„Jedes Jahr einen Absolute Return zu versprechen, ist blanker Unsinn“

Was muss ein vermögensverwaltender Fonds leisten? Teil zwei des Interviews mit Herwig Weise, Co-Chef der Hamburger Mack&Weise Vermögensverwaltung. 

Ali Masarwah 09.09.2013

Im ersten Teil des Interviews haben wir mit Herwig Weise über die Ausrichtung der beiden flexiblen Mischfonds M&W Privat und M&W Capital gesprochen, die auf Krise gepolt sind (lesen Sie hier weiter). Im zweiten Teil des Gesprächs gehen wir mit dem Co-Chef der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise der Frage nach, was vermögensverwaltende Fonds auszeichnet, was sie leisten können, und warum diese Produkte keine Eier legende Wolmilchsäue sein können.

Herr Weise, vermögensverwaltende Fonds, die wir bei Morningstar als flexible Mischfonds bezeichnen, sind heute stark gefragt, und entsprechend laut trommelt die Fondsindustrie für diese Produkte. Oft wird allerdings nicht klar, was das Ziel dieser Produkte ist. Sollen Sie nur das Minimalziel Kapitalerhalt leisten, oder sollte man sie doch an einer Aktien-Benchmark messen?

Ich finde es extrem schwierig, diese vielen heterogenen Produkte zuzuordnen und Kategorien zu definieren. Da fliegt viel durcheinander: vermögensverwaltende Fonds, flexible Mischfonds Multi-Asset, Total oder Absolute Return. Am Ende ist der Anleger gefordert, sich zu informieren und genau darauf zu schauen, was der Manager mit dem Fonds-Etikett meint. Wir verstehen uns als Manager von vermögensverwaltenden Fonds. Wir agieren unabhängig von einer Benchmark. Unsere Fonds heben sich auch dadurch ab, dass sie die Flexibilität haben, zwischen verschiedenen Asset-Klassen frei zu wechseln. Wir können Aktien und Anleihen jeweils zwischen 0 und 100 Prozent gewichten und auch eine sehr hohe Edelmetallquote fahren. Ich würde diese Merkmale hervorheben, wenn es darum geht, einen vermögensverwaltenden Fonds von anderen Mischfondstypen abzuheben.

Wenn Anleger einen derartigen Fonds kauft, setzt das im Idealfall voraus, dass sie die Managerphilosophie genau verstehen. Ein mit derart vielen Freiheiten ausgestatteter Manager  ist dann quasi der Avatar des Anlegers, das Medium, das sein Weltbild in die Praxis überträgt. Kennen alle Ihre Anleger das Weltbild von Mack&Weise?

Also das mit dem Weltbild würde ich so nicht unterschreiben, das klingt mir etwas zu hochtrabend und führt auch in die Irre. Denn es kann ja sein, dass mehrere Fondsmanager ein ähnliches Weltbild haben, aber daraus ganz unterschiedliche Schlüsse ziehen. Es kommt darauf an, dass der Anleger versteht, was der Manager macht und warum er das tut. Die Manager von vermögensverwaltenden Fonds sollten klare Meinungen vertreten und diese in den Portfolios umsetzt. Wenn das den Privatanleger überfordert, muss der Berater das für ihn verständlich machen. Wir sind transparent und informieren detailliert über unsere Fonds und die Annahmen, die unserer Anlagestrategie zugrunde liegen.

Können Sie wirklich alles so transparent sein, dass Anleger alles nachvollziehen können? Sie haben die Benchmark-Freiheit als ein Merkmal Ihrer Fonds erwähnt. Oft wird das mit dem Thema Absolut Return assoziiert. Aber trifft es das wirklich? Sie verfolgen eher einen klassischen Asset-Allocation-Ansatz und keine hedgefondsähnliche Strategie. Wenn Sie auf der klassischen Klaviatur spielen, müssten Sie sich doch bereit sein, den Aktienmarkt als Referenzgröße zu verwenden und nicht den Geldmarkt wie bei Hedgefonds üblich?

Wir haben uns nie an einer Benchmark orientiert. Einfach weil es sehr schwierig ist, unsere Fonds angesichts der vielen Möglichkeiten, die wir haben, in eine Schublade zu stecken. Ich würde Ihnen allerdings insofern Recht geben, dass man unsere Fonds mit dem MSCI Welt vergleichen könnte. Um den Anlegern Klarheit über die Möglichkeiten und Risiken zu verschaffen, könnte man die Asset-Klasse mit dem höchsten Risiko, auf die ein Fonds setzt, schon als Referenz verwenden.

Sie fühlen sich also nicht ungerecht behandelt, wenn Morningstar Ihre beiden Fonds in die Kategorie der flexiblen Mischfonds einordnet und ihnen eine 50:50: Aktien-Renten-Benchmark zuweist?

Prinzipiell ist das in Ordnung, aber auch diese Benchmark würde ich als Fondsmanager nicht nach außen tragen. Wir gehen Risiken an den Finanzmärkten ein und können auch sehr fokussiert in Aktien, Bonds und Edelmetalle investieren und insofern sollten wir längerfristig z.B. auf Fünfjahressicht die Komposit-Benchmark übertreffen, die Sie genannt haben.

Dennoch die Nachfrage, ob bei vermögensverwaltenden Fonds nicht auch ein Absolut-Return-Anspruch mitschwingt, zumal bei langen Haltedauern…

Auf mittlere Sicht sollte das so sein. Mit Absolute Return-Konzepten, wie sie heute üblich sind, haben wir allerdings nichts am Hut. Kapitalmarktrisiken einzugehen und zugleich den Anspruch zu haben, jedes Jahr mit positiven Vorzeichen abzuschließen, halte ich für unsinnig. So einen Anspruch können von mir aus Geldmarktfonds haben, aber sobald ich ins Risiko gehe ist der Anspruch, jedes Jahr ein Plus zu versprechen, blanker Unsinn.

Das Interview führte Ali Masarwah

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.