Am Anfang war der S&P 500

Für Aktienanleger führt kein Weg an den USA vorbei. Anleger setzen bei US-Aktien-ETFs vor allem auf Standardindizes und lassen „Smart-Beta“-ETFs weitgehend links liegen. Unser wöchentlicher Bericht über Indizes, ETFs - und ihre Kosten.

Ali Masarwah 09.05.2014

Jeder Investor, der auf globale Aktien setzen möchte, kommt an den USA nicht vorbei. Der US-Aktienmarkt ist der mit Abstand größte der Welt. Das spiegelt sich in allen großen Aktienindizes wider, egal, ob es sich um Barometer wie den FTSE World, MSCI World oder MSCI ACWI handelt.

Die substanzielle Gewichtung von US-Aktien in globalen Aktienportfolios lässt sich durchaus sachlich begründen – auch für die Zukunft. Es deutet alles darauf hin, dass die US-Konjunktur ein eindrucksvolles Comeback hinlegen wird: Für 2014 deutet sich an, dass die historisch langfristige BIP-Wachstumsrate  von 3 Prozent erreicht wird. Zusammen mit Großbritannien könnten sich die USA also als Zugpferde der Industrieländer behaupten. Wieder einmal.

Dow Jones 30 Index taugt nur noch etwas für die Börsenberichterstattung

Grund genug also, sich mit dem US-Aktienmarkt zu beschäftigen. Ein Blick auf USA-ETFs als Bausteine für ein Aktienportfolio erscheint umso sinnvoller, da Anleger dann selbst entscheiden können, ob sie in ihrem Weltportfolio US-Aktien einen dominanten Anteil einräumen wollen und damit mit dem MSCI World d´accord gehen, der zu rund 60 Prozent aus USA-Aktien besteht. Alternativ könnten europäische Investoren auch dem Beispiel der meisten Vermögensverwalter folgen wollen und Europa sowie den Schwellenländern ein höheres Gewicht in ihrem Aktienportfolio einräumen (lesen Sie hier mehr zur Praxis global anlegender aktiver Aktienfonds). 

Kommen wir nun zu den großen Indizes, die US-Aktien abbilden. Am Anfang war der S&P 500! Nun ja, fast jedenfalls. Streng genommen gilt das für den Dow Jones Industrial Average (DJIA). Er ist der älteste Index auf amerikanische Aktien. Doch heute ist der S&P 500, also der Index, der die 500 größten US-Unternehmen abbildet, in aller Munde. Der alte „Daujones“ mit seiner merkwürdigen Preisgewichtungslogik taugt in der Realität nur noch für die Börsenberichterstattung in den Medien: Weder Profi-Anleger noch die meisten Privatinvestoren kaufen ETFs auf den DJIA, dessen 30 Aktien ein Spiegel der US-Wirtschaft liefern sollen. 

Smart Beta ist bei USA-ETFs im Abseits

Die Dominanz des S&P 500 als Benchmark-Index für Finanzprodukte zeigt unsere untere Produktübersicht. Wir haben unsere Datenbank Morningstar Direct angeschmissen und als Suchkriterien die drei USA-Standardwerte-Kategorien „Value“, „Growth“ und „Blend“ eingestellt. Dann haben wir die Produkte nach verwaltetem Vermögen sortiert. 

Wir sind mit einer großen Portion Neugier ans Werk gegangen. Würden die zahlreichen neuen so genannten Smart-Beta-ETFs, die es in besonders großer Zahl auf USA-Aktien gibt, in dem Ranking auftauchen? Das Ergebnis unserer Datenbankrecherche hat uns etwas erstaunt, aber zugleich auch erleichtert: Unsere Tabelle weist ein deutliches Übergewicht an herkömmlichen, marktkapitalisierungsgewichteten ETFs bzw. Indizes auf. Erleichtert waren wir insofern, als viele der neuen Indexkonstruktionen eine Wette auf eine Unbekannte ist: die Marktentwicklung! Außer dem SPDR S&P US Dividend Aristocrats ETF folgen alle ETFs der Auswahl dem Gesetz der Marktkapitalisierungsgewichtung. 

Warum waren wir erleichtert? Nun, Smart Beta ist in der heutigen Form nichts anderes als eine Wette darauf, dass die nicht wirklich weit zurückreichenden Trends wie low volatility, low beta oder minimum Variance auch in der Zukunft bessere Rendite-Risiko-Profile aufweisen werden als herkömmliche Indizes. Wir haben wiederholt die Befürchtung geäußert, dass es sich bei einigen der vermeintlich relevanten Gewichtungsfaktoren für alternative Indizes um irreführende Übungen in Data Mining handelt. Investoren laufen Gefahr, Scheinkorrelationen auf den Leim zu gehen und langfristig Schiffbruch zu erleiden. Bis auf weiteres gilt: Wer sich auf alternative Indizes einlässt, stellt sich gegen den dominierenden Markttrend (lesen Sie hier mehr zur kritischen Würdigung von Faktor-Investments). 

Unsere Tabelle der größten Produkte am Markt ist eine gleichermaßen eindeutige wie einseitige Sache: Unter den 15 verschiedenen Produkten befinden sich acht ETFs auf den S&P 500. Drei ETFs bilden den MSCI USA, zwei den Growth-Index Nasdaq 100 und je ein Produkt setzt auf den erwähnten S&P-Dividendenindex und den nicht lupenreinen USA-Index MSCI North America, der in homöopathischen Dosen auch kanadische Aktien enthält.

Tabelle: Übersicht über die größten USA-ETFs am Markt

Kommen wir zum S&P 500. Der von Standard & Poor´s berechnete marktkapitalisierungsgewichtete Index umfasst die 500 größten US-Unternehmen, gemessen an den frei handelbaren Aktien. Für die Teilnahme am Index werden auch Minimalerfordernisse an die Liquidität der Aktien gestellt. Derzeit ist der Technologiesektor mit knapp 17 Prozent der am höchsten gewichtete Sektor, gefolgt von Finanzdienstleistern (inklusive Banken und Versicherungen), Gesundheitstitel (13 Prozent) und Industriewerte (11,4 Prozent). Top-Titel sind Apple (3,1 Prozent), Exxon Mobil (2,6 Prozent), Microsoft (1,8 Prozent) und Johnson & Johnson (1,7 Prozent). Die Top-10-Aktien sind mit knapp 18 Prozent gewichtet, der S&P ist also alles andere als „kopflastig“.

Der MSCI USA folgt dem identischen Konstruktionsprinzip wie der S&P 500. Auch hier werden die Wertpapiere nach der im Streubesitz befindlichen Marktkapitalisierung gewichtet. Im Gegensatz zum S&P 500 sind mittelgroße Unternehmen etwas höher gewichtet. 

Etwas anders ist der Fall beim MSCI North America gelagert. Dieser Index, der mit einem ETF in der Auswahl vertreten ist, besteht zu rund 7 Prozent aus kanadischen Aktien. Der Rohstoffsektor ist entsprechend einen Tick höher gewichtet als das bei reinen USA-ETFs der Fall ist.  

Zwei Ausreißer: ETFs auf den Nasdaq und einen Dividenden-Aristokraten   

Widmen wir uns nun den zwei „Ausreißern“ unserer Auswahl. Der Nasdaq 100 Index ist im Gegensatz zu den anderen Standardwerte-Indizes, die keine dezidierte Stilrichtung abbilden ein Growth-Index, der die größten Wachstumswerte der USA in sich vereint. Der Nasdaq ist auch als Benchmark für Technologieaktien bekannt. Das wird mit einem Blick deutlich: Der Technologiesektor ist mit rund 56 Prozent im Nasdaq 100 gewichtet. Der Top-Wert ist Apple mit einem Anteil von 11,8 Prozent, gefolgt von Microsoft (8,4 Prozent) und Google (7,7 Prozent). Im Gegensatz zum S&P 500 ist der Nasdaq-Index durchaus kopflastig zu bezeichnen - die größten zehn Werte sind mit 50 Prozent gewichtet.

Wir kommen zum einzigen alternativ gewichteten Index bzw. ETF der Auswahl. Der von State Street angebotene SPDR S&P US Dividend Aristocrats ETF ist nicht nach Markt Kapitalisierung, sondern nach Dividendenrendite gewichtet. Mit einer Dividendenrendite von 2,7 Prozent (die quartalsregelmäßig ausgekehrt werden) kommt das Produkt allerdings nicht so ausschüttungsstark daher wie man es vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnte: Der S&P 500 weist immerhin auch eine Dividendenrendite von 2,0 Prozent aus. Hintergrund ist, dass US-Unternehmen viel stärker als europäische Unternehmen dazu neigen, eigene Aktien zurückzukaufen, während letztere viel eher dazu neigen, ihre Gewinne an die Teilhaber auszuschütten.

Das vollkommen andere Gewichtungsprinzip dieses Index äußert sich dagegen deutlich mit Blick auf die Top-Holdings: Drei von zehn Schwergewichten kommen aus dem Immobiliensektor. So auch HCP, das mit 2,88 Prozent der Top-Wert ist. Auch das Telekommunikationsunternehmen AT&T, Consolidated Edison, People´s United und McDonalds zählen zu den größten Holdings. Allerdings ist gibt es ein Limit von vier Prozent auf Ebene der Einzelaktien. Es werden nur solche Aktien berücksichtigt, die in den vergangenen 20 Jahren ihre Dividenden gesteigert haben. Das ist eine recht strikte Bedingung, die zur Folge hat, das aus einem Aktienuniversum von rund 1500 Aktien derzeit nur 95 Eingang in den Index bzw. ETF gefunden haben. Aufgrund der Gewichtung nach Dividendenrenditen überrascht nicht, dass dieser Index dem Value-Segment zuzuordnen ist.

Performance-Highflyer auf den Nasdaq 100 haben zuletzt geschwächelt

Kommen wir nun zur Performance. In den vergangenen fünf Jahren lässt sich die Rendite sehen lassen. Kein Wunder: Die katastrophal schlechte Performance von Aktien in der Finanzkrise ist mittlerweile aus den Fünfjahresrenditen „herausgerollt“ worden. Die Fünfjahresbilanz inkludiert heute die phantastische Aktienmarkterholung nach dem Tiefpunkt im März 2009. Die beste Performance erzielte der PowerShares EQQQ Nasdaq 100 ETF mit einem Plus von 19,75 Prozent pro Jahr, gefolgt vom iShares-Pendant, beim dem vier Basispünktchen pro Jahr weniger heraussprangen. Produkte auf den – nebenwertelastigeren - MSCI USA liegen leicht vor dem iShares S&P 500, der auf ein jährliches Plus von 15,8 Prozent kommt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die Drei- und Einjahres-Performance. Auch hier haben Google, Apple und Co. den „älteren“ Industrien den Schneid abgekauft. In diesem Jahr ist das Bild indes von der Korrektur an der Nasdaq geprägt. Übrigens liegt der SPDR S&P US Dividend Aristocrats in den vergangenen 12 Monaten – für eine 3-Jahresbilanz reicht die Historie noch nicht – deutlich hinter den herkömmlichen Indizes. In diesem Jahr hat sich das Bild freilich umgekehrt. Der Dividenden-ETF hat nach dem für EUR-Investoren währungsgehedgte S&P 500 ETF der Deutschen Bank die zweitbeste Performance hingelegt.

Management-Gebühren sinken stetig - die Spreads sind überwiegend eng

Kommen wir zum Schluss zu den Kosten. Bei ETFs fallen vielfältige Gebühren an. Die Management-Gebühren sind dabei das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese oft übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr). Neben den wichtigsten Kennzahlen der ETFs am Markt enthält unsere obere Tabelle auch eine Aufschlüsselung der Kostenkomponenten.

In den 30 Handelstagen per 7. Mai fielen die günstigsten Handelskosten für USA europaweit beim Amundi ETF S&P 500 an. Die „einfache Fahrt“ kostete Investoren an der Deutschen Börse bei diesem Produkt etwa 1 Basispunkt. Ein Spread von 3 Basispunkten fiel beim PowerShares EQQQ auch an der Deutschen Börse an. Der mit 9,9 Milliarden Euro größte USA-ETF, der iShares S&P 500, weist den günstigsten Spread mit vier Basispunkten auf Xetra auf.

Der mit Abstand teuerste USA-ETF war in den 30 betrachteten Handelstagen der Source S&P 500, der im Schnitt eine Handelsspanne von 74 Basispunkten aufweist. Auch der Dividenden-ETF von State Street und die für Euro-Investoren gehedgte Version des S&P 500-ETF der Deutschen Bank war während des Betrachtungszeitraums im Handel relativ teuer.

Auch die laufenden Kosten weisen größere Unterschiede auf, als es dieses homogene Produktangebot vermuten lässt. Interessant ist, dass die Richtung der jährlichen Kosten eindeutig nach unten weist. Hatte Vanguard vor wenigen Jahren mit laufenden Kosten von neun Basispunkten eine Kampfansage gemacht, zog iShares jüngst nach. Die thesaurierende Variante kostet mittlerweile nur noch sieben (!) Basispunkte. Vor der Übernahme des Credit-Suisse-ETF-Geschäfts mussten Anleger beim Marktführer noch 40 Basispunkte an jährlichen laufenden Kosten berappen (die noch für die ausschüttende Variante immer noch fällig werden).

Zwischen diesen Extremen bewegen sich die laufenden Kosten bei den ETFs unserer Auswahl, wobei die Kosten für S&P-500-ETFs deutlich unter den Produkten auf den Nasdaq, MSCI USA und MSCI North America liegen. Dass die Kosten des Dividenden ETFs mit 35 Basispunkten ebenfalls am oberen der Spanne zu finden sind, muss schon fast nicht mehr erwähnt werden (wer – tatsächlich oder vermeintlich – „smart“ ist, lässt sich gerne üppig bezahlen).

Anleger sollten je nach Anlagehorizont abwägen, ob sie den einmal anfallenden Handelskosten oder den jährlich anfallenden Management-Kosten ein größeres Gewicht bei der Entscheidung für oder wider ein Produkt einräumen sollten.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich