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Morningstar Nachhaltigkeits-Atlas veröffentlicht

Die aktuelle Fassung des Morningstar Nachhaltigkeits-Atlas ist da. Das Barometer zeigt auf Index-Ebene, welche Länder die nachhaltigsten Unternehmen haben. Neben der Gesamtübersicht liefert unsere „ESG-Heatmap“ auch Erkenntnisse über die ESG-Bilanz im Einzelnen.

Dan Lefkovitz 27.10.2017

Anleger, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, verfügen typischerweise nur über eine begrenzte Übersicht zu dem Thema. Sofern sie den Zugang zu Nachhaltigkeits-Research haben, können sie prüfen, welche Unternehmen eine gute Nachhaltigkeits-Bilanz aufweisen. Mit unseren Morningstar Sustainability Ratings, die wir vor einem Jahr lanciert haben, können Anleger auch die Nachhaltigkeits-Bilanz auf Fondsebene überprüfen.  

Doch wie sieht das große Ganze aus? In welchen Ländern finden sich die meisten Unternehmen mit einer guten Nachhaltigkeits-Bilanz? Gibt es Auffälligkeiten mit Blick auf Kontroversen und Skandale? Antworten auf diese Fragen verraten viel über das Umfeld, in dem Unternehmen agieren. Leider werden diese Fragen in der Praxis selten hinreichend beantwortet. 

Morningstar Sustainability Atlas für die Top-down-Perspektive 

Wir haben deshalb die Nachhaltigkeits-Bilanz von 46 Morningstar Länder-Indizes per Ende August 2017 analysiert. Im Herbst 2016 hatten wir die erste Fassung unseres „Morningstar Sustainability Atlas“ veröffentlicht und dabei 35 Indizes untersucht.  

Bei unserer Länderübersicht kommt das identische Verfahren zum Einsatz, mit dem wir auch Investmentfonds auf ihre ESG-Bilanz prüfen -- das Akronym steht für „Environmental“ (Umweltbilanz), „Social“ (soziale Faktoren) und „Governance“ (Grundsätze der guten Unternehmensführung).  

Da es hier nicht um die relative Bewertung von Fonds in ihrer jeweiligen Kategorie geht, sondern um Länder-Cluster geht, werden in unserem Nachhaltigkeits-Atlas keine Bewertungen entlang der fünfstufigen Rating-Skala vergeben. Um die Nachhaltigkeit von Regionen bzw. den an ihren Börsen gelisteten Unternehmen zu vergleichen, messen wir im ersten Schritt die Portfolio Sustainability Scores auf Index-Ebene. Zur Erinnerung: Der Morningstar Sustainability Score setzt sich aus dem ESG-Score, also der ESG-Bilanz, abzüglich des Controversy Score, des Abschlags, der aufgrund von Skandalen und Kontroversen vorgenommen wurde, zusammen. 

Kommen wir nun zu den Ergebnissen unserer Untersuchung. Sie ist nach Nachhaltigkeits-Scores sortiert und der Übersicht halber in Quintilen zusammengefasst, die entsprechend farblich gekennzeichnet sind. Länderindizes im nachhaltigsten Quintil sind dunkelgrün markiert, gefolgt von einem hellgrünen Cluster. Das mittlere Quintil ist gelb koloriert, gefolgt von den orange- und rotmarkierten Quintilen, die die Schlusslichter bilden.  

Eine große Dichte an nachhaltigen Indizes findet sich in Europa. Darauf deutet der grüne Grundton unserer ESG-Heatmap an, der das nachhaltigste Länder-Cluster markiert. Wie auch bereits im vorherigen Nachhaltigkeits-Atlas schneidet Portugal mit einem Score von 64,4 Punkten (von 100 maximal möglichen) am besten ab. Es handelt sich um einen sehr eng gefassten Index, der vom Versorger EDP und dem Energiekonzern Galp Energia dominiert wird. 

Grafik: Der Morningstar Sustainability Atlas im Überblick

Der Dänemark-Länderindex weist die zweitbeste Bilanz unseres Atlas auf. Hier dominiert der Pharmakonzern Novo Nordisk. Finnland, die Niederlande und Norwegen schneiden in der Gesamt-ESG-Bilanz ebenfalls sehr gut ab. Deutschland, Österreich und die Schweiz kommen ebenfalls auf sehr gute Werte. Außerhalb Europas fällt die Bilanz des australischen Index am besten aus. Hier schlägt sich die gute Bilanz der beiden Großbanken Westpac und NAB nieder. 

Die USA landen im zweitschlechtesten Quintil, nicht nur wegen schwacher Nachhaltigkeitswerte, sondern auch wegen schwacher Werte beim Controversy Score. 

Unter den Schwellenländern schiebt sich Taiwan nach vorne

Unter den asiatischen Ländern ist die verbesserte ESG-Bilanz von Taiwan am auffälligsten. Dank der verbesserten Werte von Taiwan Semiconductor schiebt sich das südostasiatische Land in das zweitbeste ESG-Quintil. Unter den Emerging Markets scheiden Südafrika, die Türkei und der kolumbianische Markt gut ab.   

Wenig überraschend fällt die Nachhaltigkeitsbilanz des russischen Aktienmarkts am schlechtesten ab. Auch die Morningstar Indizes für China und Katar zählen zu den schwächsten. 

ESG-Bilanz um die Skandale bereinigt 

Rücken wir nun von der Ebene der Sustainability Scores zu den ESG Scores, welche die noch nicht um Kontroversen bereinigte ESG-Bilanz zeigt. Auch mit Blick auf die ESG-Scores ist Europa spitze, allerdings zeigt die unbereinigte ESG-Bilanz einige Veränderungen gegenüber der Meta-Ebene. Großbritannien rückt deutlich nach vorn, so auch die USA, die sich nunmehr im Mittelfeld befinden.  

Grafik: Die ESG Scores von 46 Morningstar Indizes

 

Kommen wir nun zu den Kontroversen, welche die ESG-Bilanz der Länderindizes belasten. Am stärksten von Skandalen und Kontroversen belastet sind die Indizes für Korea und die Schweiz. Das liegt am schwachen Abschneiden von Samsung. Bei der Schweiz ist die Belastung durch Kontroversen um Nestle, Novartis, Roche und UBS gegenüber der vorherigen Untersuchung gestiegen. 

Das schwache Abschneiden der USA geht u.a. auf Probleme bei Apple, Johnson&Johnson und Wells Fargo zurück. Großbritanniens Bilanz wird wiederum von HSBC, Shell und GlaxxoSmithKline belastet.  

Weitere Märkte, die negativ auffallen, sind Russland, Italien, Deutschland und Brasilien.  

Grafik: Skandal-Bilanz nach Morningstar Indizes 

 

Im zweiten Teil des Artikels gehen wir auf die ESG-Bilanz der Indizes im Einzelnen ein. Lesen Sie hier weiter. 

Über den Autor

Dan Lefkovitz  Dan Lefkovitz is Content Strategist, Indexes Product Management.