Wann ist ein Promi kein Promi, sondern ein Fondsmanager?

Überlegungen zu so genannten Promi-Fonds und welche Qualitäten Fondsmanager im Interesse der Anleger besitzen sollten.  

Ali Masarwah 06.02.2019

Dass der Weg von Diane Kruger zur Schauspielerin (Troja, Inglourious Bastards) vorbestimmt war, deutete sich sicher an, als sie in jungen Jahren als Aushilfe bei einem Bestattungsunternehmen tätig war. Brad Pitts Weg zum Star (u.a. The Big Short, 12 Monkeys, Fight Club, Ocean’s 12) war natürlich vorgezeichnet durch seinen Job, als Chauffeur Stripperinnen zu ihren Auftrittsorten zu kutschieren. Und natürlich hätte Gwen Stefani nicht 40 Millionen Alben verkaufen können, wenn sie sich nicht zuvor als Putzkraft ausgezeichnet hätte.* 

Was in aller Welt, mögen Sie sich jetzt fragen, hat dieser nicht gänzlich ironiefreie Hinweis auf gelungene berufliche Spurwechsel mit dem Thema Finanzen bzw. Investmentfonds zu tun? Nun, er soll zu einem Thema herleiten, das immer wieder in aller Munde ist: zum sogenannten Promi-Fonds. Personen, die der Öffentlichkeit aus anderen Kontexten bekannt sind, werden immer wieder als Portfolio-Lenker aufs Schild gehoben. (Hier endet die Analogie zu den oben genannten Promis; mehr erfahren Sie bestimmt beim nächsten Zahnarzt- oder Friseurbesuch!) 

Wir wollen einige Überlegungen anstellen, warum blutige Laien, die den Beruf des Fondsmanagers ergreifen, immer wieder Vorschusslorbeeren von Anlegern und Beratern gleichermaßen bekommen; warum es ganz bestimmte Qualitäten erfordert, Fonds zu managen, und warum manche Investment-Vehikel unter bestimmten Umständen durchaus zu Recht die Bezeichnung „Promi-Fonds“ verdienen, auch wenn niemand auf die Idee käme, deren Manager zu Promis zu verklären. 

Glamour, Macht, Beliebtheit und Talent: Der Stoff, aus dem Promis gemacht sind 

Kommen wir zunächst zur merkwürdigen Bezeichnung „Promi“. Sie ist die umgangssprachliche Abkürzung des Wortes „Prominenz“, das, gemäß Wikipedia, in seiner Ursprungsform „herausragende Persönlichkeiten“ beschreibt. Man spricht auch von „Celebrities“ oder „VIPs“. Oft handelt es sich um Musiker oder Schauspieler. Aber auch Politiker, Sportler und Unternehmenslenker können prominent sein – wie übrigens auch die Kandidaten der Fernsehsendung DSDS. Einigen wir uns darauf, dass hinter dem Wort „Promi“ oft die Faktoren Glamour, Macht und Beliebtheit stehen, und, gelegentlich zumindest, auch Talent im Spiel ist? D’accordo! 

Das bringt uns zu Personen wie Kai Diekmann und Leonhard Fischer, Marc Friedrich und Matthias Weik, Dirk Müller, Max Otte oder auch Stefan Riße. Diese der Öffentlichkeit bekannten Personen sind für die Existenz – und manchmal auch den Untergang - von Investmentfonds verantwortlich. Sie prägen – in welcher Form auch immer – deren Strategien und verleihen diesen Spar-Vehikeln oft auch ihre Namen. Sie merken, hier komme ich etwas ins Lavieren. Denn „Fondsmanager“ kann man die Promis hinter den Fonds zumeist nicht nennen. Weil aus regulatorischen Gründen nicht jedermann offiziell als Fondsmanager agieren kann, fungieren die oben bezeichneten Personen offiziell nur als „Berater“ der von ihnen angestoßenen Fondskonzepte. 

Kann ein Ex-Bild-Chef Fonds managen? 

Damit kommen wir zu einer grundsätzlichen Frage: Sind ehemalige Bild-Chefredakteure, Kursmakler, Buchautoren und Investmentbanker qualifiziert, Fonds zu leiten? Die brutale Antwort, illustriert am Beispiel des Journalisten Stefan Riße, lautet: erstmal nicht. 2012 hatte Stefan Riße, bekannt als Fernsehmoderator, den Fonds Riße Inflation Opportunities UI initiiert. Vier Jahre und 50 Prozent Verlust später wurde der Mischfonds aufgelöst. Im Gespräch mit dem Fachmagazin Fondsprofessionell räumte Riße „kardinale Fehleinschätzungen“ ein. Er hatte 2014, in Zeiten der rasanten Erholung der Aktienmärkte, Short-Positionen aufgebaut – und schwere Verluste eingefahren. 

Nun ließe sich im Nachhinein über den gescheiterten Fondsmanager Stefan Riße Hohn und Spott ausgießen. Doch das verbietet sich. Jeder macht Fehler. Viel entscheidender als die individuellen Fehler, die Riße im Interview zugibt, ist ein weiteres Zitat aus dem Fondsprofessionell-Interview: „Rückblickend hatte ich unterschätzt, wie es ist, derart im Rampenlicht zu stehen. Meine Leichtigkeit ging völlig verloren, ich war ein Getriebener“, so Riße. Mit anderen Worten: Der Moderatorjob war Peanuts im Vergleich zum Job als Portfoliomanager. 

Bei vielen Fondsmanagern lässt die Work-Life-Balance zu wünschen übrig 

Und hier kommen wir zu des Pudels Kern: Fonds zu managen, ist komplett frei von Glamour. Der Beruf ist zeitintensiv, stressig, nicht familienfreundlich, mitunter überraschend bescheiden bezahlt. Die Work-Life-Balance lässt oft zu wünschen übrig. Nicht nur, weil er durch die laufende Beobachtung der Kapitalmärkte bzw. hunderter, ja tausender Unternehmen einen hohen zeitlichen Aufwand bedeutet. Der Job als Portfolio-Lenker ist nicht zuletzt deshalb hart, weil er den Betroffenen eine immense Last aufbürdet. Sie tragen die Verantwortung für das finanzielle Wohlergehen von Menschen. 

Je nach Fondsgröße kann die Altersvorsorge von sehr vielen Menschen von den Entscheidungen des Fondsmanagers abhängen. Das erfordert Professionalität, Erfahrung und die Einbettung in eine effiziente, professionell arbeitende Organisation, die keinesfalls nur dazu da ist, dem „Star“ zuzuarbeiten, sondern ihn herauszufordern und ihm permanent Realitäts-Checks abzuverlangen.  

Kleine Jungs wollen Feuerwehrleute werden. Als junge Erwachsene erfahren sie, dass der Job hart, dreckig und gefährlich ist. 

Bekannte Persönlichkeiten müssen, salopp gesprochen, ihr Promi-Kleid an der Garderobe ablegen, wenn sie sich anschicken wollen, Fonds zu managen. Und sie müssen die Kärrnerarbeit des Portfoliomanagers von der Pike auf lernen. 

Auch viele kleine Jungs wurden irgendwann einmal zu Feuerwehrleuten 

Nun hat diese Kolumne nicht das Ziel, Kai Diekmann und Leonhard Fischer, Marc Friedrich und Matthias Weik, Dirk Müller, Max Otte und auch nicht Stefan Riße als untauglich abzustempeln. Schließlich haben ja auch viele kleine Jungs irgendwann einmal als Erwachsene den Beruf des Feuerwehrmanns ergriffen. Auch Fachfremde, wie Buchautoren, Kursmakler und Bildzeitungs-Chefredakteure, können durchaus Fondsmanager werden. Sie müssen es halt lernen und dann immer wieder, in mühsamer Kleinarbeit, jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellen.

Das bringt mich zum eigentlichen Fazit: Anleger, die vor der Frage stehen, ob sie in einen Promi-Fonds investieren sollen, sollten kritisch hinterfragen, welche Eigenschaften die Personen, welche die Entscheidungen treffen, als Fondsmanager mitbringen. Das ist nicht trivial. Denn oft diffundiert die Frage der Verantwortlichkeit bei Fonds, die von Promis „beraten“ werden. Schließlich werden diese Fonds von anderen, zumeist vollkommen unbekannten Personen offiziell „gemanagt“. Wenn die Transparenz der Entscheidungsfindung nicht 100 Prozent klar ist, spricht das zunächst nicht für einen derartigen Fonds.

Sollte wiederum der Promi nicht nur als metaphysischer Geist über dem Geschehen wabern, sondern auch die Verantwortung für die Strategie tragen, dann ist, neben der Klärung seiner fachlichen Kompetenz, zu hinterfragen, ob sein Weltbild mit den Investmentzielen des Anlegers in Einklang zu bringen ist. Anders formuliert: Wenn ein Fondsmanager einen Fonds nur auf ein Event hin verwaltet, sagen wir auf einen Crash, „der sicher kommt“, dann dürfte er für Langfristanleger zu wenige Aktienrisiken eingehen. Zudem ist dann zu hinterfragen, ob der Fonds dem Prinzip der Diversifikation hinreichend Rechnung trägt. 

Das bringt mich zu den wahren Promis in der Welt der Vermögensverwaltung: Die Manager, die mit vielen kleinen Einzelentscheidungen, die im Idealfall nur ein wenig häufiger gut gehen als nicht, auf eine Outperformance gegenüber einer adäquaten Benchmark hinarbeiten. Kleine, stetige Erfolge kumulieren sich dann langfristig zu einem signifikanten Mehrwert. Der Erfolg basiert nicht auf Glamour, sondern vor allem auf der Magie des Zinseszinseffekts – das ist der wahre Star der Investment-Manege. 

Wer sich nun die Frage stellt, wer gemeint sein könnte, der möge auf die qualitativen Morningstar Analyst Ratings schauen. Die Manager der Fonds, die ein positives Analyst Rating tragen, erfüllen die Anforderungen, die Starfondsmanagern abverlangt werden  – und das schließt explizit die Manager ein, die in mühseliger Kleinarbeit dazu beitragen, die Replikation von Indexfonds zu optimieren. 

*Morningstar zeichnet sich zwar durch knallhartes Research aus; die Angaben zu den früheren Berufen der oben genannten Schauspieler habe ich allerdings dem Portal www.glamour.de entnommen.  

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.