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Mischfonds-Malaise hat viele Namen

Analyse zeigt, dass europäische Mischfonds auch unter der Übergewichtung europäischer Assets gelitten haben. Hohe Kosten belasten die ohnehin schwache Mischfonds-Performance zusätzlich.  

Ali Masarwah 03.04.2017

Mischfonds sind schon lange das Gebot der Stunde in der europäischen Investmentwelt. Neben Rentenfonds ziehen Mischfonds die höchsten Mittelzuflüsse an. Europaweit verbuchten Rentenfonds in den vergangenen zwölf Monaten knapp 150 Milliarden Euro an Nettomittelzuflüssen; Mischfonds zogen gut 54 Milliarden Euro an. Sie sind also eine wichtige Stütze im Neugeschäft der Fondsbranche. Und auch für Investoren erfüllen Mischfonds eine wichtige Funktion. Bedenkt man, dass Aktienfonds in den zwölf Monaten bis Ende Februar knapp 48 Milliarden Euro an Nettoabflüssen hinnehmen mussten, dann liefern Mischfonds derzeit den einzig nennenswerten Zugang von (Neu-)Investoren zum Aktienmarkt. 

Das bringt uns zur entscheidenden Frage: Lohnt es sich für Anleger? Welche Renditen haben sie erzielt? Bedenkt man, dass die Kosten von in Europa domizilierten Mischfonds im gewichteten Durchschnitt 2016 bei 1,47 Prozent lagen, dann dürften Anleger zuletzt 23 Milliarden Euro an Gebühren bezahlt haben. Das ist kein Pappenstiel und schreit nach einer Zwischenbilanz. 

Euro-Mischfonds: Ein verlorenes Jahrzehnt 

Wir haben uns deshalb die Langzeit-Performance der für Euro-Investoren relevanten Mischfonds-Kategorien vorgenommen. Es gibt vier große Gruppen, die sich mit Blick auf ihre Aktienquoten unterscheiden: defensive Mischfonds haben eine Aktienquote von unter 35 prozent, bei ausgewogenen liegt sie zwischen 35 und 65 Prozent, flexible Mischfonds können ihre Aktienquote zwischen 0 und 100 Prozent variieren, und aggressiv anlegende Mischfonds haben einen Aktienquote von mehr als 65 Prozent. Diese vier Gruppen haben jeweils eine Euro-zentrierte und eine globale Variante, was insgesamt acht Morningstar EUR-Mischfondskategorien ergibt.

Die Performance fiel in den vergangenen zehn Jahren alles andere als überzeugend aus, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht. Relativ zu den jeweiligen Indizes war der Median der Mischfonds überall schwach. Am deutlichsten blieben global anlegende flexible Mischfonds mit 4,36 Prozentpunkten pro Jahr hinter ihren Indizes zurück, gefolgt von global anlegenden aggressiven Mischfonds (3,85 Punkte pro Jahr), ausgewogenen global anlegenden Mischfonds (3,31 Punkte) und defensive global anlegende Mischfonds (3,15 Punkte).

Auch der Median der Mischfonds, die in europäische Aktien und Renten investieren, lag hinter dem jeweiligen Index. Erhebt man den Median der Fonds zum Maßstab, dann haben Anleger zwischen 2007 und 2016 keine gute Erfahrung mit ihren Mischfonds gemacht. 

Die Zehnjahres-Performance-Bilanz: Schwach, schwächer, Mischfonds 

Geht es um die Ursachenforschung, dann bieten sich einige Erklärungsansätze für die schwache Performance an. Zwei davon betreffen die stark unterdurchschnittliche Performance von global anlegenden Produkten. Zum einen sind die Gebühren dort besonders hoch – und zwar deutlich über den oben erwähnten 1,47 Prozent pro Jahr, die bei allen Mischfonds in Europa im Schnitt anfallen. Mit 1,97 Prozent bzw. 1,95 Prozent sind insbesondere die Kosten der aggressiv bzw. flexibel investierenden global anlegenden EUR-Mischfonds (Privatanleger-Tranchen) sehr hoch. Das drückt naturgemäß stark auf die Performance. 

Zweitens: Global anlegende Mischfonds haben europäische Aktien deutlich gegenüber US-Dividendentiteln übergewichtet – ungeachtet ihres globalen Schwerpunkts. Vergegenwärtigt man sich, dass europäische Aktien in den global anlegenden Mischfonds etwa doppelt so hoch gewichtet sind wie in den jeweiligen Aktien-Renten-Vergleichsindizes, dann ist die systematische stärkere Underperformance von global anlegenden Kategorien in den vergangenen zehn Jahren eingedenk der Outperformance amerikanischer Aktien gegenüber den europäischen Pendants nachvollziehbar.

Kürzere Duration schadete der Performance 

Bereinigt man die Performance-Lücken zwischen Indizes und Fonds-Median um die Kosten, dann zeigt sich, dass die Residualgröße deutlich kleiner ist bei europäisch investierenden Mischfonds als bei den global anlegenden Produkten. Bei aggressiv anlegenden Mischfonds ist die Lücke mit 0,24 Punkten pro Jahr bei europäisch anlegenden Produkten besonders klein, gefolgt von 0,6 Punkten bei ausgewogenen europäisch anlegenden Mischfonds. 

Doch es gibt noch weitere Gründe für die Underperformance von Mischfonds, unabhängig von der Frage, ob sie global oder europäisch anlegen: Die im Vergleich zu den Benchmarks kürzere Duration auf der Bond-Seite hat der Performance mit wenigen Ausnahmen seit 2007 geschadet, einer Phase, die von einer nahezu kontinuierlich starken Performance länger laufender Bonds geprägt war. Ungeachtet der alles andere als zweideutige Verhalten der Notenbanken haben Fondsmanager dem Braten nicht getraut und das Durations-Risiko in ihren Portfolios verkürzt.

Zum anderen fällt die Bilanz flexibel investierender Mischfonds (globale wie europäische) besonders schwach aus. Hier dürften die taktischen Fonds, die vor allem in diesen Mischfonds-Kategorien beheimatet sind, die Performance-Bilanz nach unten gezogen haben. 

Nimmt man die Sharpe Ratio zum Maßstab, dann waren Anleger zumeist in den defensiveren Produkten besser aufgehoben. Die untere Tabelle zeigt, dass mit abnehmendem Risiko die Sharpe Ratios besser wurden – egal, für welchen Zeitraum man sich entscheidet. Unrühmliche Ausnahme bildet die Gruppe der flexiblen Mischfonds: sie weisen auch im Vergleich zu aktienlastigen Fonds systematisch schwächere risikobereinigte Werte auf. 

Tabelle: Sharpe Ratios von Fonds und Indizes in der Übersicht Man muss die guten Nachrichten bei Mischfonds schon mit der Lupe suchen. So konnten ausgewogene und aggressive europäisch anlegende Mischfonds immerhin in der Zehnjahres-Bilanz die Verluste gegenüber einer Aktienbenchmark besser begrenzen als die jeweiligen Vergleichsindizes, und in vereinzelten Jahren (2007 und 2008) war die Median-Performance von einzelnen Kategorien besser als die des Vergleichsindex, was angesichts der Dramatik der Finanzkrise allerdings nicht allzu positiv überraschen sollte. Zudem gelang keiner Kategorie im schwachen Aktienjahr 2011 eine Outperformance, sodass man nicht zwangsläufig darauf schließen muss, dass in einer Aktien-Baisse aktiv verwaltete Mischfonds die Verluste besser begrenzen werden als ihre statischen Vergleichsindizes. 

Blickt man in die Vergangenheit, dann haben aktiv verwaltete Mischfonds in Summe keine überzeugende Leistung erbracht. Wenn Vermögensverwalter nunmehr tatsächlich oder vermeintlich erhöhte Risiken am Bond-Markt als Argument pro aktiv verwaltete Mischfonds anbringen, dann erwarten sie nach einem verlorenen Performance-Jahrzehnt erneut Vorschusslorbeeren von Investoren. Gut möglich, dass manche Anleger derartige Kassandra-Rufe bzw. Sirenengesänge ignorieren und stattdessen ihr gemischtes Portfolio lieber mit ETFs bestücken. Zumal es genug Kurzläufer-Renten-ETFs gibt, um die Durationsrisiken von Bond-Portfolios auch mit passiven Investments zu senken, sodass auf den zweiten Blick nicht einmal das Bond-Risiko Anleger davon abhalten muss, ihre Portfolios zu passivieren (lesen Sie hier mehr zur Bilanz von Kurzläufer-Rentenfonds bzw. -ETFs).

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.