Warum aktive Fondsanleger das Nachsehen haben

Die großen Michael-Hasenstab-Fonds ziehen wieder viel Anlegergeld an, nachdem sie zuvor unter Abflüssen litten. Es sind viele Market-Timer am Werk. Die beste Bilanz haben allerdings Buy and Hold-Anleger verzeichnet. Wir zeigen am Beispiel der Templeton-Fonds, warum sich Aktionismus nicht lohnt.  

Ali Masarwah 29.09.2014

Viele Beobachter haben es gemerkt: Die von Star-Fondsmanager Michael Hasenstab gemanagten Rentenfonds feiern ein Comeback. Sie verbuchen wieder hohe Mittelzuflüsse, nachdem Anleger in den vergangenen 15 Monaten sehr viel Geld aus dem Templeton Global Bond und Templeton Global Total Return abgezogen haben (lesen Sie hier mehr). Doch die Wortwahl "Comeback" ist eigentlich nicht besonders gut gewählt; um ein Comeback zu feiern, muss man zuvor "weg" gewesen sein.

Das war Michael Hasenstab nicht. Er lieferte auch nach Beginn der Tapering-Diskussion in den USA im Mai 2013 solides Handwerk ab. Es waren vielmehr die Investoren, die dann mal "weg" waren. Im Zuge der regelrechten Flucht aus Schwellenländer-Renten ab Juni 2013 wurden auch der Templeton Global Bond und Templeton Global Total Return in großem Stil aus den Portfolios risikoaverser Renten-Investoren geworfen. Heute wird wieder gekauft.

Das war im Nachhinein betrachtet keine gute Idee. Anleger, die im Juni, Juli oder August 2013 ihre Anteile an den Templeton-Fonds verkauften haben und jetzt wieder zuschlagen, haben keine optimale Rendite mit ihrem Investment erzielt. Das ist leider typisch für das Verhalten von Anlegern, und das Beispiel, das wir gleich anhand der beiden Templeton-Fonds zeigen werden, steht stellvertretend für die Erfahrung vieler, wenn nicht sogar der meisten Fondsanleger.

Anleger treffen Timing-Entscheidungen zur Unzeit

Leider stellen wir immer wieder fest, dass Anleger falsche Timing-Entscheidungen treffen. Sie verkaufen in der Regel zu spät, nämlich nach einer turbulenten Marktphase. Dann hätte es sich aber zumeist gelohnt, still zu halten bzw. nachzukaufen. Anleger kaufen wiederum dann, wenn die Märkte bereits einen guten Lauf hinter sich hatten. Dieses hektische Hin und Her macht tatsächlich die sprichwörtlichen Taschen leer. Das lässt sich gut am Unterschied zwischen der geld- und zeitgewichteten Rendite illustrieren. 

Um das Phänomen der geldgewichteten Rendite zu erklären, hier ein einfaches Beispiel: Ein Anleger investiert zu Jahresanfang 10.000 Euro in einen Fonds. Am Ende des Jahres hat der Fonds um fünf Prozent zugelegt. Unterjährig gab es kräftige Schwankungen. Nach einem ordentlichen Performance-Plus von 15 Prozent von Januar bis Ende September finden im vierten Quartal kräftige Preisabschläge in Höhe von zehn Prozentpunkten an. Dem Buy-and-Hold-Anleger verbleibt ein Plus von 5%.

Hätte nun ein zweiter Anleger – angelockt von der guten Fondsperformance in den ersten neun Monaten – Anfang Oktober 10.000 Euro investiert, hätte er eine ganz andere Erfahrung gemacht als der Buy-and-Hold-Investor. Während der erste Anleger in den Genuss einer Rendite von fünf Prozent kam, musste der zweite Investor einen satten Verlust hinnehmen. Indem man die Folgen des Kauf- und Verkaufsverhaltens berechnet, gelangt man dem klassischen Durchschnittsinvestor (der nicht verwechselt werden sollte mit einer real existierenden Person) auf die Spur (lesen Sie hier mehr).

Der Morningstar Investor Return bringt die Mittelzu- und -Abflüsse als Teil der Gleichung ins Spiel. Gewichtet man die Rendite eines Fonds unter der Berücksichtigung der Veränderungen des Fondsvermögens, kommt das der Erfahrung eines durchschnittlichen Anlegers relativ nah.  Das wollen wir anhand der beiden großen Templeton Fonds durchspielen. 

2013 flohen Anleger aus beiden Templeton-Fonds

Lassen wir die vergangenen 15 Monate Revue passieren. Nachdem die US-Notenbank Ende Mai 2013 angekündigt hatte, das Volumen der Anleihekäufe Schritt für Schritt zurückzufahren, flüchteten Anleger, die mit steigenden Renditen in den USA rechneten, aus Schwellenländeranleihen. Darunter litten beide Templeton-Fonds, deren Manager Michael Hasenstab bekannterweise in großem Stil auf Emerging Markets setzt. Zwischen Juni und Dezember 2013 zogen Anleger 4,88 Milliarden Euro aus dem Templeton Global Bond ab und 2,16 Milliarden Euro aus dem Templeton Global Total Return.

Allerdings war die Hektik vollkommen unnötig. Die Rentenmärkte erholten sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2013, und die Ukraine-Krise 2014 belastete nur kurzfristig. Ungeachtet aller Turbulenzen an den globalen Rentenmärkten sprang für Euro-Investoren in der währungsgesicherten Tranche des Templeton Global Bond 2013 immerhin ein mageres Plus von 1,0% heraus - eine deutliche Outperformance gegenüber Index und der Gruppe der Vergleichsfonds. Anleger, die in der Haupttranche des Fonds A investiert sind, die nicht gegen Dollar-Schwankungen abgesichert ist, mussten 2013 einen Verlust von 3,1% hinnehmen, was aber auch deutlich besser war als die Performance von Index sowie Peergroup. Auch der Templeton Global Total Return übertraf Index und Peergroup 2013 deutlich. 

Fast überflüssig zu erwähnen, dass beide Fonds 2013 ihre Morningstar Analyst Ratings behielten. Der Templeton Global Total Return war (und ist unverändert) mit "Bronze" bewertet, der Templeton Global Bond mit "Silver", die zweitbeste Note, die wir an Fonds vergeben.  

Anleger ließen zwischen 2011 und 2014 sehr viel Rendite links liegen  

Inzwischen hat sich der Wind wieder gedreht. Im Zuge deutlich steigender Fondspreise kehren Anleger wieder zu den beiden Templeton-Fonds zurück. In diesem Quartal verbuchte der 29,6 Milliarden Euro schwere Templeton Global Bond Fund 425 Millionen Euro an Zuflüssen, der kleinere Bruder - immerhin auch 26,92 Milliarden Euro schwer - Global Total Return sammelte im Juli und August 370 Millionen Euro ein. (In den ersten acht Monaten dieses Jahres bleibt die Vertriebsbilanz aufgrund der hohen Abflüsse zu Jahresanfang tiefrot.)

Wie schädlich diese Umschichtungen im Portfolio des durchschnittlichen Investors waren, zeigt ein kurzer Abgleich zwischen der zeitgewichteten (Total Return) und der geldgewichteten Rendite (Morningstar Investor Return): Während Anleger in der A-Tranche des Templeton Global Bond per Ende August in den vergangenen drei Jahren der Idee nach eine Jahresrendite (Total Return) von 7,58% vereinnahmten, sprangen für den Durchschnittsinvestor seit September 2011 nur 3,92% pro Jahr heraus.

Anleger haben also infolge ihres hektischen Handelns 364 Basispunkte jährlich liegen lassen. Auch 2013 lag der Morningstar Investor Return mit einem Minus von 3,48% unter dem Total Return von minus 3,16%. Zur Erinnerung: Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen in Deutschland liegt derzeit bei rund 0,8%.

Dasselbe Bild zeigt sich beim Templeton Global Total Return. Der Total Return der Haupttranche (A) belief sich in den vergangenen drei Jahren auf 8,83% p.a.. Der Morningstar Investor Return lag im selben Zeitraum nur bei 3,05% pro Jahr. 2013 lag die Differenz zwischen diesen beiden Performance-Rechnungen bei 136 Basispunkten, die Anleger im Schnitt links liegen ließen.

Die verheerenden Folgen dieses sinnlosen Reagierens auf Marktbewegungen in diesem Beispiel steht stellvertretend für die meisten Fondskategorien. Es lässt sich nicht nur bei Fonds beobachten, die auf volatilen Märkten unterwegs sind, auch bei Fonds mit hohen Zu- und Abflüssen. Zur allgemeinen Markthektik gesellen sich also oft offensive Vertriebsaktionen. Die werden in aller Regel nur dann gestartet, wenn ein Fonds einen guten Lauf hatte. Zwei einfache Ratschläge sollten Anleger also stur beherzigen: Es lohnt sich fast nie, den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu suchen, und auch die Jagd auf Vergangenheitserfolge erweist sich in aller Regel als schädlich. 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.