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Indexfonds: Hat es sich für Anleger gelohnt?

Eine Auswertung des Rendite-Risiko-Profils von Indexfonds in einigen wichtigen Fondskategorien zeigt, dass eine Passivierung von Aktienstrategien sich nicht zwangsläufig für Anleger in Outperformance gegenüber aktiv verwalteten Fonds niederschlagen muss.

Ali Masarwah 20.02.2017

Indexfonds haben auch im vergangenen Jahr ihren Siegeszug in Europa fortgesetzt. Ohne Hinzurechnung von Geldmarktfonds stieg der Anteil von ETFs und nichtbörsennotierten Indexfonds am gesamten europäischen Fondsmarkt von 13,8 Prozent per Ende 2015 auf 15,1 Prozent ein Jahr später. Das europaweit in Indexfonds investierte Vermögen von 1,1 Billionen Euro verteilt sich etwa hälftig auf ETFs und nichtbörsennotierte Indexfonds.

Besonders markant ist die Entwicklung im Aktienbereich. Hier machen Indexfonds bereits rund 25 Prozent des Aktienfondsmarkts aus. Der Anstieg des Marktanteils geht auf die steigende Nachfrage zurück. 2016 investierten Anleger netto 27,7 Milliarden Euro in passiv verwaltete Aktienfonds. Aus aktiv verwalteten Aktienfonds wurden im vergangenen Jahr europaweit indes 90,4 Milliarden Euro netto abgezogen. Das war nichts weniger als ein Erdrutsch!

Der Trend ist also klar: Investoren schichten von aktiv verwalteten Anlagefonds in ETFs und nichtbörsennotierte Indexfonds um. Diese Feststellung wird immer mehr zur Binsenweisheit. Wenig diskutiert wird indes, ob sich diese Entwicklung auch aus Anlegersicht gelohnt hat. Wie stellt sich das Rendite-Risiko-Profil der passivierten Investments dar?

Morningstar Sterne-Rating als Maßstab des Aktiv-passiv-Tests

Um diese Frage zu beantworten, machen wir den Test und greifen dabei auf das Morningstar Sterne Rating zurück. Unser viel beachtetes Rating ist das Ergebnis einer quantitativen Analyse und hat das Ziel, die Vergangenheits-Performance vergleichbarer Fonds unter Berücksichtigung von Risiken zu bewerten. 

Eine Morningstar Sterne-Rating bekommt jeder Fonds, der einer homogenen Fondskategorie angehört und eine Historie von über drei Jahren aufweist. Die Ratings innerhalb einer Morningstar Fonds-Kategorie werden wie folgt verteilt: Die 10% der Fonds mit der besten risikoadjustierten Rendite bekommen fünf Sterne, die folgenden 22,5% erhalten vier, die mittleren 35% der Fonds drei, die nachfolgenden 22,5% zwei und die schlechtesten 10% der Fonds einer Morningstar-Kategorie werden mit einem Stern bewertet. 

Die Untersuchung am Sterne-Ratings auszurichten, hat für Anleger den großen Vorteil, dass sie auf einen Blick feststellen können, wie ETFs in der Vergangenheit relativ zu vergleichbaren (aktiven) Fonds abgeschnitten haben. Die meisten Morningstar Kategorien werden zahlenmäßig von aktiv verwalteten Fonds dominiert. Besitzt nun ein ETF ein Fünf- oder Vier-Sterne-Rating, dann hat er innerhalb seiner Kategorie -- und damit vorwiegend gegenüber aktiv verwalteten Fonds -- überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Ein Drei-Sterne-Rating impliziert, dass der ETF nicht aus der Masse der aktiven Fonds herausragt. Ein ETF mit einem Ein- oder Zwei-Sterne-Rating gehört zum schlechtesten Drittel der Vergleichsfonds. Solche ETFs werden von den meisten aktiv verwalteten Fonds der Kategorie abgehängt. 

Von Europa über Amerika zu Schwellenländern: Fünf Kategorien im Check 

Die Probe bei fünf großen europäischen Aktienfondskategorien zeigt ein gemischtes Bild. Wir haben uns das Rendite-Risiko-Profil von fünf Standardwertekategorien näher angeschaut, die in deutschen Privatanlegerdepots typischerweise stark vertreten sein dürften. Europäische Standardwertefonds, die sich überwiegend am MSCI Europe Index messen; deutsche Standardwertefonds, die sich am DAX 30 messen müssen; globale Standardwertefonds mit dem MSCI World als Kategorie-Benchmark, Schwellenländer-Standardwertefonds, die den Index MSCI Emerging Markets im Visier haben sowie USA-Standardwerte-Blend-Fonds, die gegen den S&P 500 antreten müssen. 

Kommen wir zunächst zur Frage nach dem Marktanteil der passiven Fonds in den jeweiligen Kategorien. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, war der Indexierungsgrad in der Kategorie „Aktien USA Standardwerte Blend“ per Ende 2016 am höchsten: 62 Prozent der bewerteten Fonds-Assets steckten in Indexfonds. Das ist deutlich mehr als noch drei Jahre zuvor: Per Ende 2013 lag die Indexierungsquote noch bei 48 Prozent. Anleger haben hier also am kräftigsten von aktiven zu passiven Fonds umgeschichtet. 

Auch in der Kategorie „Aktien Deutschland Standardwerte“ steckt jeder dritte Euro in Indexfonds. Das ist allerdings deutlich unter dem Niveau von vor gut drei Jahren. Per Ende 2013 belief sich die Indexierungs-Quote in der Kategorie sogar auf 43 Prozent. Hohe Abflüsse aus DAX-ETFs haben aktiven Fonds zu einem größeren Marktanteil verholfen. 

Deutlich angestiegen ist die Quote an Indexfonds an gerateten Assets indes in den drei verbliebenden Kategorien „Aktien Europa Standardwerte Blend“, „Aktien weltweit Standardwerte Blend“ und „Aktien Schwellenländer weltweit Standardwerte“. 

Tabelle: Entwicklung der Indexierungsquote seit 2013

 

Doch nun zur Frage, ob sich die Indexierung von Fondsgeldern sich für Anleger gelohnt hat. Messlatte hierfür ist die Quote an Assets in Vier- und Fünf-Sterne Indexfonds. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, sind die Ergebnisse durchwachsen. Recht klar ist die Antwort mit Blick auf globale und USA-Aktienfonds. Hier steckten per Ende vergangenen Jahres 99 Prozent bzw. 95 Prozent der bewerteten Assets in Vier- und Fünf-Sterne-Indexfonds. Wer also einen Indexfonds mit Morningstar Rating in diesen beiden Kategorien hält, kann sich fast sicher sein, einen überdurchschnittlichen Fonds zu halten. Diese Quote ist übrigens seit 2013 stabil geblieben. Aktive Manager hatten und haben in diesen beiden Kategorien also einen sehr schweren Stand. 

Doch das Bild sieht mit Blick auf Aktien Europa, Schwellenländer und Deutschland Standardwerte anders aus: Bei Aktien Europa und Aktien Deutschland steckten Ende des vergangenen Jahres gerade einmal gut 50 Prozent der bewerteten Assets in Vier- oder Fünf-Sterne-Fonds.

Zwar sind Indexfonds  mit einem Ein- oder Zwei-Sterne-Rating in beiden Kategorien eine Rarität. Indes finden sich etliche Tracker auf den MSCI Europe im durchschnittlichen Drei-Sterne-Bereich. Ähnlich sieht es bei Deutschland-Indexfonds aus: Hier stecken 50 Prozent der Assets in Drei- und 50 Prozent in Vier-Sterne-Fonds. Das ist zwar keine schlechte Bilanz, aber eine Indexierung der Assets brachte in dieser Kategorie nicht zwangsläufig ein überlegenes Rendite-Risiko-Profil als bei aktiv verwalteten Produkten. Allerdings hat sich die Qualität der DAX-Tracker in den vergangenen drei Jahren im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds verschlechtert. Per Ende 2013 befanden sich noch 77 Prozent der indexierten Assets im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich. 

Verschlechtert hat sich auch das Rendite-Risiko-Profil von Emerging Markets Indexfonds. Waren Ende 2013 noch 53 Prozent der Assets in guten und sehr guten Indexfonds, sank die Quote per Ende 2016 um neun Punkte auf 44 Prozent. Das Gros der Emerging Markets Fonds-Assets mit Morningstar Ratings sitzt in Drei-Stern-Produkten. Vor allem Indexfonds auf den MSCI Emerging Markets Index kommen überwiegend auf Drei-Sterne-Ratings und sind damit nicht besser als der Durchschnitt der aktiv verwalteten Produkte der Kategorie. Doch immerhin: Nur ein Bruchteil der Assets stecken in schwachen Fonds: Vor allem Tracker auf Emerging Markets Nachhaltigkeits-Indizes und auf fundamental gewichtete Rafi-Indizes weisen ein Zwei-Sterne-Morningstar Sterne-Rating auf. 

Tabelle: Rendite-Risiko-Profil der Index-Tracker in der Übersicht

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.