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Jahr des Tigers: 4 Treiber für Aktien

Anleger in China hoffen, dass das Jahr des Tigers bessere Aktienrenditen bringt als das Jahr des Ochsen

James Gard 01.02.2022
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Children with model tigers

China steht in dieser Woche mit zwei wichtigen Ereignissen im internationalen Rampenlicht: Am heutigen Dienstag beginnt das Jahr des Tigers, am Freitag starten in Peking die Olympischen Winterspiele.

Investorinnen und Investoren hoffen, dass das neue Mondjahr mehr Glück bringt als das Jahr des Ochsen, das jetzt zu Ende ging. Die Eingriffe der chinesischen Regierung in Schlüsselsektoren des Landes haben die Märkte verunsichert und der weltweite Ausverkauf im Technologiesektor zu Jahresbeginn hat sich auch auf China ausgewirkt. Als ob das nicht schon genug wäre, erinnerte die Krise bei Evergrande die Welt daran, dass China in Sektoren wie dem Immobiliensektor überhitzen kann.

Dank der raschen Erholung von der Pandemie war China 2020 der Aktienmarkt mit der besten Performance weltweit, aber das scheint lange her. Heute verfolgt das Land eine Politik der Eindämmung von Covid-19, die bestimmte Wirtschaftszweige wie etwa die Bauwirtschaft bremsen könnte. Der Morningstar China Index fiel 2021 um 21%, nachdem er 2020 um mehr als 30% gestiegen war. Seit Beginn dieses Jahres sank der Index um fast 5%.

Morningstar betreibt Research für eine Reihe von Schwellenländerfonds, aber diese werden von chinesischen Aktien dominiert, und nur zwei China-spezifische Fonds werden mit Bronze und besser bewertet: der FSSA Greater China Growth mit einem Gold-Rating und der JP Morgan China Growth & Income (JCGI) mit Silber. Dem FSSA-Fonds gelang es, sich dem Trend der Indexschwäche zu widersetzen und 2021 einen Zuwachs von 4,7% zu erzielen; 2020 hatte er um 27% zugelegt. Der Anteilspreis des JP Morgan Fonds fiel 2021 um 25%, nachdem er 2020 kometenhaft um 95% gestiegen war.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf einige der Schlüsselthemen in Chinas Jahr des Tigers, die wir mit Hilfe von Fondsexperten zusammengestellt haben.

 

Regulierung

Pekings Eingriffe im letzten Jahr reichten vom Bildungssektor bis zu Computerspielen und die Anleger erschraken über das Ausmaß und die Plötzlichkeit der Maßnahmen. Unter dem Motto "Gemeinsamer Wohlstand" demonstrierte Xi Jinping die Macht der Regierung, die Wirtschaft nach Belieben zu gestalten, und erinnerte die Fans von Schwellenländern einmal mehr an das politische Risiko.

Dale Nicholls, Manager des China Special Situations Investment Trust (FCSS) von Fidelity, ist der Meinung, dass ein gewisses Maß an Turbulenzen auf lange Sicht der Wirtschaft guttut.

"Die Chancen stehen gut, dass wir den Höhepunkt der regulatorischen Reformen, insbesondere im Technologiesektor bereits erreicht, wenn nicht sogar überschritten haben. Ich erwarte nicht, dass die Intensität weiter anhält, die wir im letzten Jahr und Ende 2020 gesehen haben.“

Pekings Ziel, den wachsenden Wohlstand Chinas zu verteilen, könnte als Chance gesehen werden, ergänzt Jimmy Chen, Manager des Comgest Growth China Fund. "Stockpicker wie wir müssen bei ihrer Aktienauswahl die Pläne der Regierung und das regulatorische Risiko einbeziehen. Wir fragen uns, ob die Aktien in unserem Portfolio mit den Zielen der Regierung übereinstimmen oder nicht. So einfach ist das."

Marken, die von den steigenden Einkommen profitieren, sind der Juwelier Chow Tai Fook, die Sportbekleidungsmarke Anta und der Haushaltsgerätehersteller Midea - allesamt einheimische Erfolge.

 

Bewertungen

Ende 2020 herrschte die übereinstimmende Meinung, dass der chinesische Aktienmarkt recht hoch bewertet, wenn nicht überbewertet sei. Nach einer für Anlegerinnen und Anleger schmerzhaften Zeit könnte jetzt das Gegenteil gelten. Während sich in den USA die große Tech-Blase gerade erst aufzulösen beginnt (diese Ansicht vertritt mein Kollege John Rekenthaler), haben chinesische Aktien diesen Schritt bereits hinter sich, argumentiert Darius McDermott, der Geschäftsführer von FundCalibre.

"Die drastischen Kursrückgänge der letzten sechs bis zwölf Monate haben die Bewertungen vieler chinesischer Qualitätsunternehmen auf ein wesentlich attraktiveres Niveau gebracht und viele der Faktoren, die den chinesischen Aktienmarkt am meisten belasten, haben sich entweder verflüchtigt oder spiegeln sich nun weitgehend in den Aktienkursen wider oder beides", sagt er.

Chinesische Aktien werden im Vergleich zu US-Aktien mit einem Abschlag von 35% gehandelt. Das ist der größte Abschlag seit der Finanzkrise in den 1990er Jahren, so Jacob Mitchell, Gründer und Chief Investment Officer von Antipodes Partners. Einige Unternehmen sind jedoch trotz des Ausverkaufs immer noch teuer, meint Wenchang Ma, Co-Portfoliomanager des All China Equity bei Ninety One. "Einige chinesische Unternehmen werden zu übertriebenen Multiples gehandelt, die weit über ihrem Gewinnpotenzial liegen", sagt er.

 

Inflation und Zinserhöhungen

Während sich die westliche Welt auf eine Reihe von Zinserhöhungen vorbereitet, um die Inflation einzudämmen, scheint China in die entgegengesetzte Richtung zu gehen und die geld- und fiskalpolitischen Bedingungen zu lockern. "2022 könnte das Jahr sein, in dem die Inflation weltweit steigt. In diesem Fall könnte sich China als Ort der Zuflucht erweisen, da die Inflation hier niedrig bleibt und die Geldpolitik gelockert wird", sagt Chen von Comgest.

In China selbst haben unterdessen die Befürworter einer entgegenkommenden Politik (die Geld für angeschlagene Sektoren wie Immobilien bereitstellt) die Oberhand gewonnen. Das ist der Standpunkt von Gero Jung, Chefökonomen von Mirabaud Asset Management. Die Geschäftsbanken senken die Kreditzinsen, was den Immobilienmarkt stützen dürfte.

Die unterstützenden Maßnahmen der chinesischen Zentralbank PBOC könnten den Aktienrenditen ebenfalls zugutekommen, zumindest kurzfristig, meint Janet Mui, Leiterin der Marktanalyse beim Vermögensverwalter Brewin Dolphin. "In der Vergangenheit ist der Anstieg der Liquidität ein wichtiger Faktor für die Erholung des chinesischen Aktienmarktes gewesen – vermutlich mehr als die wirtschaftlichen oder unternehmerischen Fundamentaldaten", sagt sie.

 

Allgegenwärtige Geopolitik

Chinas Wirtschaft und Aktienmarkt könnten im Jahr des Tigers ein gutes Ergebnis erzielen, aber zu welchem Preis? Für Anlegerinnen und Anleger gibt es viele Gründe, sich wegen des kriegerischen Charakters des Regimes von Xi Jinping Sorgen zu machen. Das Ende der Ära Trump hat in den Beziehungen zwischen den USA und China keine Phase der Entspannung eingeläutet, vielmehr ist der Handelskrieg zwischen beiden Nationen nach wie vor in vollem Gang. Darüber hinaus haben die jüngsten Krisen von Kasachstan bis zur Ukraine Russlands Macht gestärkt und es in Richtung China gezogen und damit gehen den Westen positioniert.

Im Pazifik baut China seine Seemacht weiter aus und bereitet damit vor allem Japan und Taiwan Sorgen, und die Unruhen in Hongkong sind nach wie vor aktuell. Die Olympischen Winterspiele lenken die Aufmerksamkeit auf die Behandlung der uigurischen Minderheiten durch China. Die New York Times brachte am Wochenende eine ganzseitige Anzeige der Elie Wiesel Foundation for Humanity, der Menschenrechtsorganisation des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel. Die Anzeige forderte Sportler und Unternehmenssponsoren auf, die Spiele zu boykottieren, wenn Peking keine Schritte zur Wiedervereinigung uigurischer Familien unternimmt.

Guy Monson, Chief Investment Officer bei Sarasin & Partners, sagt, dass sich Peking weiterhin gegen die USA und andere Handelspartner stellt. "Chinas Abkehr vom Westen verstärkte sich 2021 mit seiner zunehmenden Anmaßung gegenüber Taiwan, seinem strengeren Sicherheitsregime in Hongkong und seiner restriktiven Wirtschaftspolitik gegenüber Ländern wie Litauen, Kanada und Australien", sagt er.

Chetan Sehgal, leitender Portfoliomanager des Templeton Emerging Markets Investment Trust (TEMIT), sagt, dass das politische Patt zwischen den USA und China weiterhin Auswirkungen auf die Börsennotierungen von Unternehmen aus beiden Ländern hat. "Die USA haben vor kurzem Vorschriften erlassen, die das Delisting chinesischer Unternehmen von US-Börsen erzwingen, wenn sie den Prüfungen durch US-Behörden und anderen Anforderungen nicht nachkommen", so Sehgal.

STICHWÖRTER
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Über den Autor

James Gard  ist Redakteur bei Morningstar.