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Das neutrale Rating ist ein weites Feld

In welchen Fällen wir das qualitative Rating ‚Neutral‘ vergeben.

Wir vergeben das Morningstar Analyst Rating ‚Neutral‘ derzeit an 30% der von uns europaweit qualitativ bewerteten Fonds. Ein neutrales Rating ist dann gerechtfertigt, wenn ein Fonds nicht genügend Anhaltspunkte liefert, dass er in der Lage ist, auf lange Sicht überdurchschnittliche risikoadjustierte Erträge zu erzielen, gleichzeitig aber auch keine gravierenden Mängel aufweist, die ein negatives Rating erfordern würden. Wenn wir für jeden am Markt verfügbaren Fonds ein qualitatives Rating vergeben würden, dann würden neutrale Ratings mit Sicherheit den Großteil ausmachen, da sehr viele Fonds in diese Kategorie hineinpassen.

Die Morningstar Medalists (Fonds die mit Gold, Silber oder Bronze geratet sind) stellen die drei Abstufungen der von uns empfohlenen Fonds dar. Derzeit schaffen es weniger als  10% der über 30.000 in Deutschland zugelassenen Fonds auf unser Siegertreppchen. Fonds mit dem Rating ,Negativ‘ werden von uns ausdrücklich nicht empfohlen.

Da ein neutrales Rating viele verschiedene Ausprägungen aufweisen kann, gehen wir an dieser Stelle nun auf einige davon näher ein. Die Beispiele sollen Anlegern helfen, unsere Herangehensweise besser zu verstehen und verdeutlichen, wie es zur Vergabe eines neutralen Ratings kommen kann.


Die Unerprobten

Für viele Fonds sind schlichtweg zu wenig relevante Informationen verfügbar, um ihnen ein positives Rating zu geben. Zu dieser Kategorie gehören Fonds mit neuen Fondsmanagern ohne relevanten längerfristigen Track Record oder Fonds, die neue, unerprobte Strategien verfolgen.  Selbst nach drei Jahren ist der Track Record eines Fonds(managers) in vielen Fällen noch zu kurz, um ein aussagekräftiges Bild über die Implementierung der Strategie und das Verhalten des Fonds in verschiedenen Marktphasen abzuliefern. Wenn keine gravierenden Gründe dagegen sprechen, vergeben wir in diesen Fällen zunächst ein neutrales Rating.

Ein gutes Beispiel dafür ist der UniDividendenAss. Hier erfolgten im Juli 2012 sowohl ein Managerwechsel als auch Anpassungen an der Portfoliokonstruktion. Der neue Fondsmanager Vinay Sharma ist zwar in der Aktienanalyse erfahren, doch gibt es von ihm keinen relevanten Track Record für einen Dividendenfonds. Er kann aber auf die Unterstützung von Kollegen zählen, die bereits zuvor ins Management des Fonds involviert waren. Da wir zudem die Änderungen an der Portfoliokonstruktion positiv sehen (sie sollten dazu führen, dass Überzeugungen im Fonds besser umgesetzt werden können) halten wir weiterhin an unserer neutralen Einschätzung des Fonds fest.

Ein weiteres Beispiel dafür ist der DWS Concept Kaldemorgen. Dessen Fondsmanager Klaus Kaldemorgen ist sehr erfahren. Er lässt sich stark von Top-Down-Überlegungen leiten, die bereits in seinen globalen Aktien- und Mischfondsmandaten deutlich zum Ausdruck kamen und für deren langfristige Erfolgsbilanz wesentlich waren. Diese spielen auch für den im Mai 2011 neu lancierten DWS Concept Kaldemorgen eine zentrale Rolle. Das breitere Anlagespektrum des neuen Fonds erweitert das Repertoire des Managers im Vergleich zu seinen bisherigen Mandaten aber erheblich. Es existiert noch kein ausreichender Track Record, der Aufschluss über die langfristigen Fähigkeiten des Managers bei einem solch flexiblen, auf Risikobegrenzung ausgerichteten Ansatz gibt. Daher gehen wir zunächst nicht über ein neutrales Rating hinaus.

Am UBS (Lux) Equity Fund - European Opportunity gefällt uns der aktive Stockpicking-Ansatz, der in ein benchmarkfreies, konzentriertes Portfolio aus 40-50 Titeln mündet. Zwar ist mit Max Anderl für Kontinuität im Fondsmanagement gesorgt, doch hat das Team 2011 einen sehr erfahrenen Manager verloren, während sein Nachfolger Jeremy Leung noch relativ unerprobt ist. Wir haben einen positiven Eindruck von diesem Fonds gewonnen, möchten seine weitere Entwicklung aber noch beobachten. Daher blieb unsere Einschätzung zunächst unverändert bei ‚Neutral‘.


Gute Seiten, schlechte Seiten

Manchmal sind es weniger die fehlenden Informationen, die zu einem neutralen Rating führen, als die Tatsache, dass ein Fonds zwar bedeutende Vorteile gegenüber der Konkurrenz aufweist, diesen aber ebenso große Nachteile gegenüberstehen. 

Ein Vertreter dieser Kategorie ist der First Private Euro Dividenden Staufer, der eine quantitativ basierte Dividendenstrategie verfolgt. Dabei wird das Anlageuniversum (Large, Mid und Small Caps innerhalb des Euro-Raumes) nach diversen Dividendenkriterien in Verbindung mit Aktienrückkaufprogrammen und Dividendenrevisionen gefiltert. Auch wenn Fondsmanager Tobias Klein sehr viel Erfahrung mit quantitativen Investmentprozessen mitbringt, sehen wir Risiken bei einem quantitativ basierten Dividendenansatz, insbesondere im Hinblick darauf, die Nachhaltigkeit von Dividendenzahlungen abzuschätzen. Zwar erfolgt auch eine qualitative Überprüfung der Unternehmen anhand von externem Research. Wir befürchten jedoch, dass diese angesichts begrenzter Ressourcen besonders im Nebenwertebereich zu kurz greifen könnte, um den erhöhten Risiken dieses Marktsegments Rechnung zu tragen.

Ein weiterer Vertreter dieser Gruppe ist der UniEuroRenta. Die Gebühren sind günstig und der Fonds profitiert mit Rüdiger Kerth von einem erfahrenen Manager, der in ein umfangreiches Anleihenteam eingebunden ist und über einen guten Track Record mit einem weiteren Euro-Anleihenfonds verfügt. Dieser kann aber aufgrund seines deutlich geringeren Volumens jedoch wesentlich flexibler gemanagt werden, während der UniEuroRenta mit mehr als 3 Mrd. Euro schwerfälliger ist. Zudem begrenzt die zunehmend konservative Aufstellung seit 2011 das langfristige Renditepotenzial. So erfolgten im UniEuroRenta in den letzten zwei Jahren massive Umschichtungen, die in einer deutlich höheren Deutschlandquote und insgesamt stärkeren Ausrichtung auf Staatsanleihen mündeten. Seine strukturellen Besonderheiten können den UniEuroRenta im Kategorievergleich bremsen, doch halten wir ihn für ein solides Produkt für sehr risikoaverse Anleger. Dies ergibt insgesamt das Rating ‚Neutral‘.   


Die unscheinbaren Strategien

Fonds ohne nachhaltige und erwiesene Wettbewerbsvorteile finden sich ebenfalls in der neutralen Ratingkategorie wieder.

An dieser Stelle wäre der Allianz Global Equity zu nennen, der seit 2001 von Lucy MacDonald verwaltet wird. Bei der Aktienauswahl stützt sie sich auf das Research eines breit aufgestellten Analystenteams. Seitdem die Managerin für den Fonds zuständig ist, fallen die Ergebnisse aber durchwachsen aus. Sie setzt keine starken Akzente bei ihrer Positionierung. In der Sektorallokation wich sie in der Vergangenheit wenig von der Benchmark ab, auf Einzeltitelebene sind die Gewichtungen ebenfalls begrenzt. Das Performancepotenzial von Mid und Small Caps oder Emerging Markets wird kaum genutzt. Dies dürfte es der Managerin in Verbindung mit den leicht überdurchschnittlichen Gebühren schwer machen, sich langfristig von der Masse der globalen Aktienfonds abzuheben, auch wenn sich die Bilanz des Fonds kurzfristig aufgehellt hat.

Auch beim DWS Investa gehen wir nicht über das Rating ‚Neutral‘ hinaus. Die Gründe sind hier allerdings weniger beim erfahrenen Manager Henning Gebhardt zu suchen. Der DWS Investa ist als Standardwertefonds konzipiert und investiert schwerpunktmäßig in deutsche Blue Chips. Gebhardt muss sich an das Investmentgesetz (5/10/40-Regel) halten, das bei einem so stark konzentrierten Aktienuniversum wie dem DAX wenig Spielraum lässt. Anleger müssen in solchen Fällen zudem stets einen kostengünstigen ETF als Alternative berücksichtigen. Der Fonds ist solide, doch gehen wir aufgrund seiner Konzeption nicht davon aus, dass er mittel- bis langfristig zu den Spitzenprodukten seiner Vergleichsgruppe zählen wird.


Gefangen in der Mittelmäßigkeit

In einigen Fällen reicht es aus, sich die langjährige Historie eines Fonds(managers) genauer anzuschauen. Der Pioneer Funds - U.S. Pioneer Fund beispielsweise wird in seiner US-Version bereits seit 1986 von John Carey gemanagt. Seither kam der Fonds aber weder über eine mittelmäßige Performance gegenüber seiner Kategorie „Aktien USA Standardwerte Blend“ hinaus, noch konnte er seinen Vergleichsindex S&P 500 übertreffen. Auch in den letzten 5 und 10 Jahren bewegte sich der Fonds im Mittelfeld. John Carey sorgt für Kontinuität, doch sticht der Fonds in seiner sehr kompetitiven Vergleichsgruppe letztendlich nicht positiv hervor.


Die Beurteilung eines Fonds ist nicht endgültig

Das Morningstar Analyst Rating wird regelmäßig aktualisiert. Wir überprüfen dabei,  ob sich etwas an den fünf Bewertungspfeilern Fondsmanagement, Investmentprozess, Fondsgesellschaft, Performance und Gebühren verändert hat und passen ggfs. unsere Einschätzung an. Das qualitative Rating ist somit nie abschließend, sondern ein fortlaufender Prozess. Das Rating kann sich im Zeitablauf ändern, wenn wesentliche Gründe für eine Neueinstufung vorliegen. Hier steht bei uns jedoch immer die langfristige Sicht im Fokus, kurzfristige Performanceschwankungen sollen die Einschätzung nicht beeinflussen.

Über den Autor

Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar