Emerging Markets ETFs: Vergessene Wachstumsstory

Viele Anleger haben sich aus Schwellenländer-Investments verabschiedet. Dabei ist durchaus Überraschungspotential gegeben, da der Anteil der Emerging Markets an der Weltwirtschaft durch ihr überdurchschnittliches Wachstum weiterhin zunimmt. Unser Bericht über Wachstum, Indizes und ETFs, die in den Emerging Markets investieren.

Michael Haker 10.04.2015

Sie waren lange Zeit die absoluten Lieblinge vieler Anleger, sind seit gut drei Jahren jedoch mehr und mehr in Ungnade gefallen: Emerging Markets. Das Wachstum schwächelt, Probleme wie grassierende Inflation, steigende Verschuldung und der drohende Liquiditätsentzug durch Investoren aus den Industrieländern machen aus Aktien- und Bond-Investments aus den Schwellenländern eine Wackelpartie. Wir haben bereits häufiger über die Risiken in Emerging Markets berichtet (lesen Sie mehr hier).

Auf der Aktienseite gibt es dennoch etliche Punkte, die für Schwellenländer sprechen. Vergleicht man die Wachstumsraten mit dem anämischen Wachstum in der Eurozone, dann wird deutlich, dass die Emerging Markets Länder signifikant an Bedeutung für die Weltwirtschaft gewonnen haben. Ein beliebtes Maß hierfür ist das BIP: Die USA sind mit einem Anteil von gut 22% oder etwa 16,8 Billionen US-Dollar am weltweiten BIP immer noch Spitzenreiter, der Euro-Raum trägt gut 17,4% oder 13,15 Billionen US-Dollar bei. Der Anteil der Emerging Markets (nach Definition des Index-Anbieters MSCI) ist im Jahr 2013 auf gut 32% gewachsen. Die BRIC-Staaten tragen mittlerweile ein Fünftel zur gesamten Weltwirtschaft bei, wobei das Zugpferd hier natürlich China ist.

Anteile der Emerging Markets am Weltweiten BIP 2013
Grafik 1: Anteile der Emerging Markets am Weltweiten BIP 2013

Das Reich der Mitte ist mittlerweile hinter den USA zur zweitgrößten Volkswirtschaft aufgestiegen, und die Wirtschaft in China dürfte auch unter erschwerten Bedingungen um rund 7% in diesem Jahr wachsen. Ein Blick auf die historische Entwicklung der Anteile am weltweiten BIP zeigt ein noch deutlicheres Bild vom Wachstum der aufstrebenden Länder.

In Grafik 2 ist zu sehen, dass die Emerging Markets (nach MSCI) schon 2008 zusammengenommen einen höheren prozentualen Anteil am weltweiten BIP hatten als die USA. Zudem ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die vier BRIC-Staaten den Sprung schaffen. Dabei ist absolut betrachtet das BIP der USA und auch das von Deutschland in diesem Zeitraum stetig angestiegen, doch war das Wachstum der Emerging Markets zusammen mit dem Rest der Welt deutlich höher.

BIP-Wachstum 2000 bis 2013
Grafik 2: Entwicklung der Anteile am Weltweiten BIP (2000 – 2013)

Trotz der vielversprechenden Entwicklung der Wirtschaftsleistungen in den zugrundeliegenden Volkswirtschaften, verzeichneten Schwellenländerfonds zuletzt negative Zuflüsse. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die meisten Investoren nicht mehr allzu viel von den Kapitalmärkten der Schwellenländer erwarten. Da sich viele Anleger bereits von den Emerging Markets verabschiedet haben – auch viele Profis sind nicht mehr dabei – ist hier durchaus Überraschungspotential gegeben.

Über breit streuende Emerging Marktes-ETFs können Anleger einen Zugang zu den Schwellenländern finden. Enge Themenfonds wie etwa BRIC Produkte erscheinen uns aber bedingt geeignet. BRIC-Produkte beschränken sich ohne Not auf vier Märkte, von denen derzeit zwei – Russland und Brasilien – mit großen Problemen kämpfen. Wir haben uns immer gewundert, warum sich Investoren in ihrer Auswahl derart einschränken! Eine überdurchschnittliche Volatilität ist das Ergebnis dieser Konzentration auf wenige Länder.

Schwellenländer: teurer Dollar, billiges Öl

Das Damoklesschwert über den Schwellenländern ist die Zinspolitik der amerikanischen Zentralbank. Erhöht die Fed die Zinsen, kann der erwartete Dollar-Anstieg zu einem Abzug weiterer Gelder zu Gunsten von US-Dollar-Positionen führen. Zudem werten lokale Währungen ab und Importe verteuern sich, ebenso wie USD-Kredite der Emerging-Markets-Unternehmen. Das ist insgesamt nicht hilfreich für das Wirtschaftswachstum der aufstrebenden Länder.
Auf der anderen Seite ist das billige Öl gerade für die Bevölkerung ein Segen, da sich ihre Kaufkraft erhöht. Profiteure sind insbesondre die importierenden Länder wie China, Taiwan und Indien, die in den globalen Emerging-Markets-Indizes mit die größten Regionen bilden.

Wir stellen ihnen heute sieben Schwellenländer-Indizes vor, die unterschiedliche Schwerpunkte und Ansätze haben. Fast allen gemein ist die prominente Stellung Chinas, Südkoreas und Taiwans, sowie die starke Gewichtung von Finanztiteln.

MSCI Emerging Markets Index

Der König der Emerging Markets Indizes. Von ETF-Anbietern wird er am häufigsten abgebildet . Den Index gibt es seit 1988, und er startete mit 10 Ländern; mittlerweile beinhaltete er Large und Mid Caps aus 23 Emerging Markets – hierzu gehört mittlerweile auch Griechenland. Abgedeckt werden gut 85% der Marktkapitalisierung . Die Anzahl an Einzeltitel ist auf beachtliche 836 gestiegen. Die Gewichtung erfolgt nach der geläufigsten Methodik: nach Marktkapitalisierung im free-float.

Bei der Regionalen Aufteilung nehmen Länder aus Asien die Großteil ein: Die größte Gewichtung haben China (22,3%), Südkorea (14,6%) und Taiwan (12,7%). Brasilien macht 8,1%, Südafrika 8% aus. Ein knappes Drittel ist auf die anderen Emerging Markets in Asien, Süd- und Mittelamerika sowie Osteuropa aufgeteilt. Auf Sektorebene machen Finanzwerte 28% und IT-Unternehmen 18% des Indexgewichts ausMit einer Gewichtung zwischen 7% und 9% sind die übrigen Sektoren wie Konsumwerte, Energie, Telekommunikation relativ ausgewogen vertreten. Angesichts der Breite des Index machen die Top-10-Werte nur 18% aus. Dazu gehören Samsung (3,5%), Taiwan Semiconductor (3%), Tencent Holdings (2,3%), China Mobile (2,1%) und China Construction (1,5%).

MSCI Emerging Markets IMI

Deutlich breiter gestreut ist die Investable Market-Variante des MSCI EM. Er enthält neben Mid und Large Caps auch Small Caps. Der Index umfasst über 2.600 Einzeltitel und deckt nahezu vollständig die Marktkapitalisierung der 23 enthaltenen Länder ab. Die Aufteilung ist hier ähnlich wie beim älteren, kleineren Bruder: China (22%), Südkorea (14,9%), Taiwan (15,5%), Südafrika (8%) – Brasilien ist in den Top-5-Ländern von Indien (7,9%) verdrängt worden. Die Sektoraufteilung ist bei den kleineren Sparten nicht ganz so ausgewogen wie beim MSCI EM, bei den größten Sektoren ist die Aufteilung aber ähnlich: Finanzwerte machen etwas über ein Viertel des Indexgewichts aus, gefolgt von Technologietiteln (18,3%), zyklischen (10,2%) und nicht-zyklischen (8,1%) Konsumgütern sowie Rohstoffwerten (8%). Aufgrund der hohen Anzahl an Einzelwerten machen die Top-10-Werte nur 15,7% aus – der Index ist also alles andere als Kopflastig. Die Top-5-Positionen sind Samsung (3%), Taiwan Semiconductor (2,6%), Tencent Holdings (2%), China Mobile (1,8%) und China Construction (1,3%).

MSCI Emerging Markets Small Cap Index

Die Wertentwicklung ausschlie¬¬ßlich kleiner Unternehmen, die in den 23 nach MSCI kategorisierten Emerging Markets operieren, bildet der MSCI Emerging Markets Small Cap Index ab. Mit gut 1.800 Unternehmen ist er über das Small-Cap-Segment breit gestreut und deckt gut 14% der verfügbaren Marktkapitalisierung in jedem Land ab. Die Gewichtung erfolgt, wie bei den anderen beiden MSCI-Produkten auch, nach der frei gehandelten Marktkapitalisierung. Drei Länder sind mit insgesamt 60% zu relativ gleichen Teilen vertreten: China, Taiwan und Südkorea. Die beiden letztgenannten sind also etwas stärker vertreten als bei den beiden zuvor genannten MSCI-Indizes. Andere Länder wiegen nicht mehr als gut 9%. Bei den Branchen dominieren Finanzwerte (20,4%), Konsumgüter (17,1%), IT-Unternehmen (15,8%), Industriewerte (15%) und Rohstofftitel (12%). Die zehn größten Werte sind Südafrika-dominiert, machen verschwindend geringe 3,2% aus und kein Wert ist mit mehr als 0,4% gewichtet – kopflastig geht also anders.

FTSE Emerging Index

Der Index bildet die Wertentwicklung von insgesamt 911 großen und mittleren Unternehmen aus 22 nach FTSE kategorisierten Emerging Markets ab. Das Investmentuniversum weicht von dem der MSCI-Benchmarks ab, da die Länderklassifizierung nicht dieselbe ist: Südkorea und Griechenland werden bei FTSE als entwickelte Länder definiert. An der Länderaufteilung bei den Schwergewichten ändert das aber wenig: Am stärksten gewichtet sind China (24,8%), Taiwan (14,5%), Indien (12,3%), Brasilien (9,7%) und Südafrika (9,6%). Die Top-Branchen sind auch hier wieder Finanzwerte (28%) und Technologietitel (16%), die anderen Sektoren sind mit einer Gewichtung zwischen 6% und 9% relativ gleich verteilt – weniger konjunkturanfällige Gesundheitswerte oder Versorger sind praktisch kaum im Index vorhanden. Auf Einzeltitelebene ist der Fonds ebenso recht ausgewogen: die größten Werte haben eine relativ geringe Gewichtung: Taiwan Semiconductor (3,3%), Tencent (2,3%), China Mobile (2%), China Construction Bank (1,7%) und der südafrikanische Medienkonzern Naspers (1,5%).

Die Neugewichtung der vier breit gestreuten Emerging Markets Indizes erfolgt halbjährlich.

Dow Jones Emerging Markets Select Dividend

Relativ bescheidene 100 Werte umfasst der seit 2011 berechnete DJ-Index, der sich auf Dividendenstarke Titel konzentriert. Die Gewichtung folgt nicht der Marktkapitalisierung, sondern anhand der erwarteten Dividendenrendite. Das Rebalancing erfolgt ein Mal im Jahr. Die Berechnungsgrundlage für den Index ist hier also eine komplett andere, was sich auch auf die Gewichtung der 17 Länder im Index auswirkt. Am stärksten vertreten sind Taiwan (26,5%), Brasilien (11,5%), Südafrika (9,2%), China (8,8%) und Polen (7,6%). Der Dividendenansatz macht sich auch in der Sektorgewichtung bemerkbar. Finanzwerte (18%), Telekommunikation (16,2%), Industrie (13,2%), Rohstoffe (13,1%) und Konsumgüter (9,2%) machen das höchste Gewicht aus. Kein Einzeltitel hat ein Gewicht von mehr als 3,3%. Zu den größten Werten gehören der polnische Versicherer Powszechny Zaklad (3,3%), Matahari Putra Prima aus Indonesien (3,2%), der brasilianische Versorger Cia Energetica de Minas Gerais (2,6%), China Shanshui Cement (2,4%) und Amtran Technology aus Taiwan (2,3%).

FTSE BRIC 50

Der FTSE BRIC 50 bildet die Performance der nach Marktkapitalisierung 50 größten Unternehmen in den vier Emerging-Markets-Staaten ab. Das Indien, Russland und Brasilien-Exposure wird durch Verbriefungsurkunden (Depository-Receipts) abgebildet, China wiederum durch H-Shares, die in HongKong gelisted sind,sowie chinesische A-Shares. Das Investmentuniversum ist recht volatil: Beispielsweise lag im September 2012 der Anteil russischer Aktien noch bei knapp 24%, bis heute ist er auf 12,7% geschrumpft. Der Anteil von China nimmt hingegen zu und ist mittlerweile auf 57,7% angewachsen, gefolgt von Brasilien (15,5%) und Indien (14,1%). Der Index ist mit einer Gewichtung von 42% bei Finanzwerten extrem kopflastig. Andere Sektoren sind deutlich weniger stark repräsentiert: Energie (16,6%), IT-Werte (14,9%), Telekommunikation (10,3%). Auch bei den größten Einzelpositionen dominiert China: Tencent (8,6%), China Mobile (7,5%) China Construction Bank (6,4%), ICBC (5,6%), Bank of China (4,6%). Einzelne Aktien können maximal 15% im Index ausmachen. Die Neugewichtung erfolgt halbjährlich.

Schwankungsreduzierte Indizes

Neben den klassischen Indizes nach Marktkapitalisierungsmethode oder mit Dividendenfokus gibt es seit wenigen Jahren Indizes, die sich auf die Minimierung der Schwankungsanfälligkeit spezialisieren. Aktien mit niedriger Volatilität weisen grundsätzlich ein niedriges Beta auf. Das kann zur Folge haben, dass die Produkte in Bullenmärkten underperformen und in Bärenmärkte outperformen. Heißt im Klartext: Die Anlagestrategie sollte langfristig, d.h. über mehrere Zyklen, Mehrwert schaffen.

MSCI EM Minimum Volatility

Hierbei handelt es sich um einen Subindex des oben erwähnten MSCI Emerging Markets. Er enthält Mid- und Large-Caps aus 23 nach der MSCI-Methodologie definierten Emerging-Markets, die Titelauswahl ist allerdings durch verschiedene quantitative Verfahren optimiert und auf 225 reduziert, was also knapp ein Viertel des Mutterindex entspricht. Die Ländergewichtung hat sich verschoben: China (23,8%) und Taiwan (18,1%) machen den größten Teil aus, gefolgt von Südkorea (9,2%), Malaysia (9,4%) und Südafrika (5,5%). Auf Sektorebene ist der Index recht diversifiziert: Finanzwerte (27,5%), IT-Unternehmen (13,5%), nichtzyklische Konsumwerte (13,4%), Telekommunikation (13%), Versorger (8%). Bei den Einzeltiteln machen die Top-10-Werte knapp 14% aus (beim MSCI EM sind es 18,2%); die größte Einzelwertgewichtung liegt bei 1,7% (China Mobile). Andere Top-Werte sind Taiwan Semiconductor, Chunghwa Telecom, Bank Central Asia und Public Bank (je 1,3-1,6%).

Ossiam EM Minimum Variance

Ein zweiter volatilitätsminimierter Index kommt aus dem Hause Ossiam. Das Investmentuniversum stellt der S&P/IFCI Index. In die Auswahl kommen die 400 liquidesten Aktien. Sektoren und Länder dürfen maximal 20% ausmachen, einzelne Unternehmen maximal 3,5%. Für die Berechnung des Index und die Umsetzung des Minimum-Variance-Ansatzes werden Annahmen über die zukünftige Volatilität in Zusammenhang mit verschiedenen Aktienkombinationen getroffen. Dementsprechend folgt die Gewichtung der Einzelwerte nicht der Marktkapitalisierung im free-float, sondern ist optimiert, um eine möglichst geringe Volatilität zu erreichen. Die Neugewichtung der ausgewählten Titel im Index erfolgt alle sechs Monate. Während dieser Zeit kann sich in den lebhaften Emerging Markets jedoch einiges ändern. Ende Februar 2015 lag die China-Gewichtung beispielsweise bei 9,5%, Anfang April 2015 liegt sie bei 12,2%. Der Ossiam-Index hebt sich aber insgesamt in der Ländergewichtung deutlich von anderen hier vorgestellten Produkten ab. Am stärksten gewichtet sind derzeit Südkorea (20%), Taiwan (19,8%) und Malaysia (15,1%). China hat das viertgrößte Länderexposure, gefolgt von Thailand (9,5%). Auf Sektorebene zeigt der Index ein vergleichsweise diversifiziertes Bild: Finanzwerte und Telekommunikation machen je ein Fünftel aus, Industriewerte, IT und zyklische Konsumgüter je zwischen 9,5-12,5%. Die Größten Positionen sind Chunghwa Telecom (2,8%), Industries Qatar (2,7%), Axiata Group (2,6%), Public Bank (2,5%) und Qatar National Bank (2,4%). Die Top-10-Positionen wiegen zusammen 23,4%.

ETFs auf Emerging Market Indizes

Kommen wir nun zu den ETFs der unterschiedlichen Anbieter, die die oben vorgestellten Indizes abbilden. Bei der Auswahl der ETFs und letztlich auch der Indizes haben wir uns an den Fondsvolumina orientiert.

Emerging Markets ETFs
Tabelle 1: ETFs mit Schwerpunkt Global Emerging Markets

Die größten ETFs bilden den MSCI Emerging Markets Index nach. Mit einem Fondsvolumen von gut 4,7 Milliarden Euro kommt der größte ETF von iShares, gefolgt von den Produkten der Deutschen Bank (2,1 Milliarden Euro) und dem französischen Anbieter Lyxor (1,35 Milliarden Euro). Die etwas breiter gefasste Investable-Markets-Variante (IMI) von MSCI wird ausschließlich von iShares abgebildet, wobei der in Europa zum Vertrieb zugelassene ETF mittlerweile über 1 Milliarde Euro gro¬ß ist. Die etwas exotischeren Produkte weisen deutlich geringere Volumina zwischen 28 und 500 Millionen Euro auf.

Brasilien und Russland belasten mittelfristige Performance

Die Wertentwicklungen der Emerging Markets-Produkte fiel bislang recht ähnlich aus: Kurzfristig lief es wieder ganz gut, längerfristig haben wirtschaftliche und politische Turbulenzen die Performance getrübt. Die im laufenden Jahr erzielten Renditen von 15,6 – 26% sind zwar beachtlich, primär aber den Schwergewichten China und Korea zu verdanken, die in diesem Jahr sehr gut gelaufen sind: Die Morningstar Kategorie „Aktien China“ erzielte bislang ein Plus von gut 28%, bei chinesischen A-Shares waren es sogar +39,2% seit Jahresanfang. Die Morningstar Kategorie „Aktien Korea“ kam im selben Zeitraum auf ein Plus von 20%, auf Sicht von drei und fünf Jahren waren es allerdings nur +6% p.a.:, Breite Emerging Markets-ETFs haben auf Drei- und Fünf-Jahressicht zwischen 5% und 11,4% zugelegt, wobei sich Small-Caps etwas besser entwickelten.

Vergleichsweise weit abgeschlagen liegt der iShares-ETF auf den Dow Jones Emerging Markets Select Dividend. Zu den starken Dividendenzahlern gehörten bislang traditionell Finanzwerte, die aber aufgrund der Finanzkrise ihre Ausschüttungen kürzen mussten, was letztlich den Aktienkurs belastet hat. Zudem sind die Renditebringer der Emerging Markets in den letzten Jahren (China, Korea und Indien) hier weniger präsent. Stattdessen gehören Taiwan, Brasilien und Südafrika zu den größten Gewichtungen, wobei sich gerade brasilianische Aktien auf drei- und fünf-Jahressicht nicht mit Ruhm bekleckert haben.

Die beste Performance mit +26% im laufenden Jahr lieferte der einzige BRIC-ETF unserer Auswahl – neben China und Indien hat auch Russland in diesem Jahr stark performt. Auf Fünfjahressicht ist der ETF mit 3,9% jährlich aber kein Top-Performer unter den Emerging Markets Produkten: Die gute Entwicklung der China und Indien-Exposures wurde über mehrere Jahre hinweg von der negativen Performance brasilianischer und russischer Titel ausgebremst. Da scheint es widersprüchlich, dass der iShares BRIC 50 ETF ein Morningstar-Rating von 5 Sternen trägt. Der Grund hierfür ist jedoch, dass BRIC-Fonds eine eigene Kategorie bilden, auf die sich das Sterne-Rating bezieht. Die Sterne der BRIC-ETFs sind also nicht mit den Sternen der globalen Emerging Markets ETFs zu vergleichen.

Anleger sollten zudem einigermaßen gute Nerven haben, um die Kursrückgänge in diesem Marktsegment aushalten zu können. Die maximalen Verluste der Emerging Markets ETFs bewegten sich in den letzten drei Jahren zwischen 15,5 und 23,3%. Der schwankungsoptimierte Ossiam-ETF verlor mit maximal 13,8% am wenigsten in unserer Auswahl.

Die Index-Replikation kann Überraschungen bergen

Worüber sich Anleger in Emerging Markets ebenfalls bewusst sein sollten, ist die Replikationsmethode der jeweiligen Indizes durch die ETF-Anbieter. Ein Blick an den rechten Rand in Tabelle 1 zeigt drei unterschiedliche Ansätze:

Synthetische Replikation – Bei illiquiden Märkten mit kleinen Börsen wie etwa Vietnam, wo ausländische Investoren nur 30% und 49% an einem Unternehmen besitzen dürfen, haben es synthetische replizierende ETFs einfacher einen Index abzubilden als physisch replizierende Fonds. Problematisch ist aber die größere Abweichung vom Index. Für gewöhnlich sind synthetisch replizierende ETFs auch etwas günstiger. Die Liste der Emerging Markets ETFs spiegelt das nicht direkt wieder, sie ist für das gesamte ETF-Universum aber auch nicht repräsentativ. Auf die Kostenfrage gehen wir unten nochmals ein.

Physische teilweise Replikation – Basierend auf mathematischen Modellen wird nur ein Teil des abgebildeten Index gekauft (Sampling-Methodik) der im Idealfall das identische Risiko-Rendite-Profil wie der zugrunde liegende Index aufweist. In einem normalen Marktumfeld erzielt diese Methode gute Ergebnisse. Bei extrem volatilen Märkten kann es zu einer Abweichung vom Index von bis zu 7% kommen, so wie beim iShares MSCI Emerging Market Index ETF im Jahr 2009. (lesen Sie hier mehr)

Physische volle Replikation – Diese Methode ist bei Emerging Markets Indizes aufgrund der teils illiquiden Märkte eher die Ausnahme, ist meist für Anleger etwas teurer, hat dafür aber einen geringen Tracking Error. Vorteile haben hier ETF-Anbieter mit einem globalen Netzwerk als Aktienbroker, um die Aktien in den jeweiligen Märkten selbst handeln zu können.

Uneinheitliche Gebührenstruktur – Amundi setzt neue Standards

Zuletzt sollten Anleger genau auf die Gebührenstruktur der verschiedenen ETFs achten, da sich hier zum Teil doch ganz erhebliche Unterschiede zeigen. Allein bei ETFs auf den MSCI Emerging Markets Index liegen die laufenden Kosten zwischen 20 und 75 Basispunkten p.a.

Zu den höherpreisigen ETFs gehören Small-Cap-Portfolios, sowie der Ossiam Mimimum Variance ETF und der älteste Emerging Markets ETF. Letzterer stammt von iShares und ist seit 2005 am Markt. Damals waren laufende Kosten von um die 0,75% noch die Norm – heute ist das das obere Ende. Auch der db-x-trackers MSCI Emerging Markets ist noch auf der teuren Seite, was angesichts der Preisoffensive der Deutschen Bank in 2013/14 schon erstaunt. Amundi hat die Kosten für ihren breiten Emerging-Markets-ETF im vergangenen Jahr auf sensationelle 20 Basispunkte gesenkt und setzt damit neue Standards. iShares kann aber ebenfalls günstig: Der Investable Markets-ETF liegt bei 0,25% jährlichen Gebühren und ist damit in der modernen Welt angekommen. Der Vanguard-ETF auf den FTSE Emerging Index gehört ebenfalls zu den günstigsten Produkten, mit denen Anleger auf ein breit diversifiziertes Investment in Schwellenländern setzen können.

Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist Research Editor bei Morningstar.