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Was Sie über deutsche Aktienfonds immer wissen wollten

In dieser Artikelserie wollen wir einen Einblick in das Anlageuniversum ‚Deutsche Aktien‘ bieten. Wir untersuchen, wie sich aktiv verwaltete Fonds gegenüber ihren Indizes geschlagen haben und ob es bestimmte Faktoren gibt, die erfolgreiche Fonds gemeinsam haben. Im ersten Teil definieren wir das Anlageuniversum und die verschiedenen Indizes.

Barbara Claus 11.09.2017

Es gibt viele gute Gründe, in den deutschen Aktienmarkt zu investieren. Die deutsche Wirtschaft boomt, einmal Dank des sehr starken deutschen Exportsektors -- die deutschen Unternehmen sind die sprichwörtlichen Exportweltmeister-, zum anderen aufgrund des anziehenden inländischen Konsums, der auch heimischen Unternehmen zugutekommt. Ein nicht so guter Grund ist, dass Anleger das kaufen, was sie kennen. Sie pflegen den so genannten Home Bias und gewichten Aktien aus Deutschland typischerweise hoch. Es gibt also viele Gründe, auf deutsche Aktien zu schauen.

Der deutsche Aktienmarkt weist einige Besonderheiten auf, die Anleger kennen sollten. Während der Gesamtmarkt vom CDAX-Index repräsentiert wird, der sämtliche deutsche Aktien, die im General and Prime Standard an der deutschen Börse notiert sind, umfasst, lässt sich dieses Universum weiter herunterbrechen.

Der HDAX fasst die 110 Aktien der Indizes DAX, MDAX und TecDAX zusammen. Aktien mit geringer Marktkapitalisierung, von denen die 50 größten unterhalb des MDAX im SDAX zusammengefasst werden, bleiben außen vor.

Für die meisten Anleger ist der DAX das A und O

Der bekannteste Index ist sicherlich der DAX Index, der entweder als DAX oder DAX30 bezeichnet wird und die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen enthält, die im Prime-Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sind. Die Unternehmen müssen zudem ihren Sitz in Deutschland haben oder den Schwerpunkt ihres Handelsumsatzes an Aktien in Frankfurt und einen Sitz in der EU haben. Der Index zeichnet sich durch eine sehr hohe Konzentration in den Top-10 Aktien aus, aktuell liegt diese bei ca. 64%. Aktien wie Siemens, Bayer, Allianz oder SAP sind derzeit mit ca. 9% gewichtet, was zum einen bedeutet, dass diese vier Titel die Indexentwicklung maßgeblich beeinflussen und zum anderen deutliche Übergewichte in aktiv verwalteten Fonds aufgrund der 5/10/40 UCITS Regularien nicht möglich sind.

Die nächsten 50 Aktien, die nach Marktkapitalisierung, Streubesitz und Börsenumsatz auf die Werte des DAX folgen, werden im MDAX zusammengefasst. Die Unternehmen müssen, im Gegensatz zum DAX, nur überwiegend in Deutschland tätig sein. Dies führt dazu, dass die Aktien von Airbus, die mit 55 Mrd. Marktkapitalisierung eigentlich mit den größeren DAX-Titeln BMW oder Daimler vergleichbar sind, mit einem Anteil von knapp über 10% die größte Position im MDAX darstellen.

Die nächsten 50 Aktien, die auf den MDAX hinsichtlich Marktkapitalisierung und Umsatz folgen, werden im SDAX zusammengefasst.

Eine Ausnahme bilden Technologieaktien, von denen die 30 größten, mit Ausnahme der DAX-Titel SAP und Infineon, im TecDAX Index zusammengefasst werden.

Überblick über die einzelnen Teilsegmente des deutschen Aktienmarktes

 

Neben den gängigen Benchmark Indizes der DAX-Familie existieren darüber hinaus auch Indizes von MSCI, hier beispielsweise angeführt der Large-Cap-lastige Index MSCI Germany sowie der nebenwerteorientierte MSCI Germany Small Cap. Der MSCI Germany ist mit 58 Titeln etwas breiter aufgestellt und deckt einen Großteil (ca. 85%) des Anlageuniversums aller deutschen Aktien ab. Der MSCI German Small Cap ist mit ca. 118 Titeln aus dem Mid-und Small-Cap-Bereich deutlich breiter gestreut als die Pendants MDAX und SDAX.

Marktkapitalisierung der einzelnen Indizes für Deutsche Aktien

Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Marktkapitalisierung der DAX-Indizes wurden aus praktischen Gründen die entsprechenden ETFs herangezogen. Dabei fällt ins Auge, dass die Marktkapitalisierung der einzelnen Indexbestandteile oftmals nicht genau dem entspricht, was der Indexname erwarten ließe. So bewegt sich die durchschnittliche Marktkapitalisierung im MDAX bereits an der Grenze zum Large-Cap-Bereich, der MSCI Germany Small Cap Index bewegt sich insgesamt im Mid-Cap-Bereich der Morningstar Style-Box.

Bei Morningstar nehmen wir die Einteilung der einzelnen Marktsegmente regional unterschiedlich vor und passen sie regelmäßig an die aktuellen Marktbedingungen an. So verschieben sich in einem steigenden Markt die Marktkapitalisierungsgrenzen insgesamt nach oben. Die Definition können Sie hier einsehen.

Was den Investmentstil angeht: In der Style Box ist deutlich zu erkennen, dass die Indizes für deutsche Large Caps, DAX und MSCI Germany Large-Cap sich eher im ‚Blend‘-Bereich der Morningstar Style Box befinden, mit abnehmender Marktkapitalisierung steigt allerding die Neigung der Indizes zum ‚Growth‘-Bereich. Dies steht im Einklang damit, dass kleinere Unternehmen generell ein höheres Wachstumspotential aufweisen. Eine Ausnahme bildet der TecDAX, ein Index der auf die typische Wachstumsbranche ‚Technologie‘ fokussiert ist. Dies hat zur Folge, dass er durch seinen Fokus auf eine typische Wachstumsbranche am weitesten im ‚Growth‘-Bereich der Morningstar-Style Box liegt, obwohl die durchschnittliche Marktkapitalisierung des TecDAX höher als die des SDAX und des MSCI Germany Small Cap ist.

Deutsche Aktien: Die Sektoraufteilung

Kommen wir nun auf die Struktur des Marktes nach Sektoren. Die folgende Grafik hebt den Unterschied hervor zwischen dem DAX und dem globalen Aktienindex MSCI World – und zeigt darüber hinaus, wie Fonds für deutsche Standardwerte positioniert sind.

Graphik: DAX, MSCI World und Fonds für deutsche Standardwerte im Vergleich

Das Universum für deutsche Standardwerte (repräsentiert durch den DAX-Index) ist insgesamt, im Vergleich mit den globalen Aktienmärkten (repräsentiert durch den MSCI World) recht zyklisch aufgestellt. Fast die Hälfte des DAX konzentriert sich dabei auf die drei Sektoren Grundstoffe, zyklische Konsumgüter und Finanzen. Dies umfasst Aktien wie z.B. BASF, Linde (Grundstoffe), Adidas, Daimler (zyklischer Konsum) oder Allianz, Münchner Rück und Deutsche Bank (Finanzen).

Defensive Sektoren sind, mit Ausnahme des Gesundheitssektors (z.B. Bayer, Fresenius), hingegen kaum vertreten. Diese zyklischere Aufstellung des Index äußert sich auch in einer überdurchschnittlichen Schwankungsanfälligkeit und höheren Verlusten in fallenden Märkten im Vergleich zu den meisten anderen entwickelten Aktienmärkten.

Tabelle: Performance DAX vs. MSCI World

 

Tabelle: Die Sektorallokation bei den großen deutschen Aktienindizes

Die anderen Indizes für deutsche Aktien weisen zwar ebenfalls eine relativ geringe Allokation in defensiven Aktien auf, doch unterscheiden sie sich bei der Zusammensetzung auf Sektorebene deutlich vom Leitindex DAX.

So weist der MDAX ein um ein zweifaches höheres Gewicht im Grundstoffsektor auf (z.B. Symrise, Covestro, Brenntag), sowie deutlich höhere Anteile des Immobilien- und Industriesektors (Deutsche Wohnen, LEG Immobilien bzw. Airbus, GEA, MTU), wobei letzterer mit einer Gewichtung von 29,3% fast ein Drittel des Index ausmacht. Im SDAX dominiert der Industriesektor ebenfalls deutlich und macht zusammen mit dem Immobiliensektor ungefähr die Hälfte der Titel im Index aus. Der Tec-DAX ist, wie zu erwarten, sehr technologielastig aufgestellt, das übergeordnete Technologiethema beinhaltet jedoch auch Unternehmen aus den Bereichen Kommunikation (United Internet, Telefónica Deutschland) und Gesundheit (Qiagen, Sartorius).

Bevor wir uns die Fonds innerhalb des Anlageuniversums näher anschauen und nach typischen Merkmalen erfolgreicher Fonds suchen –wollte ich noch kurz auf ein Paradoxon des deutschen Aktienmarktes eingehen:

Hier gab es in den letzten Jahren die bemerkenswerte Entwicklung, dass Nebenwerte deutlich weniger volatil waren als Standardwerte, repräsentiert durch den DAX und den MSCI Germany. Sowohl die Volatilität als auch die Verluste während des einzigen negativen Jahres im Betrachtungszeitraum, 2011, fielen deutlich geringer aus als bei Standardwerten. In der Vergangenheit war dies jedoch, wie z.B. 2008, nicht der Fall. Anleger sollten daher keine voreiligen Schlüsse aus der Historie ziehen.

Grundsätzlich gibt es gute Argumente, wieso größere Unternehmen langfristig stabiler sein sollten als Nebenwerte: Generell gehören dazu der bessere Zugang zu Kapital, eine oftmals breitere Aufstellung was z.B. die Produktpalette, Produktionsstandorte oder Absatzmärkte angeht und eine höhere Liquidität der Titel im Handel. Wir halten die geringere Volatilität deutscher Nebenwerte in den letzten Jahren daher eher für eine Anomalie als für einen neuen Dauerzustand, wobei die Gründe für die höhere Volatilität der Standardwerte in den letzten Jahren aktienspezifisch, z.B. bei VW oder der Deutschen Bank, oder in der Tatsache begründet sein könnten, dass die Mehrzahl der Anleger, vor allem mit kurzfristigem Zeithorizont, über Standardwerte in den deutschen Aktienmarkt investiert sind, z.B. über einen DAX-ETF. Kurzfristige (taktische) Umschichtungen könnten mit ein Grund für die höhere Volatilität bei Standardwerten sein.

Nebenwerte sollten daher nicht über eine Beimischung im Portfolio hinausgehen. Generell sollten Anleger in ihren Portfolios auf Diversifikation hinsichtlich einzelner Titel, Branchen, Marktkapitalisierung sowie Regionen achten. Somit eignet sich auch der Leitindex Dax nicht als alleiniges Kerninvestment.

Schwankungsanfälligkeit und Höhe der Jahresverluste in Baissephasen

 Im zweiten Teil unserer Serie zu deutschen Aktien blicke wir auf die Ebene der Fondskategorie. Im Fokus: Standardwerte für deutsche Aktien. Lesen Sie hier weiter.

Über den Autor Barbara Claus

Barbara Claus  ist Fondsanalystin bei Morningstar