Isar 2 und Neckarwestheim bleiben in Einsatzreserve

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich mit den Betreibern der Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim darauf geeinigt, dass sie bis Mitte April 2023 weiterbetrieben werden können. 

Antje Schiffler 28.09.2022
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Isar 2Einsatzreserve scheint dabei konkret zu bedeuten, dass die Anlagen nach 1 bis 3-wöchigen Reparaturarbeiten im Herbst bei dann reduzierter Last bis ins Frühjahr laufen werden. Man gehe aktuell davon aus, dass man die "Reserve" ziehen werde und die beiden Kernkraftwerke im ersten Quartal 2023 am Netz sind. "Stand heute halte ich das für notwendig", so Habeck. 

Das dritte noch aktive deutsche Kraftwerk im niedersächsischen Emsland wird nicht Teil der Notfallreserve und wird planmäßig Ende des Jahres vom Netz genommen. Zwar könne auch das KKW einen gewissen Beitrag zur Netzstabilität leisten, aber nicht in dem Maße wie die beiden süddeutschen Meiler, hieß es zur Begründung. 

Konkret könnte Isar 2 den Betrieb mit dem aktuellen Reaktorkern übers Jahresende hinaus bis voraussichtlich Anfang März 2023 fortsetzen. Dabei können zwischen anfänglich etwa 95% der Leistung bis später etwa 50 % der Leistung bereitgestellt werden. Insgesamt könnten rund 2 TWh Strom produziert werden.

Zur Beseitigung von Druckhalter-Leckagen wird die Anlage bis spätestens Ende Oktober für eine Woche für Reparaturarbeiten stillgelegt. Aufgrund der sinkenden Reaktivität des Reaktorkerns ist ein Wiederanfahren des Reaktors mit demselben Kern nach dem Jahresende nicht möglich - was im Endeffekt wohl heißt, dass es mit oben genannten Leistungen laufen wird. Denn einmal abgestellt heißt, dass es ohne Austausch des Kerns (was 4 bis 6 Wochen) auch nicht wieder hochfahren kann. 

Neckarwestheim 2 wird den Plänen zufolge noch dieses Jahr für 2-3 Wochen rekonfiguriert. Nach dem Wiederanfahren könnte es bis Mitte April in Betrieb bleiben und rund 1,7 TWh Strom erzeugen. Vor allem geht es Habeck darum, die als besonders kritisch eingeschätzen Monate Januar und Februar zu überbrücken. 

 

Fehlender Atomstrom aus Frankreich

Das BMWi bezieht sich auf die Versorgungssituation in Frankreich. Mehr als die Hälfte der dortigen Atomkraftwerke ist nicht am Netz, es fehlen daher Strommengen, die Deutschland zum Teil mit Strom aus Gaskraftwerken ausgleicht. Entwickelt sich die Lage in Frankreich schlecht, verschärfen sich die Stressfaktoren für das deutsche Stromsystem.

Der Minister erklärte dazu: "Von ursprünglich angegebenen 50 GW an Leistung aus den dortigen Atomkraftwerken im Winter ist nicht mehr auszugehen. Der französische Stresstest des dortigen Übertragungsnetzbetreibers rechnet in Kernszenarien nur noch mit 45 GW und das nur für zwei Wochen im Januar", so Habeck. Ende Februar stünden den Daten zufolge nur noch 40 GW zur Verfüging.

Frankreich musste die KKW vom Netz nehmen, weil während der sommerlichen Hitzewelle nicht ausreichend Kühlwasser zur Verfügung stand. Das Flusswasser wird beim Einsatz zum Kühlen um mehrere Grad erwärmt, doch die Betreiber müssen Auflagen für Höchsttemperaturen der Flüsse einhalten.

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Über den Autor

Antje Schiffler  ist Redakteurin bei Morningstar in Frankfurt.