Prima, prima Ausschüttung (für den, der sie braucht)

Der DWS Top Dividende schüttet gut 300 Millionen Euro aus. Anleger, die laufende Erträge brauchen, freuen sich. Wer indes die Leistung von Manager Thomas Schüssler voll ausschöpfen will, wird sich mit der klassischen Fondsvariante schwer tun.

Ali Masarwah 21.11.2013

Die DWS konnte dieser Tage mit einer guten Botschaft aufwarten. „Mehr als 300 Millionen Euro überweist die DWS am 22. November 2013 an die Anleger des DWS Top Dividende“, teilte die Deutsche-Bank-Tochter mit. Dies sei die „höchste Ausschüttungssumme eines Fonds in der Geschichte der DWS überhaupt“. Abgesehen davon, dass diese Rekordmarke wenig Relevanz für den einzelnen Investor hat, ist die Ausschüttungsquote ordentlich. Seit Auflegung im Oktober 2005 belief sich die „Fondsdividendenrendite“ laut DWS auf durchschnittlich 3,7 Prozent. Das ist zwar weniger als die aktuelle Ausschüttungsrendite von 2,93 Prozent, aber immer noch sehr viel mehr als mit sicheren Bundesanleihen zu holen ist. (Die Umlaufrendite öffentlicher deutscher Anleihen belief sich am Tag der Ausschüttung auf 1,42 Prozent.) 

Dass Anleger heute angesichts des Niedrigzinsumfelds händeringend auskömmliche Erträge suchen, ist mittlerweile eine Binse. Anleihen, die kein Emittenten-Risiko aufweisen, können leicht zu realen Geldvernichtern mutieren, auch wenn das Inflationsniveau in der Eurozone heute ebenfalls niedrig ist. Wer also auf laufende Erträge angewiesen ist und Anteile am DWS Top Dividende hält, wird sich über die 2,80 Euro pro Anteil freuen, die auf seinem Konto landen werden. Anleger, die diese Erträge fest eingeplant haben und zur Deckung laufender Ausgaben benötigen, mögen an dieser Stelle aus dieser Meldung mangels Relevanz aussteigen. Sie können die Kunde der Ausschüttung vernehmen und den Artikel getrost wegklicken. Diejenigen, die sich nicht sicher sind, sollten vorsichtshalber zwei oder drei Absätze länger dabei bleiben.

Stichwort Dividenden: sie sind für Aktienanleger eine famose Sache. Das zeigt eine Auswertung unserer Tochtergesellschaft Ibbotson Associates. Sie hat für den S&P 500 seit 1926 (einschließlich seiner Vorläufer) im Durchschnitt per Ende September 2013 eine Performance von 9,98 Prozent pro Jahr errechnet. Davon entfielen nur 5,72 Prozentpunkte auf Kurszuwächse, der Rest auf Dividenden. (Im vergangenen Jahrzehnt waren es 5,38 Punkte von der Gesamtrendite von 7,57 Prozent.) Dividenden sind also langfristig das A und O der Aktienrenditen! 

Wann ist der Zins auch ein Zinseszins?

Auch wenn dieser Hinweis die Grenze des Banalen überschreiten mag: Der Zinseszinseffekt greift nur, wenn man das Geld auch wirklich ungestört für sich arbeiten lässt. Das ist bei (Dividenden-)Aktien nicht anders als bei (Dividenden-)Fonds. Anleger, die nicht auf die laufenden Erträge angewiesen sind, sollten auf das jährliche Fondsdividenden-Bonbon besser verzichten. 

Anleger, die nicht auf die laufenden Erträge angewiesen sind, sollten auf das jährliche Fondsdividenden-Bonbon besser verzichten.

Bezogen auf den DWS Top Dividende impliziert das, dass Anleger nur dann die volle – beachtliche! - Management-Leistung von Fondsmanager Thomas Schüssler und seinem Team ausschöpfen können, wenn die Fondserträge wiederangelegt werden. Das ist allerdings bei der gängigen Fondstranche DWS Top Dividende LD nicht der Fall. Sie schüttet - siehe oben - die Erträge aus. Der Anleger kann also gar nicht anders, als die Ausschüttung entgegenzunehmen, auch wenn er die 2,80 Euro pro Anteil lieber reinvestiert wissen würde.

Schauen wir uns nun die Performance des DWS-Fonds - analog zur Vorgehensweise der Ibbotson-Kollegen beim S&P 500 - genauer an. In den vergangenen drei Jahren erwirtschaftete der DWS Top Dividende eine Performance von kumuliert 33,8 Prozent. Die Fünfjahres-Rendite beläuft sich auf 93,75 Prozent (per 20.11.2013). Rechnet man die ausgeschütteten Erträge aus der Performance heraus, betrug das Plus in den vergangenen drei bzw. fünf Jahren 20,78 bzw. 60,48 Prozent. 

Total Return entspricht nicht der Rendite auf Anlegerebene

An dieser Stelle ist ein Hinweis auf die übliche Methode zur Messung der Wertentwicklung eines Fonds angesagt. Auf dem Papier macht es prinzipiell keinen Unterschied, ob sich ein Anleger für die thesaurierende oder ausschüttende Variante ein und desselben Fonds entscheidet. Die ausgewiesene Performance der beiden Tranchen ist in der Regel identisch. Das hängt damit zusammen, dass angenommen wird, dass die ausgeschütteten Erträge eines Fonds umgehend re-investiert werden. Nur so lässt sich die Leistung von Fonds vergleichen. In der Praxis dürfte das für den Anleger freilich schwierig zu realisieren sein.

Aus Sicht des Fonds bleibt der Total Return also der Total Return, egal, ob die Erträge ausschüttet oder thesauriert werden. Das ist durchaus legitim, wenn es um die Messung der Leistung des Fondsmanagers geht. Für den persönlichen Deckel des Anlegers macht die Frage Wiederanlage oder Nicht-Wiederanlage der Fondserträge dennoch einen großen Unterschied. Auch wenn er natürlich die Erträge vereinnahmt, gibt es den unterstellten Automatismus, der zum Total Return führt, in der Praxis eben nicht.

Halten wir also anhand des oberen Beispiels fest, dass auch bei Dividendenfonds das Motto gilt: Der Zinseszinseffekt ist das A und O der Gesamtrendite! Was macht nun der Anleger im DWS Top Dividende, der die Erträge lieber im Fonds für sich arbeiten lassen will? Die naheliegende Lösung ist, dass er in eine Fondstranche investiert, welche die Erträge wiederanlegt. Die gibt es in Gestalt des DWS Invest Top Dividend LC. Allerdings ist diese Luxemburger Fondsvariante teurer als das Original DWS Top Dividende.

Die laufenden Kosten des thesaurierenden Luxemburger Fonds belaufen sich auf 1,64 Prozent pro Jahr. Das sind jährlich 19 Basispunkte mehr, als beim DWS Top Dividende an Gebühren anfallen. Langfristig macht das durchaus einen Unterschied. Der Luxemburger Fonds erwirtschaftete in den vergangenen drei Jahren 30,68 Prozent, also knapp drei Prozentpunkte weniger als der DWS Top Dividende LD. Seit Herbst 2008 warf der DWS Invest Top Dividend 91,21 Prozent ab, rund 2,5 Prozentpunkte weniger als das "Original".

Schwierige Jagd auf den Total Return

Die Jagd auf den Total Return des DWS Top Dividende ist also nicht trivial! Bliebe noch die Alternative, dass Anleger versuchen, über eine "rechtzeitige" Investition vor dem jeweiligen Ausschüttungstermin die Erträge dem Fonds in Gestalt neuer Fondsanteile zuzuführen. Doch das ist nicht so einfach. Zum einen kann man im Vorhinein den Fondspreis und auch den Termin, an dem die Stücke ins Depot eingebucht werden, nicht genau bestimmen. Zum anderen - und dieser Einwand wiegt schwerer - fällt beim DWS Top Dividende ein Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent der angelegten Summe an. Das schmälert den Ertrag der Anleger, deren Bank oder Berater nicht auf diese Vertriebsgebühr verzichten will. 

Nur bei thesaurierenden Fonds arbeitet der Zinseszins der Dividendenaktien im Fondsmantel weiter. Je länger man ihm dabei Zeit lässt, desto größer sein Zaubereffekt.

Last but not least wird - sofern der persönliche Steuerfreibetrag bereits ausgeschöpft ist - auf die ausgeschütteten Fondserträge Abgeltungssteuer fällig. Sie beläuft sich auf 25 Prozent der Erträge plus Soli plus ggf. Kirchensteuer.

Festzuhalten bleibt also, dass Privatanleger nur dann die volle Rendite eines Dividendenfonds vereinnahmen können, wenn sie sich für die thesaurierende Variante entscheiden. Nur dann arbeitet der Zinseszins der Dividendenaktien im Fondsmantel weiter für den Investor. Je länger man ihm dabei Zeit lässt, desto größer wird sein Zaubereffekt sein.

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.