Inflationsschutz: Mythen und Wirklichkeit

Wir verraten Ihnen, worauf es beim Schutz Ihres Portfolios vor der Teuerung ankommt - und räumen dabei mit einigen Legenden auf.

Gordon Rose 07.12.2012

Seitdem die Zentralbanken im Zuge der Finanzkrise die Märkte mit Geld geflutet haben und die Zinsen auf einem Rekordtief angekommen sind, geht bei Investoren das Inflationsgespenst um. Doch so mancher Experte weiß: Noch ist keine Geisterstunde.

Kein Grund für Alarmismus: Inflationierung des Systems steht nicht kurz bevor

Der renommierte Volkswirt Peter Bofinger und der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, stimmten während ihren Präsentationen bei unserer letzten Morningstar Investment Conference in puncto Inflation überein: So lange die sogenannte financial repression weitergehe, sei nicht mit einem Anstieg der Zinsen und damit der so panisch gefürchteten Inflation zu rechnen. Während der Investor Heise für das fortdauernde Renditetief bei sicheren Bundesanleihen auch „strukturelle Gründe“ ausmachte, wie etwa die Verknappung des Angebots an sicheren Assets, argumentierte Bofinger aus der Makrosicht. „Es gibt keine Inflationsgefahr, denn die Geldmenge M3 ist stabil.“ Auch wenn die Geldbasis durch die Bankenstützungsaktionen der EZB gestiegen ist, gelange das Geld nicht in den Wirtschaftskreislauf. Bofinger: „Es werden keine Kredite vergeben, die Banken horten Cash.“

Eine Inflation sei erst dann wahrscheinlich, wenn die expansive Linie der Notenbank auch auf den Wirtschaftskreislauf überschwappt. „Wenn die Preise in der Breite steigen, setzen Unternehmen ihrerseits Preiserhöhungen durch, die Löhne steigen, und dann steigt die Inflation: Einen Trend zu fulminanten Lohnerhöhungen sehe ich aber nicht“, so Bofinger. Ob wir letztendlich eine Inflation erleben, da unterscheiden sich die Meinungen (lesen Sie hier mehr).

Das Portfolio fit machen für mittelfristige Gefahren

Stellt sich nun für den Investor die Frage, ob er die zukünftige Inflation bei seinen Anlageüberlegungen überhaupt berücksichtigen sollte. Und die Frage ist berechtigt. Eine Inflationsabsicherung des Portfolios kann man – einfach ausgedrückt – mit einer Versicherung vergleichen. Und die kostet Geld bzw. eine Prämie. Wenn Sie zu den eher risikoaversen Anlegern gehören, sollten Sie aber über den Inflationsschutz nachdenken. Er hat gegenüber einer Versicherung einen Vorteil: Man bekommt auch ohne den Versicherungsfall – in diesem Fall eine hohe Inflation – generell Geld zurück und hat sogar die Möglichkeit, eine Rendite zu erzielen.

Diverse Anlageberater oder Journalisten heben immer wieder Rohstoffe, insbesondere Gold, als Inflationsschutz hervor. Vor allem Gold gilt bei vielen als die Absicherung schlechthin. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall. Gold korreliert nämlich negativ mit der Inflation, und zwar sowohl mit der erwarteten als auch der unerwarteten. Heißt im Klartext: Wenn die Inflation steigt, sinkt der Goldpreis. Also genau das Gegenteil von dem, was der Investor sich erhofft (lesen Sie hier mehr). Wenn also nicht Gold, was dann?

Das sagen die Akademiker

Die meisten Forschungen zu diesem Thema basieren auf US-Studien, die die Korrelation von Rohstoffen mit der Inflation in den USA untersucht haben. Da Rohstoffe in den USA als Inflationsschutz dienen, entsteht der Eindruck, dass Rohstoffe generell eine gute Inflationsabsicherung darstellen. Folgende Tabelle verdeutlicht jedoch, dass sich die Korrelation zwischen Rohstoffen und der Inflation in verschiedenen Regionen unterscheidet.



In Europa dienten in der Vergangenheit lediglich Agrarprodukte über 3 und 5 Jahre bzw. Vieh über 5 Jahre als Inflationsschutz. Obwohl Gold von vielen als Inflationsschutz gehandelt wird, korrelierten Edelmetalle in allen Zeiträumen und Regionen negativ mit der Inflation. Bei Europa und Asien sollte man jedoch bedenken, dass die Korrelation auf der durchschnittlichen Inflation mehrerer Länder basiert. Daher sind die Ergebnisse nicht so eindeutig wie in den USA und mit Vorsicht zu genießen. Zudem können die Währungseffekte eine Rolle spielen.

Zudem ist anzumerken, dass die Korrelation zwischen Rohstoffen und Inflation sehr stark schwankt. Von 1983 bis 2007 schwankte die rollende 1-Jahreskorrelation in den USA von -0,8 bis +0,8; über einen längeren Zeitraum ist die Korrelation jedoch stabiler. Der Inflationsschutz durch Rohstoffe in den USA kann also kurzfristig sehr stark sein, aber eben auch negativ. In Europa und Asien bedarf es hingegen noch weiterer Untersuchungen, um handfeste Schlüsse ziehen zu können.

Erwartete vs unerwartete Inflation

Bevor wir untersuchen, wie sich Investoren gegen die Inflation absichern können, sollten wir zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation unterscheiden. Die unerwartete Inflation ist die Differenz zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Inflation und kann z.B. durch einen Preisschock des Öls entstehen. Da die erwartete Inflation bereits zum Teil in Aktien und Anleihen eingepreist ist, spielt die unerwartete Inflation in unserem Fall die entscheidendere Rolle. Jedoch zeigen Studien, dass nur wenige Rohstoffe europäischen Investoren einen statistisch signifikanten Inflationsschutz bieten können. Nur breit aufgestellte Rohstoffkörbe und Energiewerte bieten eine solche Absicherung. Edelmetalle zeigen hingegen einen statistisch signifikanten negativen Zusammenhang mit der erwarteten Inflation.



In den USA haben Investoren eine Vielzahl an Möglichkeiten, ihr Portfolio gegen die unerwartete Inflation abzusichern. Asiatische Investoren haben es dagegen schwer. Wie aus obiger Tabelle ersichtlich ist, biete in Asien kein Rohstoff einen signifikanten positiven Zusammenhang weder mit der erwarteten noch mit der unerwarteten Inflation an.

Schaut man sich jedoch in Europa das Hedging-Potenzial von Rohstoffen gegen unerwartete Inflation an, stellt man fest, dass sich ausschließlich Energiewerte dafür eignen. Der statistisch signifikante Zusammenhang mit breit aufgestellten Rohstoffkörben basiert lediglich auf dem Zusammenhang der Inflation mit Energiewerten wie obige Tabelle verdeutlicht.

Basierend auf den obigen Untersuchungen bieten sich daher folgende ETFs als Inflationshedge für das Portfolio an:

Breit aufgestellte Rohstoffkörbe:

ETFS All Commodities DJ-UBSCI ETC (USD) bietet Anlegern die Möglichkeit, von der Wertentwicklung eines breit aufgestellten Rohstoffkorbes zu profitieren. Der zugrundeliegende Index gewichtet dabei die Rohstoffe anhand ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Hierzu bedient sich der Indexanbieter primär der Liquidität der Futures und der Produktionskapazitäten der Rohstoffe, wobei die Liquidität höher gewichtet wird. Einzelne Sektoren können mit maximal 33 % gewichtet werden, wohingegen einzelne Rohstoffe maximal 15 % des Index ausmachen dürfen. Energiewerte und Agrarprodukte sind derzeit am stärksten gewichtet.

EasyETF S&P GSCI TM Capped Commodity 35/20 A (Euro Unhedged) (EUR) bietet ebenfalls Zugriff auf einen breiten Rohstoffkorb. Der Unterschied zum DJ-UBSCI besteht jedoch in der Gewichtung der einzelnen Rohstoffe. Der S&P GSCI gewichtet die Rohstoffe nur anhand der Produktionskapazitäten und lässt damit die Liquidität außen vor. Das hat zur Folge, dass der Energiesektor mit fast 70 % doppelt so stark gewichtet ist wie im DJ-UBSCI.

db x-trackers DLBCI – OY Balanced 1C (EUR): Dieser ETF verfolgt eine etwas aktivere Strategie. Der Index verfolgt eine strikte Asset-Allokation und gewichtet jährlich im November in sein Ausgangsportfolio zurück: Energie (35 %), Edelmetalle (17 %), Industriemetalle (18 %) und Agrarwerte (30 %). Der zugrundeliegende Index versucht, den Verlauf der Futures-Kurve auszunutzen und positioniert sich je nach Marktphase anders auf der Kurve. Die Zielsetzung ist es, die Rendite zu optimieren.

Energiewerte

ETFS Energy DJ-UBSCI (DE) ETC (EUR): Der ETF des Rohstoff-Marktführers ETF Securities bildet insgesamt fünf Energiewerte ab, wobei der zugrundeliegende Index ein Sub-Index des DJ-UBS Commodity Index ist; sprich, die einzelnen Rohstoffe sind primär anhand ihrer Liquidität gewichtet. Derzeit repräsentiert WTI Crude Oil (28,3 %) unwesentlich mehr als Naturgas (28,0 %). Die weiteren Rohstoffe sind: Brent Crude (18,0 %), Benzin (13,7 %) und Heizöl (11,9 %).

Aufgrund des signifikanten Zusammenhangs zwischen Energiewerten und der Inflation sind wahrscheinlich der EasyETF S&P GSCI TM Capped Commodity 35/20 und der ETFS Energy DJ-UBSCI (DE) ETC die besseren Produkte im Hinblick auf den Inflationsschutz.

Investoren sollte jedoch die Problematik bei Rohstoffindizes beachten. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel: „Vorsicht bei Rohstoffen“.

 

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.