Performance Fees: Deutsche Anbieter halten sich bedeckt

Allianz Global Investors, Deka, DWS und Union Investment müssen Fonds mit einem Vermögen von 35 Milliarden Euro umstellen.

Ali Masarwah 17.12.2012

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin macht bei den Performance Fees Druck. Für deutsche Fonds müssen bis Juli 2013 neue Regeln zur Berechnung der viel kritisierten erfolgsabhängigen Gebühren umgesetzt werden. Das dürfte mittelfristig gravierende Folgen für die Fondsbranche haben, die bisher von häufig unfair gestalteten Gebührenstrukturen profitiert hat (lesen Sie hier mehr zu den anstehenden Veränderungen).

Wir wollten wissen, wie die großen deutschen Fondsanbieter auf die im September veröffentlichten Bafin-Regelungen reagiert haben und welche Veränderungen konkret bei ihren Fonds anstehen. Befragt haben wir Allianz Global Investors (AGI), Deka, DWS und Union Investment. Flankiert wurden diese Einzelumfragen von einer Einschätzung des Investmentverbands BVI zu den neuen Regeln.

Fonds mit einem Umfang von 35 Milliarden Euro betroffen

Auf Ebene der deutschen Fondsbranche als solche lässt sich aus den Antworten des BVI schließen, dass die Reichweite der Bafin-Mustervertragsbedingungen erheblich ist. „Schätzungsweise haben insgesamt rund 400 deutsche Wertpapier-Publikumsfonds mit einem Gesamtvermögen von 60 Milliarden Euro eine erfolgsabhängige Vergütung in ihren Vertragsbedingungen vorgesehen“, heißt es beim BVI. Dies entspricht rund 25 Prozent des Volumens von 243 Milliarden Euro in deutschen Wertpapier-Publikumsfonds. Die meisten dieser Fonds wenden dabei das Benchmark-Modell an. „Wir gehen davon aus, dass dies auch künftig so bleiben wird“, schreibt der Fondsverband.

Weniger klar wird das Bild bei den großen Fondsanbietern. Gänzlich zugeknüpft gibt man sich bei der Deka und Union Investment. Man sei noch dabei, „verschiedene Aspekte der Bafin-Anforderungen zu prüfen“, weshalb man die Frage „zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten“ könne, teilte ein Deka-Sprecher mit. „Wir befinden uns zur Zeit in der Finalisierungsphase der Ausgestaltung und können im Moment leider keine Details nennen“, heißt es bei Union Investment. Auch bei AGI befindet man sich noch in „internen Diskussionen“, wie es heißt.

Die Zurückhaltung der Anbieter erstaunt einigermaßen, da die neuen Regelungen zu Performance Fees zwar erst im Juli 2013 in Kraft treten werden, aber die Fondsanbieter per Ende Dezember der Bafin mitteilen müssen, wie sie die Änderungsvorschriften umsetzen werden. Man lässt sich bei AGI, Deka und Union Investment offenbar Zeit bis kurz vor dem Stichtag.

Damit sich Investoren einen Überblick verschaffen können, haben wir die in Deutschland aufgelegten Fonds der großen 4 Anbieter mit Performance Fee durchgezählt und gewogen. Wir kommen dabei auf ein Gesamtvermögen von 35 Milliarden Euro, also knapp die Hälfte des relevanten Volumens. 

Per 7. Dezember belief sich das Fondsvermögen der deutschen Deka-Fonds mit Performance Fees laut unseren Daten auf rund 13,4 Milliarden Euro (hier gelangen Sie zu den Deka-Fonds), bei Union Investments beträgt das relevante Fondsvolumen 6,97 Milliarden Euro (hier gelangen Sie zu der Liste der deutschen Fonds von Union Investment). Allianz Global Investors zufolge sind 29 deutsche Fonds mit einem Vermögen von 9,86 Milliarden Euro betroffen (hier gelangen Sie zur AGI-Fonds-Liste). Ob und inwiefern die Gebühren der Fonds dieser drei Anbieter verändert werden, muss an dieser Stelle offen bleiben.

DWS bleibt bei der bisherigen Gebühren-Systematik  

Transparenter gibt man sich indes bei der DWS, deren deutsche Fonds mit Performance Fee ein Vermögen von 4,53 Milliarden Euro verwalten (hier gelangen Sie zu den DWS-Fonds). Welche Performance-Fee-Systematik künftig bei der DWS umgesetzt wird, unterscheidet sich von Fonds zu Fonds. Anleger können das aber bereits heute ablesen: Es werden die bisher geltenden Varianten umgesetzt: DWS-Fonds, die eine bestimmte Benchmark verfolgen, werden das ab Juli 2013 auch tun, und die Produkte, die eine definierte Performance-Hürde nehmen müssen, bleiben auch nach Juli 2013 dabei. 

Werden die Gebührenmodelle deutscher Fonds künftig fairer für Anleger sein? Auf diese Frage antworten die Anbieter bestenfalls verklausuliert. Zur Erinnerung: Künftig werden die deutschen Fonds mit Performance Fee ausnahmslos einen Verlustvortrag einführen müssen. Bevor ein Fondsanbieter eine Erfolgsgebühr kassieren kann, muss der betreffende Fonds alte Höchststände übertreffen. Wir haben den Verdacht geäußert, dass die Fondsanbieter die noch vorhandenen Spielräume bei den in den Vertragsbedingungen festgelegten maximal möglichen Verwaltungsgebühren ausschöpfen könnten, um eventuelle Ausfälle bei der Performance Fee zu kompensieren. Deutsche Fonds mit faireren Performance Fees könnten also zunächst höhere Fixgebühren aufweisen (lesen Sie mehr in der oben genannten Analyse).

Wie wird die Teilung der Outperformance künftig zwischen Anbietern und Anlegern vor diesem Hintergrund ausfallen? Wird künftig mehr Performance beim Anleger „hängenbleiben“? Bei der DWS sieht man das so. „Aufgrund der zwingend einzuführenden High Water Mark wird der Fondsmanager eine sehr gute und vor allem kontinuierliche Leistung erbringen müssen, um die Performance Fee entnehmen zu können. Davon abhängig wird sich gegebenenfalls die Verteilung ändern“, so die DWS. „Durch die Umstellung wird die vereinbarte Partizipationsrate des Asset Managers an der Outperformance Fee nicht reglementiert“, heißt es indes bei AGI. Es muss also bei AGI-Fondsanlegern nicht zwangsläufig nach Einführung der neuen Bafin-Regeln mehr Performance übrig bleiben.

Fliehen die deutschen Fondsanbieter nach Luxemburg? Vermutlich einige

Was wird die Konsequenz der Fondsanbieter sein? Steht zu erwarten, dass deutsche Fondshäuser künftig verstärkt Fonds mit Performance Fees in Luxemburg oder Irland statt in Deutschland auflegen werden, um so der Bafin ein Schnippchen zu schlagen? „Das ist für Allianz Global Investors keine standortgebundene Frage“, so AGI. „Das wird kein wesentliches Kriterium für die Wahl des Fondsdomizils sein“, heißt es auch bei der DWS. Union Investment und Deka machten zu dieser Frage keine Angaben.

Wir hatten den Verdacht geäußert, dass deutsche Fondsanbieter sehr wohl eine Flucht aus Deutschland antreten könnten, sollten andere europäische Standorte nicht so strikt bei den Performance Fees vorgehen wie die deutschen Aufsichtsbehörden. Diesen Verdacht nährt die Einschätzung des Fondsverbands BVI: „Wenn Deutschland das einzige Land mit Beschränkungen bei der Gestaltung der erfolgsabhängigen Vergütung bleiben würde, wäre eine beschleunigte Auflage von Fonds im Ausland zu erwarten“.

Fairere Gebühren oder nicht? Mehr Performance für den Anleger oder nicht? Es bleibt spannend. Anleger werden durch die Umstellung der Vertragsbedingungen in den kommenden 6 Monaten mehr erfahren – und natürlich auch in den detaillierten Rating-Reports auf morningstar.de!

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Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich