Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Szenarien für Zinserhöhungen in den USA

Die US-Notenbank dürfte im Dezember die Leitzinsen zum ersten Mal seit einem Jahr anheben und damit endgültig einen neuen Zyklus am Markt ausrufen. Grund genug, auf vergleichbare Konstellationen in der Vergangenheit zu blicken. 

Eric Jacobson 22.11.2016

Macht die Fed dieses Mal ernst? Noch Ende 2015 galt es als ausgemachte Sache, dass 2016 vier Zinserhöhungen in den USA anstehen würden. Doch es kam bekanntlich ganz anders. Die zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten (Stichwort: Brexit) sowie Zweifel an der Robustheit des Aufschwungs in den USA bewirkten eine höchst vorsichtige Haltung. Die Leitzinsen verharren in einem Band zwischen 0,25 bis 0,5 Prozent. Doch im Dezember könnte die Fed erneut die Zügel anziehen. Mehr noch: Die angedeutete Linie der künftigen Trump-Administration, die fiskalpolititischen Zügel zu lockern und zugleich darauf hinzuarbeiten, dass die Fed die Geldpolitik strafft, macht Zinsanhebungen in den USA wahrscheinlicher. Was könnten die Folgen für die Anleihemärkte sein? 

Während die Richtung der Kurse kurzlaufender US-Staatsanleihen klar an der Zinspolitik der Fed hängen, ist das Bild für den breiten Bondmarkt längst nicht so klar. Die Entwicklung in der Vergangenheit zeigt unterschiedliche Reaktionen von Investoren. Blicken wir zurück, was die Folgen der vergangenen zwei Zinserhöhungszyklen waren. Fangen wir mit dem jüngsten Zyklus an, der zwischen März 2004 und Juni 2006 andauerte und einen Anstieg der Fed Funds Rate von vier Prozentpunkten sah. 

Die untere Grafik zeigt auf der X-Achse die Renditen der unterschiedlichen Treasury-Laufzeiten; auf der Y-Achse sind die Termine (und Schritte) der jeweiligen Zinsanhebungen notiert. Ein Blick nach rechts zeigt, dass Langläufer zwar Kursverluste hinnehmen mussten, sich die Volatilität aber --- verglichen mit dem Renditeanstieg am kurzen Ende --- in Grenzen hielt. Die Zinskurve flachte sich zwischen 2004 und 2006 merklich ab. Faktoriert man die Zinszahlungen ein, fielen die Verluste bei zehnjährigen Treasuries zwischen März 2004 und Juni 2006 mit 1,7 Prozent gemäßigt aus; 30-jährige Papiere legten in diesem Zeitraum sogar um 2,2 Prozent zu; der (seinerzeitige) Lehman Brothers Aggregate Bond Index legte sogar um 3,4 Prozent zu. 

Grafik: Die Folgen der Zinsanhebung 2004 bis 2006

 

Es muss dieses Mal aber nicht so kommen wie zwischen 2004 und 2006. Zinserhöhungszyklen verlaufen nicht immer nach demselben Muster; sie vollziehen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, in unterschiedlichem Maße und dauern unterschiedlich lang. Zudem werden Bond-Kurse, vor allem die länger laufender Titel, nicht nur von den Aktionen der Fed beeinflusst, sondern unter anderem auch von der Wahrnehmung der Anleger und ihrer Einschätzungen zum Verlauf und zum Tempo des Zinserhöhungszyklus. Hinzu kommen die Verfassung der Gesamtwirtschaft sowie die strukturelle Nachfrage nach Bonds als kursbeeinflussende Faktoren mit ins Spiel.

Kommen wir zur vorherigen geldpolitischen Straffungsperiode 1994. Seinerzeit hatte es die US Notenbank eilig; der Zyklus dauerte an zwischen September 1993 und Dezember 1994. Er wurde, gelinde gesagt, von großer Nervosität am Bond-Markt begleitet. Wie die untere Grafik zeigt, stiegen die Renditen am kurzen wie am langen Ende der Zinskurve nahezu im Gleichschritt. Die Verluste am langen Ende waren erheblich: 30-jährige Papiere verloren 1994 satte zwölf Prozent, zehnjährige Treasuries brachen um 7,9% ein, und der marktbreite Index verlor 2,9 Prozent. Hier wurden Anleger von der Fed gewissermaßen überrumpelt --- und reagierten entsprechend hektisch.

Grafik: Zinsanstieg 1994 brachte viel Volatilität für den US-Bond-Markt

 

Abschließend einige Anmerkungen zu den Folgen einer strafferen Notenbankpolitik:

  1. In manchen Fällen, so auch 1994, können Langläufer bei Zinserhöhungen stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Die US-Morningstar Fondskategorie USD Langläufer verlor im Jahr 1994 knapp sieben Prozent.
  2. Anders das Bild im jüngsten Zinserhöhungszylus; Zwischen März 2004 und Juni 2006 schnitt die Langläufer-Fondskategorie mit einem leichten Plus von 0,76 Prozent deutlich besser ab als 1994. Allerdings gehörte sie zu den schwächsten Performern im Vergleich zu fast alle anderen Wertpapierfondskategorien.
  3. Die Vergangenheit zeigt, dass Kurzläufer (-Fonds) die beste Wahl unter den Laufzeitbändern in einem Zinserhöhungszyklus darstellen.
  4. Vollzieht sich der Zinserhöhungszyklus in einem expansiven Konjunkturumfeld, dürften sich kreditsensitive Bond-Fonds, also Produkte, die in Unternehmensanleihen investieren, besser entwickeln als Fonds, die auf sichere Anleihen und längere Laufzeiten setzen. Das ist allerdings kein Naturgesetz. Sollten die Renditen in schnellem Tempo steigen, werden sich die Refinanzierungskosten von Unternehmen am Markt erhöhen, was möglicherweise negativ auf die finanzielle Stabilität von Unternehmen auswirkt.
  5. Steigende Refinanzierungskosten machen Fonds, die variabel-verzinsliche (tendenziell schlecht bewertete) Bankkredite bündeln, zu Stars, vor allem dann, wenn sie auf Kredite mit einem Floor setzen. Überschreiten die Zinsen am kurzen Ende eine bestimmte Schwelle, ziehen solche Fonds mit solchen Papieren eine Wild Card – zur Freude der Fondsinvestoren. 
Über den Autor

Eric Jacobson  Eric Jacobson is Morningstar's director of fixed-income research and an editorial director for mutual fund content.