Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Fonds-Rating ist nicht gleich Fonds-Rating

Worin sich das Morningstar Sterne-Rating von unserem qualitativen Morningstar Analyst Rating unterscheidet. Eine Anleitung für Anleger.

Ali Masarwah 10.01.2013

Der Fondsmarkt in Deutschland gleicht in vielerlei Hinsicht einem Dschungel: Er ist extrem wettbewerbsintensiv. Fondslenker weltweit befinden sich auf einer gnadenlosen Renditejagd, und die sie wollen, dass Anleger nur bei ihm dabei sind. Der Fondsmarkt gleicht aber auch hinsichtlich seiner schieren Größe einem Dschungel. Laut unseren Daten sind in Deutschland aktuell knapp 29.000 Publikumsfonds zum öffentlichen Vertrieb zugelassen.

Anleger haben also ein Problem: Sie haben den Überblick längst verloren. Nicht zuletzt wegen dieser Marktvielfalt zählt die Nutzung von Fonds-Ratings inzwischen zu einem nicht wegzudenkenden Bestandteil des Auswahlprozesses vieler Investoren. Denn ein Stern oder Buchstabe verdichtet scheinbar alles Wissenswerte zu einem Fonds in einer Kennzahl; der Anleger müsse nur die binäre Entscheidung treffen: „kaufen“ (bei einem guten Rating) oder nicht (bei einem schlechten Rating). Doch eine derart vereinfachte Sicht führt häufig zu suboptimalen Anlageergebnissen, denn Fonds-Ratings sind komplexer als es viele Anleger (und auch Berater) vielleicht gerne hätten. Die meisten Ratings am Markt sind eben weder Kauf- noch Verkaufssignal, und wer die Noten falsch deutet, kann Schaden in seinem Portfolio anrichten.

Das Morningstar Sterne-Rating: Optimal für die Übersicht

Was Ratings leisten können und was nicht, sei am Beispiel der zwei unterschiedlichen Morningstar Ratings illustriert: Wir bei Morningstar unterscheiden zwischen quantitativen und qualitativen Ratings. Das viel beachtete Morningstar Sterne Rating ist das Ergebnis einer quantitativen Analyse und hat das Ziel, die Performance vergleichbarer Fonds unter Berücksichtigung von Kosten und Risiken zu bewerten.

Eine Sterne-Rating zu erhalten, ist keine Kunst: Jeder Fonds, der einer von uns festgelegten Kategorie angehört und eine Historie von über 3 Jahren hat, bekommt es. Die Ratings innerhalb einer Morningstar Fonds-Kategorie werden wie folgt verteilt: Die 10 Prozent der Fonds mit der besten risikoadjustierten Rendite bekommen fünf Sterne, die folgenden 22,5 Prozent erhalten vier, die mittleren 35 Prozent der Fonds drei, die nachfolgenden 22,5 Prozent zwei und die schlechtesten 10 Prozent der Fonds einer Morningstar-Kategorie werden mit einem Stern bewertet.

Der Sinn dieser Übung ist klar: Der Anleger sieht auf einen Blick, wie ein Fonds in der Vergangenheit relativ zu vergleichbaren Fonds abgeschnitten hat. So nützlich unser quantitatives Rating auch als Ausgangspunkt einer Recherche ist, so stößt dieses Bewertungsschema schnell an seine Grenzen: Die alles entscheidende Frage, wie sich ein Fonds in der Zukunft schlagen wird, muss von dem Morningstar Sterne-Rating unbeantwortet bleiben. Denn quantitative Ratings geben nur Auskunft über das Rendite-Risiko-Profil eines Fonds in der Vergangenheit. Wichtige Änderungen, wie etwa eine Modifizierung der Fondsstrategie oder ein Fondsmanagerwechsel, gehen an unserem Sterne-Rating vorbei. Wer sich also bei seiner Investment-Entscheidung nur von den Sterne-Ratings leiten lässt, verhält sich wie ein Autofahrer, der nur in den Rückspiegel schaut.

Das Morningstar Analyst Rating: Optimal für die Fondsauswahl

Anleger, die die Möglichkeiten des quantitativen Ratings in ihrer ersten Recherche ausgeschöpft haben, müssen bei der Frage, welchen Fonds sie kaufen sollen, qualitativ vorgehen. Wie erfahren ist der Fondsmanager, dem sie ihr Geld anvertrauen werden? Wie solide ist sein Investmentprozess? Wie gut ist die Infrastruktur des Hauses, in dem er arbeitet? Wie hoch sind die Fondskosten? Wie konsistent war die Performance seiner Fonds oder Mandate in der Vergangenheit? Das sind die Fragen, die Anleger an die Fondsmanager richten müssen, die sie in die engere Auswahl genommen haben.

An dieser Stelle kommen unsere Morningstar Analyst Ratings ins Spiel, die Fonds qualitativ nach eben den oben erwähnten Kriterien unter die Lupe nehmen. Um Anlegern einen Leitfaden an die Hand zu geben, schauen wir seit 2009 mit dem Morningstar Analyst Rating den Fondsmanagern auf die Finger. Diese qualitativen Ratings sind der Kern der Arbeit unserer 90 Fondsanalysten weltweit. Inzwischen haben wir Ratings zu über 1.100 Fonds veröffentlicht.

Unser Morningstar Analyst Rating hat folgende Stufen: Mit „Gold“, „Silver“ und „Bronze“ bewerten wir Fonds, denen wir künftig eine überdurchschnittliche Rendite zutrauen. Die Rating-Note „Neutral“ vergeben wir an durchschnittliche Fonds, „Negative“ an Produkte, von denen wir eine unterdurchschnittliche Performance erwarten. Im Gegensatz zum quantitativen Sterne-Rating analysieren wir im Analyst Rating die Stringenz der Fonds-Strategie, die Qualität des Managers, die Ressourcen und Stabilität des Fondsanbieters, die Struktur des Portfolios und die Konsistenz der Performance über verschiedene Marktphasen hinweg. Diese Analysen werden mindestens einmal jährlich überprüft und aktualisiert. Gravierende Strukturbrüche wie Fondsmanagerwechsel quittieren wir mit dem Hinweis „Under Review“. Wir wollen dann zunächst mit dem neuen Manager sprechen, um zu wissen, wie sich dieser Bruch auf die Bewirtschaftung des Fonds auswirken wird.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass wir bei Morningstar kein Market Timing betreiben und unsere Ratings keine Kaufempfehlungen darstellen. Unsere Ratings sind für langfristig orientierte Anleger geeignet, die in Jahren und nicht in Quartalen oder Monaten denken. Wir sind nicht im Besitz der Glaskugel: Ob der DAX in 6 Monaten bei 7.500, 7.000 oder 6.500 Punkten notieren wird, entzieht sich unserer Kenntnis.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich