ETF-Dachfonds unter die Lupe genommen

Die erste umfassende Marktstudie von Morningstar zum Einsatz von ETFs in Dachfonds.

Gordon Rose 10.01.2013

Die Wachstumsstory von ETFs ist schon fast ein alter Hut. Laut Morningstar-Daten hat sich das verwaltete Vermögen in den letzten vier Jahren europaweit fast verdreifacht. Das Gesamtvolumen der börsenntierten Indexfonds stieg von Ende 2008 bis August 2012 von €102,7 auf €257,3 Milliarden an. 

Der Einsatz von ETFs in Dachfonds wurde bisher jedoch wenig untersucht, obwohl auch dieser Teil des Marktes kräftig wächst.

Ab wann ist ein Dachfonds ein ETF-Dachfonds?

Bei Morningstar haben wir uns daher dieser Fragestellung angenommen und alle in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Dachfonds unter dem Aspekt, in welchem Maße Dachfonds ETFs nutzen, angeschaut. Fonds, die in hohem Maße ETFs einsetzen, bezeichnen wir als ETF Managed Portfolios (ETFMP). Bei den sogenannten ETFMP handelt es sich um Dachfonds bzw. Portfolios, die in der Regel mindestens 50% ihres Vermögens in ETFs oder andere ETPs (Exchange-Traded Products) investieren.

Derzeit weist unsere Datenbank 106 ETF-dominierte Fonds aus, die von 32 Anbietern stammen. Das Gesamtvolumen beträgt €9,2 Milliarden. In den letzten Jahren ist diese Produktgruppe stark gewachsen. Alleine in den letzten fünf Jahren kamen 72 neue ETFMP mit einem Gesamtvolumen von €8,2 Milliarden (Stand: Ende August 2012) auf den Markt. Anders ausgedrückt: 90% des derzeitig verwalteten Vermögens ist in solche ETFMP investiert, die nach 2007 aufgelegt wurden. Darüber hinaus haben die einzelnen Fonds ihre ETF-Allokation in den letzten Jahren erhöht und dazu beigetragen, dass ETFs eine immer wichtigere Rolle in Investmentfonds spielen.

Das starke Wachstum der ETFMP hat mehrere Gründe. Unser Research sowie andere akademische Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass die Asset-Allokation für die Gesamtrendite des Portfolios entscheidender ist als die Wertpapierselektion. Ein breit aufgestelltes Portfolio, das auf ETFs basiert, bietet dem Investor demnach eine gute, kostengünstige und diversifizierte Asset-Allokation. ETFs ermöglichen Fondsmanagern den Aufbau eines transparenten, intraday handelbaren und stabilen Portfolios, das aus verschiedenen Anlageklassen besteht und einfach zu konstruieren ist.

Um die Rolle von ETFs in Dachfonds besser verstehen und analysieren zu können, hat Morningstar zudem ein Kategorisierungssystem für ETFMP eingeführt. Für die Kategorisierung haben wir die einzelnen Portfolios der letzten drei Jahre analysiert.

Tabelle: Die verschiednen Typen von ETF-Dachfonds

 

Beim Anlageuniversum wurde drauf geachtet, in welche Regionen der Dachfonds investiert. Wir unterscheiden zwischen globalen, europäischen und internationelen (global ex Europa) ETFMP. Beispielsweise werden Fonds, die überwiegend ETFs auf europäische Indizes halten, der Kategorie „Europa“ zugewiesen.

Bei der „Anlageklasse“ wurde hingegen der Anlagemix unter die Lupe genommen. Es existieren 5 verschiedene ETFMP-Gruppen nach Asset-Klasse: „Aktien“, „Anleihen“, „Alternatives“, „gemischt“ und „alle“. Dabei werden ETFMP, die eine Aktien-ETFs-Quote von 30%-70% aufweist, als „gemischt“ klassifiziert.

Interessant wird es bei der Portfoliostrategie. ETFMP mit einer starren Asset-Allokation sind als „strategisch“ klassifiziert. Am anderen Ende der Skala befinden sich taktische ETF-Dachfonds, die stark innerhalb und zwischen den Anlageklassen variieren, ohne dabei eine bestimmte Asset-Allokation zu verfolgen. Hybride Dachfonds-Strategien wiederum starten oft mit einer strategischen Allokation, von welcher sie aber stark abweichen können; langfristig orientieren sie sich jedoch an der strategischen Ausrichtung.

Die vierte Kategorie von ETFMP gibt Aufschluss über die primäre ETF-Ausrichtung. Versucht der Dachfondsmanager eher einen breiten Markt oder einen Sektor abzudecken? Die Trennung zwischen „Breiter Markt“ und „Land/Region“ kann dabei variieren. Ein global ausgerichteter Dachfonds setzt z.B. einen ETF auf den EURO STOXX 50 Index ein, um diese Region abzudecken. Ein Dachfonds der Kategorie „Europe“ wird diesen ETF dagegen eher verwenden, den breiten Markt abzudecken. „All Inclusive“ bedeutet hingegen nicht, dass ein Dachfonds sich alle erdenklichen ETFs ins Portfolio legt. Vielmehr macht der Fonds von allen ETFs innerhalb seines Universums Gebrauch. Ein europäischer Anleihen-ETF-Dachfonds würde demnach in Staats-, und Unternehmensanleihen verschiedener Laufzeiten, Länder und Rating-Stufen investieren.

Die Ergebnisse

Die Kategorisierung der einzelnen ETF-Dachfonds erlaubt es uns nun, eine detaillierte Analyse über die Rolle von ETFs in den Dachfonds vorzunehmen. In Punkto Anlageuniversum stehen global aufgestellte Strategien bei Investoren ganz oben auf der Einkaufsliste. Globale Strategien repräsentieren 72% des Gesamtvolumens und sind damit die dominierende Gruppe unter den ETF-Dachfonds. Auf Europa ausgerichtete Strategien haben hingegen massiv unter der Schuldenkrise gelitten und mussten mit hohen Mittelabflüssen kämpfen. Sie machen 22,3% des Marktes aus. ETFMP, die global ex Europa anlegen sind mit knapp 6% eine Nischengruppe, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht. 

Mit Blick auf die gewählte Strategie bevorzugten Investoren den hybriden Ansatz, der ca. 66% des Gesamtvolumens repräsentiert. Innerhalb dieser Strategie haben Investoren zudem globale Anlagestrategien den anderen vorgezogen. Mit einer relativ starren Anlagestrategie waren zudem strategisch ausgerichtete Portfolios in den volatilen Märkten der letzten Jahre weniger beliebt. Allerdings kamen die taktischen Strategien bei Anlegern auch nicht gut an. Dies dürfte unter anderem daran gelegen haben, dass die ETFMP dieser Strategie hauptsächlich Trendfolger waren, und die hatten in den vergangenen 18 Monaten ein schwieriges Marktumfeld, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht.

Schaut man sich die zugrundeliegenden ETFs mit Blick auf den gewählten Emittenten an, ist iShares die erste Wahl. Die von uns untersuchten ETFMP halten insgesamt 602 Positionen des Marktführers mit einem Gesamtvolumen von €2,6 Milliarden.

Insgesamt wird der Markt für ETFMP von der Hypovereinsbank und der DWS dominiert, wie die Liste zehn größten ETFMP zeigt. Bereits die zwei ETFMP der HVB repräsentieren 71% des verwalteten Vermögens in der Kategorie Global-Gemischt und 37% des gesamten Universums der ETF-Dachfonds.

Tabelle: Die größten ETFMP am Markt

 



Interessant ist zudem ein Blick auf das quantitative Morningstar-Sterne-Rating, das ab einer Fondshistorie von drei Jahren vergeben wird. Alle zehn Fonds mit einer drei Jahreshistorie weisen vier Sterne auf. Ein Grund für das gute Abschneiden dieser Dachfonds dürfte auf die niedrigen Kosten der zugrundeliegenden ETFs zurückzuführen sein.

Was bringt die Zukunft?

Wir gehen davon aus, dass es wesentlich mehr ETFMP bei Vermögensverwaltern oder Pensionskassen gibt, als in unserer ersten Untersuchung erfasst wurden. Da nicht alle Produktanbieter ihre Portfolios Datenanbietern wie Morningstar offenlegen, ist die Erfassung des gesamten Universums nach wie vor eine Herausforderung.

Um das Wachstum dieser Strategien anzutreiben, bedarf es unserer Meinung nach weiterer Aufklärung der Investoren, um ihnen die Vorteile von ETFs innerhalb einer ganzeinheitlichen Asset-Allokation nahe zu bringen. Die komplette Studie zu ETFMP finden Sie hier.

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.