China-ETFs sind keine Billigheimer

Die Volksrepublik China ist als Hersteller von Billigprodukten bekannt. Bei ETFs ist das anders. Was Anleger bei den Kosten von China-ETFs beachten sollten.

Gordon Rose 23.08.2013

Im letzten Teil unserer Serie zu China-ETFs nehmen wir uns die Kosten vor. Schwellenländer, vor allem China als Investment, sind bei Anlegern ein heißes Thema. Angesichts der Bedeutung Chinas als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft, überlegen viele Investoren, sich das Reich der Mitte ins Portfolio zu legen. Die Auswahl des richtigen Investments ist jedoch angesichts der heterogenen Märkte alles andere als leicht. Im ersten Teil haben wir uns mit den Merkmalen des chinesischen Aktienmarkts befasst, im zweiten haben wir uns die ETFs am Markt näher angeschaut.

Investoren, die sich für ein Engagement in chinesische Aktien entscheiden, sollten zudem die Kosten nicht aus den Augen verlieren. Bei ETFs fallen vielfältige Gebühren an. Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads.

Da europäische Investoren China-ETFs nur dann handeln können, wenn die Börsen in Hongkong, Shanghai und Shenzhen geschlossen sind, kommen nicht zu unterschätzende Handelsgebühren hinzu. Gerade in illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese oft übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Merkmale der wichtigsten China-Indizes

Insgesamt haben Investoren die Auswahl zwischen 16 Produkten, um an der Wertentwicklung von chinesischen Aktien teilzunehmen. Die Anbieter greifen hierbei auf die verschiedensten Indizes zurück, wobei sich die meisten auf den Offshore Markt konzentrieren.

Der Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI) besteht aus Unternehmen, die an der Hongkonger Börse gehandelt werden (H-Aktien). Der Index berücksichtigt nur die größten Unternehmen, die auch im Hang Seng Composite Index (HSCI) vertreten sind. Der Index besteht derzeit aus 40 Aktien und ist nach der Streubesitz-Marktkapitalisierung gewichtetet, wobei für jede Aktie eine Gewichtungsobergrenze von 15% besteht.

Der MSCI China Index ist ein Preisindex und deckt ca. 85 % der Marktkapitalisierung des zugrunde liegenden chinesischen Aktienmarktes ab. Derzeit besteht der Index aus ca. 140 Aktien.

Der FTSE China 25 Index besteht aus den 25 größten und liquidesten chinesischen Aktien (Red Chips und H-Shares), die an der Hongkonger Börse gelistet sind.

Ein weiterer Index auf chinesische Aktien ist der CSI 300 Index. Dieser Index besteht aus den 300 größten chinesischen Unternehmen, die in Shanghai und Shenzhen (A-Shares) in Yuan gelistet sind. Grundlage für die Gewichtung anhand der Streubesitz-Marktkapitalisierung sind die für internationale Investoren verfügbaren Aktien.

Tabelle: Die Handelskosten der ETFs am europäischen Markt

In den 30 Handelstagen vom 11. Juli bis 21. August weist der ComStage ETF HSCEI I Cap mit 15 Basispunkten den engsten Spread auf. Der Lyxor ETF China Enterprise (HSCEI) folgt mit 18 Basispunkten auf dem zweiten Platz. Zum dritten Platz klafft bereits eine etwas größere Lücke auf. Der Amundi ETF MSCI China weist bereits einen Spread von 27 Basispunkten auf.

Ab dem iShares China Large Cap mit 29 Basispunkten geht es dann Schritt für Schritt weiter bis zum letztplatzierten ETF von iShares mit einem Spread von 82 Basispunkten.

Auf Grund des illiquiden Referenzmarktes dürfte die Erkenntnis wenig überraschend sein, dass fast alle Anbieter – selbst iShares – von der synthetischen Replikation Gebrauch machen. Für die zwei physisch replizierenden Produkte von Deka und HSBC bedeutet das, dass diese ETFs mit die größten Spreads aufweisen. Auch ETFs auf den CSI 300 Index weisen sehr hohe Spreads auf. In Anbetracht der Illiquidität chinesischer Aktien und der Größe des Referenzmarkts ist dies aber wenig verwunderlich.

Es ist einmal mehr interessant zu sehen, dass es nicht immer auf die Größe ankommt. ComStage hat zwar fast den kleinsten (ETF), weist aber die engsten Spreads auf.

Auch bei den Management-Gebühren gibt es nicht zu übersehende Unterschiede. Zwischen den günstigsten Produkten und den teuersten liegen 24 Basispunkte. Ein ComStage ETF kostet z.B. bei einer Haltedauer von einem Jahr (und konstanten Spreads) 70 Basispunkte. Zum Vergleich, der iShares CSI 300 (Swap) kostet 132 Basispunkte und ist damit fast doppelt so teuer. Bei der Kostenanalyse müssen Investoren also genau hinschauen und dabei vor allem ihren Anlagezeitraum berücksichtigen.

 

 

 

 

 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.