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Die Tesla-Story: Welche Fonds sind dabei?

Der Asset Manager und Growth-Spezialist Baillie Gifford hat mit seiner großen Tesla-Wette Schlagzeilen produziert. Wir wollten wissen, ob und wer es den Schotten nachgemacht hat. Welche Fonds und ETFs die Tesla-Aktie halten.

Ali Masarwah 18.09.2020
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In Zeiten, in denen vor allem Missgriffe von Fondsmanagern Schlagzeilen produzieren – Stichworte: Windhorst-Bonds in H2O-Fonds, Wirecard in DWS- und Union-Investment- Produkten – machte Baillie Gifford jüngst mit positiven Nachrichten von sich reden. Anlässlich der Reduzierung der Tesla-Positionen in Baillie-Gifford-Fonds wurde der breiteren Öffentlichkeit Anfang September bekannt, dass die Schotten mit einem Anteil von knapp 7,7 Prozent der zweitgrößte Anteilseigner an Tesla hinter Unternehmensgründer Elon Musk waren, bevor sie ihren Anteil auf knapp 4,3 Prozent reduzierten. 

Baillie Gifford hatte bei Tesla ein goldenes Händchen

Der Growth-Spezialist hatte dem Vernehmen nach seinen Anteil an Tesla reduziert, um das Gewicht der Aktie in einzelnen Fonds auf deutlich unter den regulatorischen Grenzen zu reduzieren. Seit Anfang 2012, das Jahr, in dem Baillie Gifford erstmals in Tesla investiert hatte, hat die Tesla-Aktie bis zum 16. September um über 7.630 Prozent zugelegt (in Worten: siebentausendsechshunderdreißig). Bis zur Korrektur in den ersten Septembertagen hatte das Plus seit 2012 sogar bei 8.624 Prozent gelegen. Das hat natürlich bei den Growth-Fonds von Baillie Gifford den Performance-Turbo gezündet. 

Die Tesla-Story war nie unumstritten. Ein Investment in Tesla war immer auch eine Glaubensfrage: es ging dabei nicht nur um die Einschätzung der Technologieführerschaft des Elektro-Autobauers, sondern auch um die Qualitäten Musks als Unternehmensstratege, den Fans nach wie vor als Visionär verehren. Mutige Investoren wie Baillie Gifford wurden reichlich für ihren Einsatz beim Elektroauto-Pionier belohnt. 

Das bringt uns zur Frage, welche Fonds noch bei Tesla prominent vertreten sind. Wie aus unserer Fondsdatenbank hervorgeht, stehen Fonds aus den USA an erster Stelle.

Baron Partners fliegt auf Tesla

Bei Publikumsfonds sticht der Baron Partners Fund hervor, der zuletzt sage und schreibe 36 Prozent seiner Vermögenswerte in die Tesla-Aktie investiert hatte. Der Baron US Growth Fund brachte es auf ebenfalls stattliche 30 Prozent. Der Baron Small to Mid Cap Growth Strategy kam auf knapp 20 Prozent Tesla-Quote. Die jüngsten Holding-Informationen des Growth-Spezialisten aus New York stammen vom 30. Juni dieses Jahres. 

Baron Funds war längst nicht der einzige Asset Manager aus den USA, der Haus und Hof seiner Anleger auf Tesla gewettet hat. Auf deutlich über 15 Prozent kamen gemäß den jüngsten Daten US-domizilierte Fonds von Baillie Gifford, Fidelity, Morgan Stanley und First Trust. Etliche in den USA gelistete ETFs sind ebenfalls von der Partie, etwa der First Trust Nasdaq Transportation ETF, VanEck Vectors Low Carbon Energy ETF oder der iShares US Consumer Goods ETF. 

Man muss dazu wissen, dass es bei Fonds in den USA keine strikten Einzeltitelbeschränkungen mit Blick auf die maximale Gewichtung von Einzelaktien gibt wie in Europa, wo Fonds maximal zehn Prozent ihrer Assets in eine Aktie investieren dürfen. Die hohe Gewichtung in US-Fonds ist also nicht nur der intimen Kenntnis des Elektrobauers durch US-Fondsmanager, sondern auch der laxeren Regulierung in den USA geschuldet. 

Wegen der regulatorischen Grenzen kommen aktiv verwaltete Fonds aus Europa deutlich hinter den US-Pendants. Es finden sich vor allem Fonds von Baillie Gifford in unserer Liste mit Gewichtungen von rund zehn Prozent. Diese Quoten dürften inzwischen aufgrund der jüngsten Verkäufe deutlich zurückgegangen sein. Per Ende August waren noch der Baillie Gifford World Wide Positive Change Fund, der Baillie Gifford World Wide Long Term Global Growth Fund und der Baillie Gifford World Wide US Equity Growth Fund jeweils mit rund zehn Prozent dabei. 

Die größten Gewichtungen von aktiv verwalteten Fonds aus Europa, die in mindestens einem Land der Dach-Region zum Vertrieb zugelassen sind, finden Sie in der unteren Tabelle. 

Tabelle: Wie hoch die Tesla-Quote in aktiv verwalteten Fonds istActive funds tesla 

Wie aus der oberen Tabelle hervorgeht, hat auch der US-Fondsanbieter PGIM über seine Tochtergesellschaft Jennison Associates in Tesla in großem Stil investiert. Zwei der drei irisch-domizilierten UCITS-Fonds, PGIM Jennison Global Equity Opportunities und PGIM Jennison US Growth, waren per Ende August jeweils zu rund acht Prozent in Tesla investiert. (Für Kenner der Materie: PGIM war vor dem Rebranding als Prudential Investment Management bekannt, dessen Fonds in Deutschland einst vom Joint-Venture Oppenheim Pramerica vertrieben wurden. Aber das ist wirklich sehr lange her.) 

Neben Baillie Gifford und PGIM finden sich noch Fonds der US-Häuser JPMorgan Asset Management und Capital Group mit größeren Engagements in Tesla. Der Capital Group New Perspectives Fund wies per Ende Juli eine Tesla-Quote von gut 4,5 Prozent bzw. gut 300 Millionen Euro aus, was das umfangmäßig größte Einzel-Engagement eines aktiven Fonds in Europa darstellt. 

Aus Europa sticht Allianz Global Investors – ebenfalls ein Growth-Haus - als größerer Tesla-Aktionär auf. Der Themenfonds Allianz Global Artificial Intelligenz kam per Ende Juli auf eine Tesla-Quote von gut fünf Prozent oder 160 Millionen Euro (per Ende Juli). Mit jeweils gut drei Prozent Tesla-Quote waren zuletzt auch der Allianz Global Equity Insights, Allianz Global HiTech Growth sowie der Allianz US Large Cap Growth mit von der Partie (nicht in der Tabelle enthalten). 

Neben Themen- und Style-Fonds a la AGI fallen auch ESG-Spezialisten wie Candriam als Großinvestoren in Tesla auf. Wegen des guten Nachhaltigkeits-Ratings von Tesla ist die Aktie in vielen ESG-Fonds vertreten. Bei aktiv verwalteten Fonds zählen etliche US- und globale Candriam-SRI-Fonds zu den Tesla-Schwergewichten. 

Interessanterweise stechen unter den großen Tesla-Investoren in Europa auch ETFs hervor. Hierbei handelt es sich beileibe nicht nur um Nasdaq 100-ETFs, wo Tesla ein Gewicht von rund 3,5 Prozent hat, sondern um Sektor, Themen-, Faktor- und Nachhaltigkeits-ETFs. Vor allem ETFs, die Luxusgüter-Indizes abbilden. Dort ist Tesla in größerem Umfang vertreten. 

Die ETFs mit den Top Holdings finden Sie weiter unten in der Tabelle. Der ETF mit dem höchsten verwalteten Vermögen in Tesla-Aktien ist übrigens der iShares MSCI USA SRI ETF, der knapp 180 Millionen Euro in die Aktie investiert hat. Die untere Tabelle zeigt europäische ETFs, deren Tesla-Gewichtung über deren Gewicht im Nasdaq 100 Index – 3,6 Prozent – hinausgeht. 

Tabelle: Die ETFs mit den höchsten Tesla-Quoten in EuropaEtf tesla 

Nur in geringem Umfang sind die Fonds von DWS und Union Investment in Tesla investiert. Bei der DWS fällt die Tesla-Quote im DWS US Growth mit 1,1 Prozent (Stand: Ende Juli) noch am höchsten aus. Die Deutsche-Bank-Tochter ist deutlich stärker auf der ETF-Seite in Tesla engagiert. 

Bei Union Investment haben wir Tesla nur im mit einer homöopathischen Quote von 0,7 Prozent im UniDynamicFonds: Global vorgefunden. 

Bei der Deka war per Ende Juni der Deka UmweltInvest mit einer Quote von gut 3,3 Prozent bei Tesla mit von der Partie, 0,4 Prozent lag der Tesla-Anteil im globalen Aktienfonds DekaSpezial vertreten. Wie die DWS ist die Sparkassentochter deutlich stärker mit ETFs in Tesla engagiert. 

Bei den Schweizer Anbietern ist die Credit Suisse vor allem mit Pensionsfonds mit von der Partie; bei der UBS ist es – ähnlich wie bei der DWS und der Deka – vor allem der ETF-Bereich, der – beim US-Elektrobauer engagiert ist. Dabei haben ESG-ETFs ein deutlich höheres Tesla-Gewicht als vergleichbare konventionelle ETFs. 

Fazit 

Bis auf wenige Ausnahmen wie Baillie Gifford oder – in deutlich geringerem Umfang - Allianz Global Investors scheinen aktive deutsche und europäische Asset Manager mit Tesla zu fremdeln. US-Häuser waren viel früher und in viel größerem Umfang bei Tesla engagiert, was sich in den hohen Gewichtungen von bei PGIM beispielsweise zeigt. 

Das Gros der aus den USA gesteuerten Fonds ist freilich nicht in Europa zum Vertrieb zugelassen – siehe das obere Beispiel Baron Partners. 

Ganz außen vor bleiben müssen europäische Fondsanleger dennoch nicht. Das Engagement von ETF-Anbietern wie Xtrackers, Deka, iShares oder L&G bedeutet, ermöglicht Investoren hierzulande ein Tesla-Engagement in mehr als nur homöopathischen Dosen – etwa über Nasdaq-Tracker oder Themen- und ESG-ETFs. Angesichts der Tatsache, dass Tesla nicht im Auswahl-Index S&P 500 vertreten ist, ist Tesla allerdings auch bei Index-Fonds kein Massenphänomen. 

Tesla ist unter europäischen Fonds bis auf weiteres kein Massenphänomen. Gut möglich, dass der rasante Anstieg der Aktie in diesem Jahr fundamental orientierte Fondsmanager auf dem falschen Fuß erwischt hat und sie davor zurückschrecken, zum jetzigen Zeitpunkt einen Momentum-Trade bei der hoffnungslos überteuerten Aktie einzugehen. Und das ist auch gut so. 

Neugierig, was Morningstar Analysten zu Tesla zu sagen haben? Lesen Sie hier mehr.

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Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich