Fonds dieser Kategorie. Das ist auf den ersten Blick tatsächlich nicht viel. Allerdings vereinen diese Fonds immerhin 50 Milliarden Euro auf sich, was gut 30 Prozent der Gelder in der Kategorie entspricht. Unsere Analysten haben also vor allem die Fonds im Blick, die für viele Anleger wichtig sind. Das ist ein typisches Bild bei den Analyst Ratings, die oft große Fonds abdecken und damit eine größere Marktrelevanz haben, als man anhand der bloßen Anzahl an bewerteten Fonds vielleicht glauben würde.

Blicken wir jetzt auf die untere Tabelle, welche die Verteilung der Analyst Ratings und der Morningstar Quantitative Ratings in der Kategorie Aktien Standardwerte Eurozone abbildet. 

Tabelle: Von Menschen und Maschinen: Wie Eurozonen-Fonds bewertet werden

Wie die obere Tabelle zeigt, verfügen 14 von 24 Fonds über ein positives Morningstar Analyst Rating der Stufen „Gold“ (3), „Silver“ (3) oder „Bronze“ (8). Das sind knapp 60 Prozent der analysierten Fonds. Da die Ansage für unsere Fondsanalysten lautet, gute Fonds zu finden, die als Investment in Frage kommen, sollte der Überhang an positiven Ratings nicht verwundern. Eher könnte den Beobachter die große Zahl von zehn „Neutral“ Ratings erstaunen – immerhin gut 40 Prozent aller Ratings der Kategorie. Mit „Negative“ ist kein einziger Fonds bewertet. 

In der oberen Zeile der Tabelle finden Sie die Morningstar Quantitative Ratings (MQR). Hier sind 495 Eurozonen-Standardwertefonds mit Ratings vertreten. Die Rating-Verteilung sieht hier anders aus als bei den Morningstar Analyst Ratings. 

Von den 495 im MQR bewerteten Eurozonen-Standardwertefonds verfügen nur 26 Prozent über ein positives Rating der drei Stufen „Gold“, „Silver“ oder „Bronze“. Prozentual sind die meisten positiven Ratings im Bronze-Bereich verortet – wie auch bei den Morningstar Analyst Ratings. Allerdings sind im Analyst Rating 33 Prozent der bewerteten Fonds mit „Bronze“ bewertet; beim MQR sind es nur 13 Prozent.

Die größte Abweichung zwischen den beiden Rating-Systemen findet sich bei den „Negative“-Ratings. Das MQR hat 121 Eurozonen-Standardwerte-Fonds mit signifikanten Mängeln ausgemacht. Das sind immerhin knapp 25 Prozent der quantitativ bewerteten Fonds. Der Anteil der mit „Neutral“ bewerteten Fonds liegt beim MQR bei 49 Prozent gegenüber 42 Prozent beim Analyst Rating. 

Insgesamt liegt das Vermögen der Fonds mit einem quantitativen Rating bei knapp 110 Milliarden Euro. Das sind rund 220 Millionen Euro im Schnitt pro Fonds. Zur Erinnerung: Das Vermögen in den 24 Fonds mit einem Morningstar Analyst Rating beläuft sich auf knapp 50 Milliarden Euro, was einem Schnitt von gut zwei Milliarden Euro pro Fonds entspricht.

MQR schlägt bei der Reichweite sogar das Sterne-Rating

Interessanterweise ist die Reichweite des Morningstar Quantitative Rating zahlenmäßig sogar größer als die des Morningstar Sterne Ratings. Während 495 Fonds über ein MQR verfügen, sind es nur 420 Eurozonen Standardwertefonds mit Sterne Ratings. Der Grund für diese Diskrepanz ist naheliegend: Unser Morningstar Sterne Rating wird nur an Fonds vergeben, die eine Mindesthistorie von drei Jahren haben. Aufgrund der ungleich höheren Anzahl an Parametern, die bei unserem Morningstar Quantitative Rating zum Tragen kommen, gibt es keinen Grund, ein zeitliches Limit für die Erstellung eines Ratings zu setzen. Indes ist das verwaltete Vermögen der mit Sterne-Ratings versehenen Fonds mit 151 Milliarden Euro höher als das Vermögen in Fonds mit MQR.  

Blicken wir nun auf die Rating-Verteilung nach dem Aktiv-Passiv-Schema. Zunächst die Morningstar Analyst Ratings: Die Hälfte der 24 bewerteten Fonds in der Kategorie der Eurozonen-Standardwerte sind Indexfonds. Von den gut bewerteten Indexfonds weist die Hälfte das bestmögliche Rating „Gold“ auf, während bei den aktiv verwalteten Medalists kein einziger ein „Gold“ hält. Hier haben die niedrigen Kosten und die breite Diversifikation der Index-Tracker unsere Fondsanalysten überzeugt.

Demgegenüber weisen die bewerteten Indexfonds einen geringeren Anteil an positiven Ratings insgesamt auf; die Hälfte der Indexfonds mit Analyst Ratings ist mit „Neutral“ bewertet, derweil nur vier von zwölf aktiv verwaltete Eurozonen-Fonds ein „Neutral“ halten.

Tabelle: Aktiv vs Passiv: Aktien Standardwerte Eurozone im Analyst Rating 

Bei den MQR, die unten abgebildet sind, fällt auf, dass beim Anteil an gut bewerteten Eurozonen-Fonds fast Gleichstand besteht zwischen den aktiv und passiv verwalteten Fonds. 27 Prozent der aktiv verwalteten Fonds sind mit „Gold“, „Silver“ oder „Bronze“ bewertet; bei den Indexfonds liegt die Quote bei 25 Prozent.

Indes ist der Anteil negativ bewerteter Indexfonds mit zehn Prozent deutlich niedriger als bei aktiv verwalteten Fonds, bei denen 28 Prozent ein „Negative“ aufweisen. Demgegenüber sind im MQR 65 Prozent der Indexfonds mit „Neutral“ bewertet gegenüber 46 Prozent der aktiv verwalteten Fonds.

Tabelle: Aktiv vs Passiv: Aktien Standardwerte Eurozone im Quantitative Rating

Kommen wir nun zur Übersicht über die quantitativen Ratings der größten Eurozonen-Fonds, die in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Vertrieb zugelassen sind. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, dominiert bei den größten 20 Fonds das Rating  „Neutral“, das an 13 Fonds vergeben wurde. Zwei Fonds verfügen über das beste Rating „Gold“, der Indexfonds Vanguard Eurozone Stock Index und der Morgan Stanley Eurozone Equity Alpha, bei denen jeweils vier der fünf Rating-Pfeiler positiv bewertet sind. Ein Fonds, der Janus Henderson Horizon Euroland, ist mit „Silver“ bewertet, vier Fonds halten ein „Bronze“ Rating.

Tabelle: Die Rating Bilanz der größten 20 Euroland-Aktienfonds der DACH-Region  

Zum Schluss führen wir die Euroland-Aktienfonds auf, die über die besten quantitativen Ratings verfügen - „Silver“ (25 Fonds) und „Gold“ (9). Interessant ist, dass etliche Fonds im Netz unserer quantitativen Ratings hängen geblieben sind, die aufgrund ihrer geringen Größe und der begrenzten Vertriebsreichweite nicht auf der Coverage-List unserer Fondsanalysten gelandet sind. Typischerweise bewerten wir im Morningstar Analyst Rating keine Fonds, die nur in Deutschland oder der Schweiz vertrieben werden. Das Morningstar Quantitative Rating ändert dies: Die umfassende Coverage ermöglicht es auch, sehr stark lokal geprägte Fonds-Stories abzubilden. 

Tabelle: Die Eurozonen-Fonds mit den besten Morningstar Quantitative Ratings

 

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.