ETFs für US-Technologiewerte: Konzentrierte Wette auf teure Highflyer

Wir haben den NASDAQ 100 als suboptimale Wahl für Anleger bezeichnet, die ein Exposure zu US-Technologiewerten benötigen. Hier folgt die Auswahl an ETFs, die genau das liefern: US-Tech-Aktien pur.

Ali Masarwah 20.04.2018

Auch wenn die prominenten US-Technologie-Aktien wie Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google – man spricht auch von den „FAANG“-Aktien – in diesem Jahr korrigiert haben, gelten sie unverändert als zukunftsträchtige Investments. Die Tatsache, dass diese Unternehmen nicht nur heute Erfolg heute haben, sondern auch die Träger der Entwicklung von Zukunftstechnologien (Stichwort: KI) sind, spricht dafür, dass "FAANG" die Phantasie der Anleger auch künftig wecken werden. Wir haben begründet, warum der NASDAQ 100 Index indes nicht die beste Wahl ist, wenn man auf die FAANG-Story setzen will

Weil wir aber nicht nur herumkritteln, sondern Anlegern Lösungen aufzeigen wollen, haben wir die ETFs ermittelt, die genau das liefern: Eine konzentrierte Auswahl von Technologieaktien, die in den USA gelistet sind. Vorweggesagt: Der Technologiesektor bietet Chancen, wie die Performance der vergangenen Jahre gezeigt hat. Er weist jedoch sehr hohe Konzentrationsrisiken auf, sodass ein derartiges Investment nur erfahrenen Anlegern zu empfehlen ist. Zumal die Aktien aus diesem Sektor inzwischen sehr ambitioniert bewertet sind. 

Alle lieben Netflix: teuer, aber sexy

Vermutlich steht in diesen Tagen Netflix wie kein anderes Unternehmen für die Phantasie, die Technologiewerte bei Anlegern entfachen. Der Online-Videodienst („House of Cards“) legte am Montag dieser Woche beeindruckende Quartalszahlen vor: Nutzerzahlen, Umsatz und Gewinn stiegen stärker, als das Analysten erwartet hatten. Per Ende März hatte Netflix 125 Millionen Nutzer, und die Wachstumsziele bleiben hochgesteckt, wofür das kalifornische Haus allein in diesem Jahr bis zu acht Milliarden Dollar in weitere Content-Formate stecken. Allein eine Milliarden Dollar soll in europäische Produktionen gesteckt werden. Anleger haben diese Nachricht gefeiert und werden dies vermutlich auch noch im kommenden Quartal tun – Netflix wird die hohen Content-Kosten in die zweite Jahreshälfte verschieben. Der Kurs der Aktie schoss in dieser Woche erneut in die Höhe. Inzwischen hat Netflix ein Gewicht von knapp zwei Prozent am NASDAQ 100 Index nach nur 1,1 Prozent per Ende Dezember. 

Doch kommen wir nun zu den ETFs für US-Tech-Werte, die Sie unten in der Tabelle en Detail abgebildet finden. Die sechs ETFs folgen drei Indizes von MSCI, S&P und der NASDAQ.

Tabelle: ETFs für US-Technologie-Aktien

 

Kommen wir zunächst zum MSCI USA Information Technology Index. Er folgt mit Blick auf die Branchenmethodologie den Global Industry Classification Standard (GICS), die MSCI zusammen mit S&P aufgesetzt hat. Insofern können Investoren bei den MSCI und S&P Indizes eine gemeinsame Basis voraussetzen, wenn es um die Definition des Underlyings geht. Auch wenn der Index auch Nebenwerte umfasst, so zeigt die durchschnittliche Marktkapitalisierung von knapp 60 Milliarden US-Dollar, dass in diesem kapitalisierungsgewichteten Index die großen Player die erste Geige spielen. Dieser Index enthält 100 Werte. Er wird quartalsregelmäßig überprüft und zweimal im Jahr neu auf seine Ausgangslage zurückgesetzt. 

Der Top-Wert ist Apple mit einem Gewicht von 14,5 Prozent, gefolgt von Microsoft mit 11,2 Prozent, Facebook A (6,4 Prozent), Alphabet C und A (5,4 bzw. 5.2 Prozent), Intel (4,1 Prozent) und Visa (3,6 Prozent). Letzterer Titel zeigt, dass auch andere Branchen in geringen Dosen in diesem Index enthalten sind: Finanzwerte machen knapp neun Prozent des Gewichts aus, und Industrials sind ebenfalls mit gut 2,5 Prozent vertreten. Mit knapp 90 Prozent spielen allerdings Technologiewerte naturgemäß die erste Geige. 

Der S&P 500 Information Technology Index ist ebenfalls als Underlying der ETFs unserer Auswahl vertreten. Er bildet die Performance von 70 Titeln ab, die im Sub-Index des USA-Leitindex vertreten sind. Da sowohl der MSCI USA als auch der S&P 500 marktkapitalisierungsgewichtet sind und da, wie bereits erwähnt, die Industrieklassifizierung bei beiden Indexanbietern die identische ist, verwundert nicht, dass beide Indizes weitgehend deckungsgleich sind. Auch hier machen Apple, Microsoft, Facebook, Alphabet C und Alphabet A sowie Intel und Visa die Top-Titel aus. Dieser Index wird quartalsregelmäßig rebalanciert. 

Der Exot unter den Underlyings ist hier der dritte Index im Bunde. Der KBW Nasdaq Financial Technology. Dieser Index bildet die Performance von rund 50 US-Unternehmen ab, die Technologie einsetzen, um Finanzdienstleistungen anzubieten. Hierzu zählen beispielsweise Unternehmen, die im Bereich Zahlungsverkehr tätig sind, Internetbanken, Börsen, Anbieter von Spezialkrediten oder Finanzsoftware-Anbieter. Ein besonderes Feature: Dieser Index ist nicht kapitalisierungsgewichtet, sondern gewichtet alle Aktien gleich. Das bedeutet, dass er Nebenwerte deutlich stärker gewichtet als die Indizes von S&P und MSCI. Der Index wird ebenfalls quartalsregelmäßig rebalanciert. 

Da der ETF, der diesen Index abbildet, ursprünglich vom Hause Source gemanagt wurde, das von Invesco übernommen wurde, sollten sich Anleger nicht darüber wundern, dass der ETF den Index synthetisch abbildet und nicht physisch, wie das bei Powershares ETFs typischerweise der Fall ist.

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.