Fünf häufige Anlegerfehler - und wie sie zu vermeiden sind

Selbst kleine Fallstricke können große Auswirkungen auf die Gesundheit des Portfolios haben. Wir haben fünf häufig gemachte Anlegerfehler aufgelistet – und wie sie mit einfachen Mitteln zu vermeiden sind.  

bild von einen sparschwein

Warren Buffett soll hat einmal gesagt haben: „Erfolg beim Investieren hat nichts mit dem IQ zu tun.“ Es reiche, so der Altmeister, über eine durchschnittliche Intelligenz zu verfügen. Wichtig sei vielmehr die Fähigkeit, die Triebe zu kontrollieren, die Investoren sehr oft in Schwierigkeiten brächten. 

Wir glauben, dass das ein hervorragender Leitgedanke ist: Jeder Anleger ist ein Investor! Weil aber das Investieren nicht trivial ist und insbesondere Anleger selbst häufig zwischen ihrem Portfolio und ihrem Anlageerfolg stehen, haben wir fünf Fehler aufgeführt, zu denen die meisten von uns neigen – die sich jedoch mit etwas Übung vermeiden lassen. 

Die Dinge nicht verkomplizieren 

Viele Anleger denken, dass Investieren eine komplizierte Angelegenheit ist, die man unmöglich allein bewältigen kann, geschweige denn unter dem Einsatz einfacher Mittel. Bestärkt werden sie häufig von der Finanzindustrie, die Anlegern entweder ihre – wertfrei formuliert - Expertise und/oder komplexe und teure Produkte verkaufen will. Kein Wunder, dass viele Anleger entweder vor Angst und Unentschlossenheit gelähmt sind oder aber schlechte Erfahrungen mit dem Investieren machen! 

Investieren ist nicht trivial, aber es lassen sich mit einfachen Mitteln robuste Portfolios stricken. Unsere vier Musterportfolios, die wir seit 2016 kalkulieren, können einen ersten Anhaltspunkt bieten. Und wer seit längerem über eine laufende Lebensversicherung verfügt (bei kapitalbildenden Lebensversicherungen, die Ende der 1990-er Jahre abgeschlossen wurden, gibt es jedes Jahr vier Prozent Zinsen – garantiert!), hat es sogar noch einfacher. Er braucht sich dann keine Gedanken über die Anleihen-Quote im Portfolio zu machen. Ein Aktien-Portfolio lässt sich bereits mit zwei oder drei guten und günstigen breit streuenden Fonds oder ETFs bestücken. 

„Billig“ schlägt „Teuer“ 

Die Faustregel: „Man bekommt das, wofür man bezahlt“ gilt zwar bei Konsumgütern fast immer. Wer viel bezahlt, bekommt in der Regel mehr Auto als wer weniger. Aber diese Regel gilt nicht für die Investment-Welt. Im Gegenteil: Wenn Sie weniger für einen Fonds bezahlen, haben Sie die beste Voraussetzung dafür geschaffen, mehr Geld zu verdienen als wenn Sie in einen teuren Fonds investieren würden. Das ist ein wichtiger Grund, warum Indexfonds eine so gute Bilanz gegenüber aktiv verwalteten Fonds haben. Und das Gleiche gilt natürlich für die aktiv verwalteten Fonds: je billiger sie sind, desto besser schneiden sie ab. 

Die dramatische Wirkung exponentieller Zahlen beachten 

Der Zinseszins ist die Zauberformel des Investierens, die leider häufig ignoriert wird. Leider verfahren viele Investoren nach dem Motto: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach. Sofern man noch in der Ansparphase ist, sollte man diese Weisheit tunlichst vergessen. Solche Anleger sollten das Geld für sich arbeiten lassen und auf thesaurierende Fonds und ETFs zugreifen, denn sie brauchen keine Ausschüttungen (die sich nicht mehr verzinsen, wenn man nicht umgehend die Dividende wieder investiert). Es ist auch zumeist billiger und effizienter, auf einen thesaurierenden Fonds zurückzugreifen, als selbst die Ausschüttungen wieder anzulegen. 

Die dramatische Wirkung des Zinseszinses zeigt sich auch in negativer Hinsicht: Teure Investments bremsen die Performance aus. Hier machen scheinbar kleine Zahlen einen Riesenunterschied. Fondskosten von 1,5 % sind doch gar nicht so viel mehr als 0,2 % jährlich? Das ist falsch! Über die Jahre entfaltet sich beim ersten Fonds die verheerende Wirkung des negativen Zinseszins-Effekts. Das, was Sie mehr bezahlen, fehlt bei der wundersamen Geldvermehrung! Wenn Sie 10.000 € in einen Fonds investieren, der 0,2 % kostet, und kein Kapitalwachstum annehmen, hätten Sie nach 20 Jahren noch 9.608€ übrig. Würde der Fonds jedoch 1,5 % berechnen, hätten Sie nach diesem Zeitraum nur noch 7.391 € übrig. Vernachlässigen Sie also nie die vermeintlich kleinen Zahlen! 

Liquidität ist essenziell für Privatanleger 

Das Nullzinsumfeld ist Kröte, die man als Privatinvestor aber schlucken muss. Es ist essenziell, einen Notvorrat an Bargeld zu halten. Viele Finanzplaner empfehlen, mindestens den Gegenwert von drei bis sechs Netto-Monatsgehältern auf dem Cash-Konto zu parken. Dieses Geld verzinst sich nicht nur nicht, sondern wird auch laufend von der (immerhin: nicht besonders hohen) Inflation angenagt. Das sollten Sie hinnehmen, auch wenn Sie da draußen zehn verschiedene superattraktive Investments identifiziert haben! 

Sollten Sie wegen Krankheit oder Arbeitslosigkeit oder anderen Umständen kurzfristig Cash benötigen, wäre es unter Umständen eine sehr kostspielige Angelegenheit, das Portfolio in einer Notlage zu liquidieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie umso dringender hoch-performante Investments für Ihr Portfolio benötigen. Das ist auch ein Grund dafür, solche Fonds zu vermeiden, die langfristig selbst hohe Cash-Quoten fahren. Doppelt gemoppelt sollte es dann doch nicht sein mit dem Nullzins-Cash! 

Ignorieren Sie die täglichen Börsennachrichten

Im Laufe der Jahre haben Investoren Zugang zu immer mehr Informationen bekommen. Früher gab es den Wirtschaftsteil der Zeitung, in dem die Nachrichten von gestern und vorgestern abgedruckt waren, heute gibt es 1.000 und mehr Nachrichtenkanäle, die Sie in Echtzeit mit Informationen bombardieren. Doch die Nachrichtenflut hilft Ihnen nicht, Ihr Portfolio besser zu positionieren. Zum einen sind mit Sicherheit 99% der Informationen schlicht irrelevant. Zudem verwenden die Hundertausenden Finanzprofis sehr viel Zeit darauf, dem Nachrichtenfluss voraus zu sein. Wenn wir also von einem Ereignis lesen oder es im Internet verfolgen, ist es in der Regel bereits in den Wertpapierkursen eingepreist. 

Ein effektiverer Ansatz wäre es, sich von den Bewertungen leiten zu lassen. Dann entdecken Sie die echten Schnäppchen. Sie können dann Aktien oder Märkte im Portfolio aufstocken, die unterbewertet sind. Das ist ein besserer Anhaltspunkt für die Marktperformance als die Nachrichtenlage ständig zu verfolgen. Auf morningstar.de können Sie auf der Startseite unser globales Marktbarometer tagesaktuell verfolgen, das die Bewertungen aller großen Welt-Aktien-Märkte anhand unserer Bewertungs-Methodik widerspiegelt.

Verpassen Sie nichts! Mit unseren Morningstar Research Newslettern für Investoren bekommen Sie zeitnah, gratis und in verständlicher Sprache das wichtigste Research von Morningstar frisch auf den Tisch! Hier können Sie sich für unsere Fonds- und für den ETF-Newsletter anmelden - und immer auf dem Laufenden bleiben!

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah und Valerio Baselli  Ali Masarwah ist Chefredakteur von Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz, Valerio Baselli ist leitender Redakteur bei Morningstar in Paris

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