Dachfonds Marke Eigenbau: Stein um Stein zum Portfolio

In unserer dreiteiligen Serie zur Portfoliokonstruktion erläutern wir Do-it-yourself-Investoren, wie ETFs als Portfoliobausteine am besten eingesetzt werden können; sei es taktisch oder strategisch.

Nachdem wir bereits die Vorzüge von ETFs als Portfoliobaustein kennengelernt haben und auch die einzelnen Möglichkeiten besprochen haben, wie ETFs strategisch bzw. taktisch in einem Portfolio eingesetzt werden können, widmen wir uns im dritten und letzten Teil unserer Serie der Konstruktion von drei konkreten ETF-Portfolios.

Konstruktion eines ETF-Portfolios

Im zweiten Teil unserer Serie haben wir bereits auf die Problematik eines 60/40 Portfolios aufmerksam gemacht und angedeutet, dass die Hinzunahme von alternativen Anlageklassen von Vorteil ist.

Um dies an einem praktischen Beispiel zu verdeutlichen, haben wir im Folgenden ein einfaches 60/40 Portfolio konstruiert und dies in einem zweiten Schritt um Gold und Immobilien erweitert. Zur weiteren Veranschaulichung haben wir ein drittes reines Anleihenportfolio erstellt.

Damit eine rein passive Anlagestrategie gewährleistet ist, wurden die Portfolios jährlich in ihre Ausgangsgewichtung zurückgebracht. Da jedoch ETFs für die verschiedenen Anlageklassen teilweise erst seit kurzem auf dem Markt sind, haben wir die Rendite der Indizes und nicht die der ETFs für die Berechnung zugrunde gelegt. Um jedoch die Managementgebühren zu berücksichtigen, wurden diese jährlich von der Rendite abgezogen. Dies vernachlässigt zwar einen Teil des Tracking-Unterschiedes (wie z.B. Swap-kosten) und auch den Zinseszinseffekt dieser Kosten, hat jedoch den Vorteil, dass wir eine Performance über 10 statt über 3 Jahre erhalten.

Das Ausgangsportfolio:

Zuerst konstruieren wir unser 60/40 Portfolio, welches als Ausgangsportfolio für die weiteren Portfolios dient. Zielsetzung hierbei war nicht, ein optimal diversifiziertes Portfolio mit allen nur erdenklichen Bausteinen zu schaffen, sondern zu zeigen, wie ein realistisches ETF-Portfolio für deutsche Anleger aufgebaut werden kann. Wir haben uns für sieben ETFs entschieden. Bei der Aktien-Allokation haben wir Deutschland leicht übergewichtet. Deutsche Standardwerte repräsentieren ca. 27% der Aktien-Allokation und 16% des Gesamtportfolios. Dieser so genannte Home Bias ist unter Diversifikationsgesichtspunkten nicht optimal, mit 16% des Gesamtportfolios fällt er jedoch relativ gering aus im Verhältnis zum Anteil von ca. 4% deutscher Aktien an der globalen Aktienmarktkapitalisierung. Insbesondere für Privatinvestoren kann dieser Home Bias jedoch aus mehreren Gründen Sinn machen. Zum einen verringert er die Währungsrisiken, die durch internationale Anlagen entstehen. Zum anderen sind Anleger über heimische Unternehmen besser informiert und haben dadurch einen besseren Einblick in die wirtschaftliche Lage des Referenzwertes, was auch aus psychologischen Gründen vorteilhaft sein kann. Auch bei der Anleihen-Allokation wurde Deutschland leicht übergewichtet. (Mit einem Anteil von 15% in Bundesanleihen hat sich das mit Blick auf die derzeitige Eurokrise bisher sicherlich als vorteilhaft erwiesen).

Unternehmensanleihen können attraktive Renditen bieten. Hier haben wir jedoch einen geringen Teil in britische Unternehmensanleihen investiert, um von den dortigen Zinsentwicklungen zu profitieren und etwas Währungsspekulation mit ins Portfolio zu bringen. Letztendlich sind ETFs auf Inflationsanleihen eine gute Absicherung der langfristigen Kaufkraft.



Portfolio mit alternativen Anlageklassen:

Ausgehend vom 60/40 Portfolio, haben wir die Aktien- und Anleihenquote um jeweils 10% verringert und die freiwerdenden Mittel zu gleichen Teilen in Gold bzw. Immobilien investiert. Die Vorzüge alternativer Anlageklassen wurden bereits im zweiten Teil dieser Serie erläutert.



Anleihen-Portfolio:

Beim dritten Portfolio wurde die Anleihen-Allokation unseres Ausgangsportfolios übernommen, lediglich die Gewichtungen wurden angepasst, um ein Portfolio bestehend aus 100% Anleihen zu erhalten.
 


Performanceanalyse

Generell fällt auf, dass die Gesamtkostenquote der einzelnen Portfolios sehr gering ist. Im Vergleich dazu verlangt der durchschnittliche Mischfonds in Europa 1,91% an Gebühren. Das ist mehr als fünfmal so viel wie unsere ETF-Portfolios. Viel wichtiger ist jedoch die Frage, welches Portfolio über die letzten 10 Jahre die beste Rendite erzielt hat? Auch hier gewinnt der passive Ansatz.



Die folgende Graphik veranschaulicht, dass Mischfonds in Europa mit Abstand die schlechteste Rendite erwirtschaftet haben, wohingegen das Portfolio mit alternativen Anlageklassen die beste Performance aufweist. Unser Anleihen-Portfolio zeigt erwartungsgemäß die geringste Volatilität. Etwas mehr überraschend ist jedoch, dass es gleichzeitig die zweitbeste Rendite erzielt hat. Auf einen zweiten Blick erklärt sich diese Rendite jedoch durch die zwei Bärenmärkte des letzten Jahrzehnts. Anleihen hinkten während des Bullenmarktes bis zur Finanzkrise stark hinterher, blieben jedoch während der folgenden Rezession relativ stabil und konnten daher über den Zehnjahreszeitraum hinweg Aktien outperformen. Seit dem Tiefpunkt des Aktienmarktes im März 2010, lief die Rendite des Anleihenportfolios den anderen Portfolios jedoch wieder hinterher. Dies hebt auch einen anderen sehr wichtigen Punkt hervor: Langfristig ist es besser, Abwärtsbewegungen zu vermeiden, als zu versuchen zu 100% an den Aufwärtsbewegungen teilzunehmen. Hiermit verbunden gibt es interessante und einfach zu verfolgende Anlagestrategien, die wir im laufenden Jahr noch etwas genauer analysieren werden.

Die schlechte Performance bei Mischfonds beruht unter anderem auf der Tatsache, dass nur ein Drittel der aktiven Fondsmanager langfristig Mehrwert schaffen kann, wie in zahlreichen Studien bereits belegt wurde. Unterteilen wir die Rendite aber in vier Abschnitte und vergleichen jeweils fallende und steigende Märkte miteinander, stellen wir fest, dass aktive Fondsmanager in fallenden Märkten besser abschneiden als unsere ETF-Portfolios. In steigenden Märkten dreht sich jedoch das Bild und unsere passiven Portfolios schlagen den aktiven Ansatz um Längen. In den zwei Bärenmärkten konnten aktive Fondsmanager ihre Portfolios eventuell besser positionieren und haben Technologiewerte bzw. Finanzwerte soweit es ging gemieden. Zudem haben Mischfonds eventuell die Anleihenquote in turbulenten Märkten erhöht. In den darauffolgenden Bullmärkten hat wahrscheinlich die höhere Gewichtung in eher defensiven Aktien bzw. Sektoren bei Mischfonds dann zur Underperformance geführt, da eine schnelle Anpassung des Portfolios aufgrund der Fondsgröße meist nur schwierig zu realisieren ist.

Indexprodukte sind im Vergleich dazu etwas unflexibler und gewichten am Ende von Aktienblasen überbewertete Sektoren meist über. In den anschließenden fallenden Märkten sind sie dann diesen oft „hilflos“ ausgeliefert. Dies ist ein bekannter Schwachpunkt bei Indizes, die anhand der Marktkapitalisierung gewichtet sind. Darüber hinaus wurde die Aktien- und Anleihenquote in unseren ETF-Portfolios konstant gehalten. Die relativ hohe Aktienquote hat sich insbesondere in den Bärenmärkten negativ bemerkbar gemacht hat, in den anschließenden Bullenmärkten hat es sich jedoch positiv ausgewirkt.




Fazit
:
Wenn man weder die Zeit noch das Geld hat, die aktiven Fondsmanager auszumachen, die langfristig Mehrwert schaffen, dann sind passive Anlagestrategien mit ETFs langfristig oft die bessere Alternative, wie anhand unserer Beispiele gezeigt wurde.



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Über den Autor

Gordon Rose, CIIA, CAIA,

Gordon Rose, CIIA, CAIA,  ist Fondsanalyst bei Morningstar.