Robo-Advisors kontra ETF-Mischfonds

Automatisierte Vermögensverwaltungen für jedermann gelten als Wachstumssegment. Doch die Kosten der "Robos" sind oft hoch, und die Strategien noch jung und ungetestet. ETF-Mischfonds können eine Alternative sein.

Ali Masarwah 08.03.2019

Digitale Vermögensverwaltungen, auch Robo-Advisors genannt, gelten als neue Shooting Stars der Geldanlage. Sie bieten standardisierte Investment-Lösungen für solche Investoren an, die auf die Dienstleistungen von Beratern verzichten möchten. Die Mindestanlagevolumina sind niedrig, und Online-Investment-Plattformen sind optisch so aufgemacht, dass sie in erster Linie jüngere, online-affine Selbstentscheider ansprechen. Diese mögen zwar gut verdienen, sind aber typischerweise noch in der Vermögensaufbauphase. Es ist naheliegend, dass die Verantwortlichen bei den „Robos“ darauf bauen, dass sich Millennials nicht als die typischen Filialbank-Kunden sehen, denen in der Regel hauseigene Produkte der Banken empfohlen werden. 

Dass Robos typischerweise ETFs einsetzen, die „good guys“ unter den Investmentprodukten, vervollständigt das Bild des sympathischen, aufstrebenden Vermögensverwalters der neuen Generation. Doch an dieser Stelle müssen wir einen Schnitt machen und Wasser in den Wein der Tech-Affinen Investoren gießen. Denn, um im Bild zu bleiben, die digitalen Vermögensverwalter bieten in erster Linie alten Wein in neuen Schläuchen an. Das muss nichts Schlimmes bedeuten, aber es gilt die bekannten und vielleicht weniger bekannten Fallstricke zu beachten. Wir fassen in Kürze zusammen: 

Die Kosten sind oft hoch in Relation zu den angebotenen Leistungen

Das Vergleichsportal www.brokervergleich.de etwa weist Kosten von zwischen 0,4 Prozent bis 1,4 Prozent pro Jahr auf. Hinzu kommen Produktkosten, Handelskosten und/oder darüberhinausgehende Performance Fees. Das ist viel, bedenkt man, dass die allermeisten Robo-Advisors eben kein aufwändiges fundamentales Research betreiben und auch keinen teuren Vertriebs-Apparat unterhalten müssen, der den Kunden berät. Die Tatsache, dass ETFs eingesetzt werden, die günstige Kosten aufweisen, bedeutet also nicht, dass Robos für Anleger eine günstige Lösung sind. Anleger haben jedoch ein intrinsisches Interesse an gleichermaßen billigen wie performanten Investments.

Die Strategien sind bislang ungetestet

Die Historie der Robo-Advisors ist kurz. Die ersten wurden im Jahr 2013 lanciert, und nur eine Handvoll hat eine Performance-Historie von länger über drei Jahren. Die Auswertungen des Portals brokervergleich.de zeigen, dass alle untersuchten ausgewogenen Strategien in den vergangenen drei Jahren hinter einer klassischen 50:50 Aktien-Renten-Benchmark zurückgeblieben sind. Zudem erfordern etliche Strategien, etwa die Value at Risk basierte Strategie von Scalable Capital, ein gutes Verständnis der Funktionsweise der zugrunde liegenden Algorithmen. So müssen Anleger wissen, dass die häufig als Risiko-Tools eingesetzten Trend- und markttechnischen Strategien etlicher Robos im Falle schwankender Märkte im Zweifel hohe Kosten produzieren und dafür eben keine 100-prozentige Sicherheit bieten. Allzu oft gerät bei Robos zudem der Primat des strategischen Investierens zugunsten eines kurzfristigen Risikomanagements aus den Augen.

Die Strategien sind nicht steuereffizient

Robos sind zumeist keine Dachfonds, was bedeutet, dass die Transaktionen innerhalb der Robo-Portfolios steuerineffizient sind. Dachfonds mögen zwar teuer sein, haben jedoch hier den Vorteil, dass die Transaktionen im Fondsmantel steuereffizient sind. Bei Robos müssen Anleger dagegen darauf achten, dass sie nur bis zum persönlichen Freibetrag keine Steuern zahlen müssen. Danach fällt die Abgeltungssteuer an.

Vermögensverwaltung ist Story-Telling, und das gilt auch für Robos

Die Marketing-Story der Robo-Advisors ist klar, aber der Investor muss sein eigenes Narrativ im Fokus haben, sprich genau wissen, wie das Robo-Angebot einzuordnen ist. Robos positionieren sich typischerweise gegen die Vermögensverwaltungen der Banken. Es gilt das Motto: Wir sind die demokratische Vermögensverwaltung, die sich auch Ottonormal-Anleger mit einer niedrigen fünfstelligen Euro-Summe leisten kann. Das mag sein, aber Fakt ist auch, dass die Vermögensverwaltung des sprichwörtlichen kleinen Mannes nicht von Robos erfunden wurde, sondern schon längst von Mischfonds angeboten wird. Hier gibt es, wie wir unten zeigen, auch günstige gemischte Indexfonds-Angebote, vor allem ETFs.

Robos konsolidieren, und deshalb sollten Anleger keine Eile haben.

Investoren müssen wissen, dass bereits etliche Robos nicht mehr am Markt sind. Das Geschäft mit der Vermögensverwaltung ist mühsam, egal, ob sie von einer Bank oder einem Robo angeboten wird. Sammeln die digitalen Vermögensverwalter nicht genug Geld ein, geben sie über kurz oder lang auf – übrigens egal, wie gut ihre Leistung, also die Performance für den Anleger, war. Pikanterweise Schnitt der Robo Werthstein in einem Test des Beratungshauses Fonds Consult jüngst hervorragend ab. Doch bei Werthstein warf man noch vor Veröffentlichung der Studie mangels Masse das Handtuch. Investoren, deren Robo über die Wupper geht, müssen sich erneut auf die mühevolle Suche nach einem Vermögensverwalter machen. Und da der deutsche Markt mit rund 30 Robos hart umkämpft ist, gehört wenig Propheterie dazu, eine weitere Konsolidierung vorherzusagen.

Die Mischfonds-Alternative

Weil wir der Meinung sind, dass Mischfonds die eigentliche Benchmark für Robo-Advisors sind und es zudem bereits etliche günstige ETF- bzw. Indexbasierte Mischstrategien gibt, bringen wir Ihnen heute eine Auswahl an gut diversifizierten, gemischten ETFs, welche den Kategorien EUR ausgewogen und EUR aggressiv angehören und damit hinreichend hohe Aktienquoten fahren. Die Strategien sind überwiegend systematisch, diversifiziert, und sie produzieren keine hohen Handelskosten. Die Gebühren sind insofern überwiegend bestechend niedrig, wie die untere Tabelle zeigt.

Die untere Übersicht zeigt, dass die Performance der ausgewogenen und aktienorientierten Strategien überwiegend nachvollziehbar ist – einzig das Produkt von Ossiam, ein französischer Asset Manager, der auf risiko-basierte Strategien konzentriert ist, fällt hier etwas aus dem Rahmen. Da etliche der gemischten ETFs noch nicht so lange am Markt sind, haben wir nachrichtlich die Performance unseres 2017 vorgestellten ausgewogenen ETF-Musterportfolios hinzugefügt, das die Performance eines ausgewogenen Misch-ETFs simuliert. 

Tabelle: ETF-Mischfonds: Mögliche Alternativen zum Robo-Advisor

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.