Die größten Multi-Asset-Produkte im Crashtest: Welche unserer Anlegerfavoriten sich in den letzten Monaten am besten behauptet haben.

Wie haben sich die größten Misch- bzw. Multi-Asset-Fonds in den turbulenten Märkten der letzten Monate, insbesondere im August, geschlagen? Wir haben untersucht, wie die Fonds, darunter die Anlegerlieblinge von Ethna, Carmignac und FvS, im Konkurrenzvergleich abgeschnitten haben und ob sie es geschafft haben, die Verluste für Anleger in Grenzen zu halten.

Barbara Claus 10.09.2015

In der Theorie sollten Anleger mit gemischten Fonds / Multi-Asset-Fonds gut für turbulente Marktphasen gerüstet sein. Durch Diversifikationseffekte in den Portfolios sollten sich die Wertschwankungen demnach in Grenzen halten. Die letzten Monate haben die Manager dieser Fonds aber durchaus auf die Probe gestellt, da sowohl Aktien als auch Anleihen negative Erträge lieferten, was vor allem klassische Aktien-Renten-Mischfonds an ihre Grenzen brachte. Die Wertentwicklung der Fonds in den letzten Monaten könnte Anlegern daher einen Vorgeschmack darauf geben, was sie erwarten könnte, wenn das schwierige Marktumfeld weiter anhält.

Wenige große Fonds vereinen die meisten Gelder auf sich

Die größten Mischfonds in unserer Tabelle vereinen 150 Mrd. EUR an Anlegergeldern auf sich, was einem Anteil an der Gesamtzahl der über 1.910 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Mischfonds von ca. einem Drittel entspricht. Die Anlegergelder in diesem Marktsegment konzentrieren sich daher auf einige wenige „Flaggschifffonds“, während die meisten der übrigen 1.890 Fonds eher im kleinvolumigen Bereich mit einem Median-Fondsvermögen von knapp über 35 Mio. EUR unterwegs sind.

1. Überblick über die 20 größten Multi-Asset-Fonds

Neben der Vertriebsstärke dürfte es nicht zuletzt die gute Leistung in der Vergangenheit gewesen sein, die die ‚Dickschiffe‘ so groß hat werden lassen. Wir untersuchen, ob sie sich auch in den turbulenten letzten 6 Monaten und insbesondere im August 2015 bewähren konnten. Bei der Analyse ist allerdings zu beachten, dass die Fonds über unterschiedliche Risikoprofile verfügen, was sich v.a. in unterschiedlich hohen Aktienquoten äußert. Daher betrachten wir die Ergebnisse einmal im Gesamtvergleich und einmal in Verhältnis zum jeweiligen Kategoriedurchschnitt.

 2. Wertentwicklung und max. Verlust

Die Ergebnisse der einzelnen Fonds in den letzten 6 Monaten divergieren deutlich, doch ist ihnen allen gemein, dass keiner von ihnen im Sechsmonatsvergleich eine positive Performance erzielen konnte. Der Wunsch vieler Anleger nach einer absolut positiven Wertentwicklung, unabhängig vom herrschenden Marktumfeld, hat sich somit nicht erfüllt.

Auch in den Strategien, die wir in eine alternative Kategorie einordnen, wie den SLI Global absolute Return, konnten keine absolut positiven Erträge für Anleger erzielt werden. Der Fonds hat sich neben dem DWS Concept Kaldemorgen, ein Multi-Asset-Fonds mit Risikosteuerung, aber im Vergleich am besten behauptet.

Der DWS Concept Kaldemorgen hatte in den letzten sechs Monaten einen maximalen Verlust von lediglich 2,41% zu verzeichnen. Zur guten relativen Performance des Fonds trugen vor allem die moderate Aktienquote, die sich im Jahresverlauf zwischen 25% und 35% bewegte (Kategorie 33%) und die hohe Kassequote (>30%), die auch Fremdwährungen umfasst, maßgeblich bei. So ging der Fonds mit einer Aktienquote von 25% in die August-Korrektur. Auf der Rentenseite war der Fonds mit insgesamt knapp 20%-Anteil eher mäßig exponiert, wobei der Manager bei der Auswahl der Anleihen eher selektiv vorging und die Zinsänderungsrisiken insgesamt begrenzte.

Zu den weiteren Fonds, die sich in den letzten Monaten gut geschlagen haben, zählen zudem  die Fonds Nordea Stable Return, DNCA Invest Eurose, Carmignac Pf Capital Plus sowie Ethna-AKTIV A.

Am anderen Ende der Skala liegt der mit Abstand größte Mischfonds Carmignac Patrimoine, der einen maximalen Verlust von 11,18% zu verzeichnen hatte. Hier machte sich vor allem Anfang August die vergleichsweise hohe Aktienquote von 45% negativ bemerkbar (Kategorie: ca. 33%), die erst im Laufe des Monats stark auf bis zu 10% zum Monatsende abgesichert wurde. Alleine im August betrug der Verlust des Fonds 7,04%. Auch das im Vergleich zu den Mitbewerbern höhere Schwellenländerexposure schadete der Performance in den letzten sechs Monaten insgesamt, wobei einige Aktien aus China, Brasilien oder Indien (z.B. Baidu, ICICI) besonders negativ zu Buche schlugen. Zusätzlich hatten sich einige Portfoliopositionen im Rohstoffbereich (First Quantum, Barrick Gold, Goldcorp) seit Jahresanfang quasi halbiert. Die Rentenseite und die Währungsseite (USD- und JPY-Exposure schadete) trugen ebenfalls nicht positiv zur Performance bei. Seit Jahresanfang liegt die Wertentwicklung dieses Fonds nun insgesamt nahe null.

Zu den „Verliererfonds“ zählten außerdem Schroder ISF Global Multi Asset,  First Eagle Amundi International, Mediolanum BB Coupon sowie Allianz Income and Growth.

3. Performanceranking auf Monatsbasis, in absoluten Zahlen

Schaut man sich die Performancerankings der Fonds auf Monatsbasis an, ergibt sich ein ähnliches Bild. Während sich der Carmignac Patrimoine in fast allen Monaten in der unteren Hälfte des Performancerankings wiederfand, konnte der DWS Concept Kaldemorgen in fast allen Monaten, bis auf März 2015, im Performancevergleich überzeugen. Bei den anderen Fonds fällt das Bild gemischter aus. Während der Ethna-AKTIV A beispielsweise sehr stabile Ergebnisse in negativen Monaten liefern konnte, hinkte er der Konkurrenz in steigenden Märkten stets hinterher. Anders herum beim Allianz Income and Growth, der in den letzten Monaten vor allem in steigenden Märkten überzeugen konnte.

Für Anleger, die sich für einen der Flaggschifffonds entscheiden möchten, mag der Gesamtvergleich aller Fondsvarianten sicherlich hilfreich sein, doch ist er auch ein Stück weit unfair, da die Fonds über unterschiedliche Mindest- und Höchstaktienquoten und damit über unterschiedliche Risikoprofile verfügen. Aus diesem Grund  betrachten wir die Fonds im nächsten Schritt relativ zu ihren direkten Konkurrenten, indem wir zum Vergleich den Durchschnitt der jeweiligen Morningstar Kategorien heranziehen. Wir beschränken uns in unserer Tabelle darauf, zum Vergleich die Werte der EUR-Kategorien aufzuführen. Die Lage der Fonds in ihren jeweiligen Kategorien lässt sich aber alternativ an der Spalte „%-Rank in Cat.“ ablesen, die zeigt, auf welchem Perzentilrang sich die Sechsmonatsperformance des Fonds in seiner tatsächlichen Kategorie bewegt.

4. Performancevergleich mit der Kategorie

Der Performancevergleich der Fonds mit ihrer jeweiligen Kategorie bestätigt die vorherigen Ergebnisse erstaunlich oft: Fonds wie DNCA Invest Eurose, Nordea Stable Return, Carmignac Pf Capital Plus oder Ethna-AKTIV A überzeugen auch im Vergleich mit ihren jeweiligen Kategorien, während die Ergebnisse für die Fonds Carmignac Patrimoine, Schroder ISF Global Multi Asset oder First Eagle Amundi International im Kategorievergleich unterdurchschnittlich ausfallen.

Was aber wirklich überrascht, ist die Tatsache, dass der maximale Verlust bei den aktienlastigeren Kategorien nicht grundsätzlich höher ausgefallen ist. So gehörten mit dem Carmignac Patrimoine und dem Allianz Income and Growth zwei ausgewogene Mischfonds sowie mit dem Schroder ISF Global Multi Asset sogar ein defensiver Mischfonds zu den größten Verlierern in unserem Vergleich. Auf der anderen Seite wird das Feld der Fonds mit den niedrigsten Verlusten mit dem Nordea Stable Return im ausgewogenen Bereich angeführt. Auch der DWS Concept Kaldemorgen, der ebenfalls im Vergleich gut abgeschnitten hat, bewegt sich mit Aktienquoten von 30-40% eher im ausgewogenen Bereich.

Auch wenn die kurzfristigen Ergebnisse wie immer mit Vorsicht zu genießen sind, bestätigt dies wieder einmal unsere Meinung, dass sich das Risiko einer Anlage nicht alleine an ihrer Eingruppierung in eine bestimmte Risikokategorie bemisst. Unsere Analyse hat zudem gezeigt, dass auch Mischfonds bzw. Multi-Asset-Fonds nicht gegen fallende Märkte gefeit sind. Innerhalb dieser Gruppen waren die Performanceunterschiede zwischen den einzelnen Produkten aber beträchtlich. In den meisten Fällen haben sich die Erwartungen an die Ergebnisse der Fonds, stabilere Ergebnisse als ein reiner Aktienfonds zu erzielen, für Anleger aber erfüllt.

 

 

Über den Autor

Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar