Hilfe, mein Fondsmanager ist weg!

Graham French verlässt M&G, Elena Shaftan Jupiter, Bill Gross streicht die Segel bei PIMCO. Wenn erfolgreiche Manager wechseln, produziert das Schlagzeilen und legt bei Anlegern die Nerven blank. Eine Checkliste für den Ernstfall.

Ali Masarwah 10.11.2014

Für viele Anleger, die einen Fonds besitzen, der bald ohne seinen langjährigen Kapitän durch die See schippert, stellt sich die Gretchenfrage: Verkaufen oder halten - was soll ich tun? Einige Investoren fällen ihre Entscheidung offenbar ohne lange nachzudenken: In den wenigen Wochen nach dem Abgang von Bill Gross zogen Anleger allein in Europa gut 4,5 Milliarden Euro aus dem von ihm bis dato verwalteten PIMCO Total Return Bond Fund ab. In den USA beliefen sich die Abflüsse bis Ende Oktober aus dem Fonds sogar auf bis zu 50 Milliarden US-Dollar!

Während viele Anleger beim Abgang eines Managers aus ihren Fonds spontan verkaufen, um potentiellen negativen Effekten zuvorzukommen, ist es für gewöhnlich besser, zunächst Ruhe zu bewahren und sich der neuen Situation etwas differenzierter und mit kühlem Kopf zu nähern. Wir haben eine kleine Checkliste erstellt – frei nach dem Motto: Der nächste Fondsmanagerwechsel kommt bestimmt!

Muss ich mit Transaktionskosten rechnen, wenn ich einen anderen Fonds kaufe?

Das hängt vom Einzelfall ab. Wenn Sie Steuern oder Transaktionskosten auf sich zukommen sehen, sollten Sie dies als eine Art Hürde betrachten, die ein neues Produkt wieder gut machen muss, damit Sie ohne Verlust da stehen.

Stichwort Steuern: Die Frage ist höchst relevant bei Investments, die in Deutschland vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden. Diese unterliegen nicht der Abgeltungssteuer (25% plus Soli plus ggf. Kirchensteuer). Die Aussicht, auf ein Viertel der Performance des künftigen Fonds zu verzichten, sollte eine substanzielle Hürde darstellen!

Stichwort Transaktionskosten: Bei Fonds gilt der Ausgabeaufschlag als die gängigste Form von Transaktionskosten. Während Rücknahmegebühren selten sind, kann das Agio eines neu zu erwerbenden Fonds durchaus bis zu 5% der Anlagesumme ausmachen, auch wenn heute die Kaufgebühr, die in Fondsprospekten steht, in der Regel nicht in voller Höhe bezahlt werden muss - Sie sollten also mit Ihrer Bank oder Ihrem Berater verhandeln! Sollten Sie einen Fonds über die Börse kaufen, was nicht nur bei ETFs der Fall sein muss, fallen Ordergebühren für die Bank und eine Courtage für den Kursmakler an. An der Börse handeln Sie nicht wie bei Fonds üblich zum Nettoinventarwert - hier gelten die Gesetze des Handels, gerade bei kleineren Odersummen können die Spreads mehr als die sprichwörtlichen Peanuts ausmachen. Rechnen lohnt sich also!

Wem nützt der Verkauf?

Natürlich kann es absolut Sinn machen, bei einem Fondsmanagerwechsel zu verkaufen. Handelt es sich bei dem neuen Manager um einen Novizen, oder haben Sie gravierende Zweifel, dass der neue Besen gut oder besser kehren wird, dann sollten Sie sich von diesem Fonds trennen. Es kann allerdings auch sein, dass die Situation nicht so klar ist. Überprüfen Sie kritisch: Werden Sie von einem vermeintlichen Berater, der in Wahrheit nur ein Verkäufer ist, zum Verkauf gedrängt? Viele Vertriebsstellen leben davon, die Portfolios ihrer Kunden häufig umzuschichten und werden versuchen, den Fondsmanagerwechsel, auszunutzen, um Sie zum Handeln zu bringen.

Wie aktiv ist mein Fonds?

Die Frage ist einfach – und gleichzeitig leider auch sehr kompliziert. Bei Index- oder indexnahen Fonds – näheren Aufschluss über die Natur eines Fonds geben die Vertragsunterlagen – ist sie einfach: Ein Fondsmanagerwechsel wird hier nennenswerten Unterschied machen. Schwieriger wird die Frage allerdings, wenn ein Fonds zwar als aktiv deklariert wird, die Renditen aber mehr oder weniger konstant unter dem Indexniveau liegen. Hier bietet der Wechsel des Fondsmanagers eine gute Gelegenheit, die Aktivität des Fonds auf den Prüfstein zu stellen. Das kann kompliziert werden.

Ein erster Ansatzpunkt kann die Kennzahl "Tracking Error" sein. Dieses quantitative Maß drückt, vereinfacht gesagt, die Abweichung des Fonds gegenüber dem Index aus. Je niedriger die Zahl ist, desto stärker ähnelt ein Fonds seinem Index. Ein Tracking Error von weniger als drei, vier Prozent bei Aktienfonds sollte ein Alarmsignal sein. In dieselbe Richtung geht die Kennzahl „R-Squared“. Dieses statistische Maß zeigt in unserem Kontext an, wie stark die Performance eines Fonds auf die Performance des Index zurückgeht. Ein hoher Wert (im Allgemeinen >80%) zeigt an, dass die Performance des Fonds in hohem Maße durch die Performance des Index erklärbar ist.

Da es sich bei Tracking Error und R-Squared um rein statistische Maße und somit bestenfalls um Annäherungen handelt, ist allerdings Vorsicht angebracht. Ein niedriger Tracking Error kann unter Umständen durch eine indexnahe Abbildung der Branchenstruktur des Index zustande kommen, derweil der Fondsmanager auf Einzeltitelebene durchaus aktiv ist. Beim R-Squared kann wiederum der Zeitpunkt der Fondspreisberechnung das Ergebnis verzerren.

Aus diesen Gründen verwenden wir bei Morningstar gerne die Kennzahl „Active Share“, die Auskunft über den tatsächlichen Unterschied zwischen Fondsportfolio und Indexportfolio gibt. Das Fondsportfolio wird gewissermaßen – gewichtet – über den Index gelegt, und dann wird nach Schnittmengen geschaut. Heraus kommt eine Zahl zwischen 0 und 100%. Im Gegensatz zur Kennzahl R-Squared gilt hier das Motto: Je höher, desto aktiver ist der Fondsmanager. Das ist die notwendige Voraussetzung für die Outperformance (lesen Sie hier mehr).

Da nicht jedes der üblichen Fondstools für Privatanleger dieses Maß inkludiert, sollten Sie sich also bei begründeten Zweifeln an der Aktivität Ihres Fondsmanagers an einen Berater Ihres Vertrauens wenden.

Könnte der Kult um eine Person Mittelabflüsse auslösen?

Diese Frage hängt von der vorher gestellten ab. Wenn der Fondsmanager einen sehr individuellen Stil hat und dabei erfolgreich war, kann es sein, dass Investoren eine Loyalität zu ihm entwickeln. Die Folge sind Anteilsverkäufe wegen des Managerwechsels, weil sie befürchten, dass der neue Kapitän nicht das gleiche richtige Händchen hat wie der Vorgänger.

Das Problem: Auch wenn man der Meinung ist, dass es sich beim Nachfolger um einen talentierten Fondsmanager handelt, kann der Herdentrieb der „Follower“ eines "Gurus" neue Realitäten schaffen. Der neue Manager könnte gezwungen sein, Wertpapiere zu verkaufen, an denen er unter normalen Umständen festgehalten hätte und für die er bei massiven Rückgaben keinen guten Preis bekommen wird. Diese Verkäufe aus Zwang sind insbesondere dann ein großes Risiko, wenn der Manager weniger liquide Papiere besitzt, für die es nicht so viele Käufer gibt: Beispielsweise Aktien von kleinen Unternehmen oder exotische Anleihen.

Waren die Nachfolger schon in der Vergangenheit erfolgreich?

Selbst wenn der bisherige Manager sehr erfolgreich war, muss nicht alles verloren sein, wenn er geht. Es ist definitiv ein Vorteil, wenn er mit seinen Analysten und Co-Managern eng zusammengearbeitet hat und die Erben mit dem Anlagestil des Managers vertraut sind. Im besten Fall haben der oder die Nachfolger sogar bei einem ähnlichen Fonds bereits erste Investmenterfolge erzielt.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass eine Strategie eines neuen Managers erfolgreich weiter geführt wird, aber bei einer funktionierenden Investmentkultur sollte man bei einem Managerwechsel nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Das ist auch der Grund, warum wir Fonds wie den UniGlobal, DWS Akkumula oder DWS Vermögensbildungsfonds I auch nach dem Wechsel des langjährigen Managers positiv bewertet haben. Hier haben die Kultur eines Hauses, die Solidität der Investmentprozesse oder aber die Erfahrung des neuen Managers den Ausschlag für eine positive Fondsbewertung gegeben.

Auch der bereits mehrfach angesprochene PIMCO Global Total Return Bond hält nach dem Abgang von Bill Gross ein positives Morningstar Analyst Rating („Bronze“). Dass der Fonds unter der Ägide von Bill Gross noch die Bestnote „Gold“ hielt, zeigt, dass das neue Management allerdings noch unter Beweis stellen muss, dass auch nach dem Abschied des PIMCO-Gründers die alten Erfolge wiederholbar sind.

Was wird sich wahrscheinlich verändern?

Selbst wenn Sie beruhigt sind, dass der neue Manager Erfahrung mitbringt, lohnt es sich zu prüfen, was sich beim Fonds ändern wird - und was das für Ihr Gesamtportfolio bedeutet. War der neue Manager zuvor beispielsweise auf den Bereich Emerging Markets konzentriert und wird er deshalb entsprechenden Titeln in einem globalen Portfolio ein größeres Gewicht einräumen? Haben Sie dann möglicherweise ein zu hohes Emerging-Markets-Exposure in Ihrem Gesamtportfolio?

In den Morningstar-Analyst Reports, der Grundlage der Morningstar Analyst Ratings, halten wir regelmäßig unsere Einschätzungen zur Frage fest, wie sich ein Fonds bei der Übernahme durch neue Manager ändern könnte.

Gibt es gleichwertige Alternativen?

Der Fondsmarkt verändert sich ständig. Neue Produkte kommen an den Markt, Gebühren unterliegen Veränderungen, unter Umständen erweitert sich auch das Produktangebot auf der von Ihnen verwendeten Fondsplattform oder Online-Bank. Wenn Sie nach einem Fondsmanagerwechsel eher dazu tendieren, das Produkt zu verkaufen, lohnt es sich, etwas mehr Zeit darauf zu verwenden, sich mit Substituten zu befassen. Steht bei dem Produkt eine Investmentstrategie im Vordergrund, die viele Fonds abdecken, könnte das für einen Wechsel sprechen. Hier sollten Sie vor allem auf die Gebühren schauen. Schließlich sind die Kosten ein sehr wichtiger Aspekt, wenn es um die Fonds-Performance von morgen geht.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.