Nicht jede Goldmine ist auch eine Goldgrube

Goldaktienfonds sind in erster Linie Aktienfonds und weniger Goldfonds. Das Argument der Diversifikation überzeugt allerdings. Unsere Serie zu Goldinvestments geht in die Schlussphase.

Ali Masarwah 07.11.2012

Wir haben uns in unserer Serie zum Investmentthema Gold zunächst die grundlegenden Eigenschaften des Edelmetalls im Portfoliokontext angeschaut, bevor wir der Frage nachgegangen sind, über welche Wege man zum physischen Edelmetall gelangt. Im dritten Teil unserer Reihe haben wir dann einen Perspektivenwechsel vorgenommen und Goldminen, also Goldaktien, unter die Lupe genommen. Heute beschäftigen wir uns mit Fonds, die in börsennotierte Gold- und Edelmetallfördergesellschaften investieren.

Ein entscheidendes Argument für Minenaktienfonds

Vorweg gesagt: Minenaktienfonds sind für die allermeisten Anleger eine sehr sinnvolle Alternative zu einem Engagement in einzelne Aktien. Der Grund lautet wieder einmal: Risikostreuung! Mit einem Minenfonds dürften die meisten Anleger sicherer schlafen. Die Volatilität von Goldfonds ist im Schnitt deutlich niedriger als die der einzelnen Goldminenbetreiber. Selbst Blue Chips wie Barrick Gold, Goldcorp oder Newmont Mining weisen eine Volatilität von über 30% pro Jahr auf. Bei Nebenwerten wie Iamgold, Agnico oder Eldorado Gold liegt die Schwankungsintensität pro Jahr sogar bei weit über 40%! Im Schnitt betrug dagegen die Volatilität der in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlichen Edelmetallefonds indes knapp 28% in den vergangenen 3 Jahren.

Ein weiterer Faktor spricht für Fonds. Edelmetallförderer arbeiten in einer für deutschsprachige Privatinvestoren eher fremden Umgebung; Anleger dürften mit dem Research in diesem Sektor überfordert sein. Oder können Sie die politischen Risiken einschätzen, die einem Unternehmen drohen, das Goldminen in Afrika betreibt? Wir erinnern uns: die meisten globalen Goldvorräte lagern eben nicht im sicheren Kanada. Oder können Sie die Qualität und die Quantität der Goldreserven der einzelnen Konzerne zweifelsfrei bewerten? Oder die künftige Richtung des südafrikanischen Rand prognostizieren? Oder sich eine qualifizierte Meinung bilden, ob die steigenden Förderkosten zu hoch oder zu niedrig eingeschätzt werden und der Aktienkurs eines Betreibers Luft nach oben hat oder nicht? Wer diese Fragen mit „ja“ beantworten kann, sollte eine Bewerbung als Rohstoff-Aktienfondsmanager in Erwägung ziehen!

Gegenüber den Indizes reißen die Fonds keine Bäume aus

Kommen wir nun zum Rendite-Risiko-Profil von Edelmetallfonds im Vergleich zu den gängigen Aktienindizes. Hier bietet sich ein für erfahrene Anleger vertrautes Bild. Der FTSE Gold Mines und der HSBC Global Gold waren mit 26,88 bzw 26,67% weniger Volatil als der durchschnittliche Goldfonds. Edelmetallfonds sind also weniger risikoreich als Einzelaktien, die Summe aller Indexbestandteile schlägt allerdings den durchschnittlichen Goldfonds!

Auch mit Blick auf die Performance zeigt sich ein für Fondsinvestoren vertrautes Bild. Die durchschnittliche Rendite in den vergangenen 3 Jahren war bei den Fonds mit 10,39% pro Jahr etwa 70 Basispunkte besser pro Jahr als der FTSE-Index und knapp 90 Basispunkte schlechter als die HSBC-Benchmark. In den vergangenen fünf Jahren war das Bild noch weniger schmeichelhaft: Im Schnitt verloren Goldfonds pro Jahr 0,62%, während die FTSE- und HSBC-Benchmarks pro Jahr um 3,6 bzw. 3,24% zulegten. Auch bei der Volatilität ziehen Fonds den Kürzeren. Wer auf einen Goldaktienfonds setzt, sollte also keine Wunder erwarten.

TABELLE: Rendite-Risiko-Profil Minenfonds gegenüber den Benchmarks

Was müssen Anleger bei einem Investment in Goldfonds beachten? Welche Strategien verfolgen die Fondsmanager? Wodurch heben Sie sich vom Index ab? Wie bei Aktienfonds auch hängt sehr viel an der Erfahrung und Qualität des Managements ab, worauf wir später noch eingehen werden. Jenseits dieser Frage gibt es einige größere Themen, die alle Goldfonds am Markt betreffen.

Grundsätzlich müssen sich Anleger zunächst der grundlegenden Eigenschaft der Minenbetreiber vergegenwärtigen. Sie stellen eine mehr oder weniger stark gehebelte Wette auf den Goldpreis (oder den Preis von Silber und Platin) dar. Bei kleineren Unternehmen ist der Hebel entsprechend größer als bei großen Minenkonzernen. Das ist nur logisch, weil die Entdeckung neuer Goldvorkommen bei Nebenwerten einen viel größeren Einfluss auf den Geschäftserfolg hat als bei einem Blue Chip, wo eine neue Goldader in der sprichwörtlichen Masse untergehen kann.

Neben den überdurchschnittlichen Chancen drohen bei Nebenwerten allerdings auch erhöhte Risiken, die zum einen operativer Natur sein können; Wenn kleinere Unternehmen bei der Exploration nicht erfolgreich sind, können sie auch in Zeiten hoher Goldpreise pleitegehen. Das ist bei einem großen und diversifizierten internationalen Minenbetreiber nicht wahrscheinlich. Zum anderen weisen die Aktien kleinerer Unternehmen die für Nebenwerte typischen Liquiditätsrisiken auf. Das kann in Zeiten fallender Märkte schwer ins Kontor schlagen, wie sich 2008/09 gezeigt hat.

Vor diesem Hintergrund muss die Ausrichtung der Fonds am Markt beachtet werden. Sie sind überproportional häufig bei Nebenwerten unterwegs. Im Schnitt sind die Fonds zu 30% in Nebenwerten investiert, während die großen Benchmarks FTSE Gold Mines und HSBC Global Gold vor allem Standardwerte abbilden. Während die Fonds zu durchschnittlich 9,8% in Micro Caps und 19,6% in Small Caps investiert sind, sind in den FTSE- und HSBC-Indizes keine Microcaps und nur 0,7% bzw. 5,25% in Small Caps investiert. Auch mittelgroße Unternehmen sind in den beiden Indizes mit 12,4% bzw 18% eher dünn gesät, während Edelmetallfonds Mid Caps im Schnitt mit 23,3% gewichten.

TABELLE: Wo tummeln sich die Fonds, was enthalten die Indizes?

Wie konkretisiert sich dieser Befund? Eine Übersicht über die Performance-Bilanz der vergangenen drei Jahre zeigt, dass Fonds, die besonders stark in Nebenwerten engagiert waren, überdurchschnittlich profitiert haben. Fonds wie der Earth Gold Fund UI, die STABILITAS-Fonds, aber auch der Craton Capital Precious Metal investieren in hohem Maße in Nebenwerte, darunter auch in kleinstkapitalisierte Unternehmen. Das hat in den vergangenen Jahren der relativen Performance geholfen. Die Übersicht der erfolgreichsten Fonds der vergangenen drei Jahre zeigt, dass bei Nebewenwerten der Hebel nach oben gewirkt hat.

TABELLE: Welche Fonds in den vergangenen 3 Jahren vorne lagen

Doch es gibt – wie könnte es anders sein – auch die Kehrseite der Medaille zu beachten. Etliche der oben aufgeführten besten Fonds im Dreijahresvergleich haben in den vergangenen fünf Jahren nicht überzeugt – ihre Performance-Bilanz ist immer noch von den extremen Kursverwerfungen 2008/09 belastet. Hier schlug die hohe Nebenwertegewichtung kräftig ins Kontor.

TABELLE: In den vergangenen 5 Jahren schlägt die Finanzkrise ins Kontor

Anleger sollten aber auch einen genaueren Blick auf die Benchmark selbst werfen. So gibt es beispielsweise beim FTSE Gold Mines und HSBC Global Gold unterschiedliche Schwerpunkte. Letzterer weist ein deutlich höheres Nebenwerte-Gewicht auf als der FTSE-Index, der stärker auf Standardwerte setzt.

Reine Goldaktienfonds sind Ausnahmen

Eine Eigenart ist bei Edelmetallfonds ist bereits in diesem Beitrag angeklungen. Diese Produkte werden in der Regel als Goldfonds bezeichnet und führen überwiegend das Wort „Gold“ im Namen, sind aber de facto eher breit diversifizierte Edelmetallfonds: sie sind selten ausschließlich in Goldförderer investiert, sondern mischen mehr oder weniger stark auch Platin- und Silber-Förderer bei. Investoren müssen deshalb im Vorfeld klären, ob sie wirklich einen breit diversifizierten Zugang zu Edelmetallen brauchen oder ausschließlich eine gehebelte Wette auf den Goldpreis eingehen wollen.

Beim DJE Gold & Ressourcen liegt der Mindestanteil reiner Goldminenaktien bei nur 30% des Fondsvolumens. Daneben kauft der Fondsmanager auch Gesellschaften aus den Sektoren Basismetalle, Öl und Gas oder Agrarrohstoffe. Mit dieser sehr diversifizierten Herangehensweise ist dieser Fonds, der zudem häufig hohe Cash-Quoten fährt, allerdings eine Ausnahme. Die meisten anderen Edelmetallfonds sind deutlich stärker auf Goldförderer ausgerichtet. Beim Craton Capital Precious Metal sind es üblicherweise rund 70%, beim BlackRock World Gold Fund sind es typischerweise 75 bis 80%. Allerdings zeigen diese sehr breiten Spannen, dass Anleger im Zweifel die Investmentpraxis der Fonds genau unter die Lupe nehmen müssen.

Auch die Edelmetalle selbst spielen bei den Fonds eine Rolle

Wir haben bereits en Detail besprochen, dass sich der Goldpreis und der Kurs von Goldminenaktien nicht im Gleichklang bewegen. Damit kommen wir zu einem weiteren Merkmal von Edelmetallfonds; die meisten mischen auch die physischen Edelmetalle selbst bei. Manche Fonds suchen sogar systematisch nach Arbitrage-Chancen. Beim Schweizer Fonds AMG Gold – Minen und Metalle wurden im Oktober beispielsweise die Aktien des Silberproduzenten Silver Wheaton verkauft und im Gegenzug physisches Silber gekauft, weil das Management dort größere Opportunitäten ausgemacht hatte. Silber ist nunmehr sogar die größte Position in dem Gold-Fonds.

Zu beachten ist auch die Währungsfrage: Während die meisten Aktienfonds den Euro- und Franken-Anleger dem Fremdwährungsrisiko aussetzen, betreiben einige Fonds ein aktives Währungmanagement. Absicherungsstrategien reduzieren das Fremdwährungsrisiko zwar deutlich, kosten aber Geld. So hat der AMG Gold – Minen und Metalle beispielsweise im November den Anteil Schweizer Franken durch die Absicherung von 65% des US-Dollar-Risikos auf 50% erhöht. Andere Anbieter verwenden ganz oder teilweise währungsgesicherte Indizes. So auch der LO Funds - World Gold Expertise, der sich an einem zu 80% gegenüber dem Schweizer Franken abgesicherten FTSE Gold Mines misst. Auch die Benchmark des DJE Gold & Ressourcen setzt sich zu 20% aus dem auf Euro lautenden MSCI World Materials Sector Index zusammen.

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Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich