Diese deutschen Aktien sind zurzeit unterbewertet

Zahlreiche deutsche Aktien notierten zurzeit im unterbewerteten Bereich: Hier ein Blick auf die aktuellen Morningstar-Ratings. 

Antje Schiffler 05.12.2023
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Deutsche BörseMorningstar-Analysten beobachten rund 1.740 Aktien. Diese werden mit Sternen bewertet - je nachdem, ob der Analyst die Aktie für über- oder unterbewertet hält. Die Titel, die als unterbewertet gelten, erhalten ein Sterne-Rating von 4 und 5. Überbewertete Aktien erhalten 1 oder 2 Sterne.

Wir blicken heute auf die 49 deutschen Unternehmen in der Abdeckung. Der DAX bewegt sich auf Rekordhöhen, doch weiterhin notieren 25 Titel im unterbewerteten Bereich (Daten per 4. Dezember 2023). Bei unserer letzten Untersuchung Anfang Oktober waren noch 29 Aktien unterbewertet, hatten also eine Bewertung von 4 oder 5 Sternen.

Die Methodik: Unsere Analysten bewerten Aktien anhand der Kennzahl "Kurs/Fairer Wert" oder Price/Fair Value. Ein Kurs-/ Fair Value-Verhältnis von 1 bedeutet, dass das Unternehmen fair bewertet ist, während ein Wert um 2 bedeutet, dass er doppelt so hoch bewertet ist wie der faire Wert (und die Aktie somit überbewertet ist).

Dies heißt also, dass wir davon ausgehen, dass Anleger über einen mehrjährigen Anlagehorizont hinweg eine Rendite erzielen würden, die unterhalb einer angemessenen risikobereinigten Rendite liegt. Das Sterne-Rating für Aktien wird bei Marktschluss börsentäglich neu berechnet. Das Kurs-/ Fair Value-Verhältnis einer Aktie wird also fortlaufend aktualisiert.

 

 

 

Die Fair Value-Schätzung für die Autotitel Mercedes Benz (MBG), Volkswagen (VOW3) und BMW (BMW) haben unsere Analysten in den vergangenen Monaten allesamt hochgeschraubt. „BMW übertrifft trotz der Unsicherheiten durch die Mikrochip-Knappheit weiterhin die Entwicklung des gesamten Automobilmarktes und ist einer der wenigen Automobilhersteller, denen wir einen Economic Moat zuweisen“, schreibt Morningstar-Aktienanalyst Richard Hilgert. Die Marke dürfte vom wachsenden Wohlstand in den Schwellenländern profitieren.

Die Schätzung für den Konzernumsatz 2023 für Mercedes Benz belässt der Analyst nach den Quartalszahlen unverändert bei 150,6 Mrd. EUR, senkte aber die Schätzung für die bereinigte EBIT-Marge um 80 Basispunkte auf 12,2 % (das untere Ende der neuen Managementprognose). „Aufgrund anhaltender Unsicherheiten wie geopolitischen Konflikten, inflationärem Kostendruck und einer sich abschwächenden Konjunktur in den wichtigsten Automobilmärkten haben wir unsere Prognose stets nach unten korrigiert“, betonte Hilgert Ende Oktober.

Die Schätzung für den Konzernumsatz 2023 liegt unverändert bei 150,6 Mrd. EUR, aber wir haben unsere Annahme für die bereinigte EBIT-Marge des Konzerns um 80 Basispunkte auf 12,2 % (das untere Ende der neuen Managementprognose) gesenkt, gegenüber 13,0 % in unserem vorherigen Modell. Beim aktuellen Kurs wird der Titel weiterhin im 5-Sterne-Bereich gehandelt.

Deutlich abgesenkt wurde die Schätzung des fairen Wertes für die Bayer AG (BAYN). Hintergrund sind die schleppende Innovationskraft des Unternehmens, aber natürlich auch die Probleme rund um den Rechtsstreit um Glyphosat. Aufgrund der hohen Verschuldung des Unternehmens und der unklaren Rechtslage im Zusammenhang mit Glyphosat erhöht Analyst Damien Conover zudem das Uncertainty Rating von Bayer von Mittel auf Hoch. Die Aktie des Medizin- und Agrarkonzerns ist seit Jahresbeginn über 35% in den Keller gesackt.

Auch für Fresenius Medical Care (FME) haben die Morningstar-Analysten die Schätzung des Fairen Wertes bereits im Oktober heruntergestuft auf nun 50 Euro je Aktie. Die Aktie war im Oktober angesichts des Erfolgs einer Studie des Insulinherstellers Novo Nordisk (NOV) abgestürzt. Novo Nordisk hatte die Studie zur Wirkung des Arzneimittels Ozempic wegen positiver Ergebnisse vorzeitig beenden können. Mit Ozempic kann Nierenversagen bei Diabetespatienten behandelt werden, was das Dialysegeschäft von FME in Frage stellte. Gleichzeitig erfuhr das Arzneimittel einen Hype als „Abnehmspritze“. Die endgültigen Ergebnisse der Studie werden nun für Anfang 2024 erwartet.

„Unmittelbar nach dieser Nachricht von Anfang Oktober 2023 haben wir unsere langfristigen Wachstumserwartungen für den Dialyseendmarkt gesenkt, insbesondere für die letzten Jahre unseres 10-Jahres-Prognosezeitraums, sowie unsere längerfristigen Annahmen, weil der potenzielle Zulauf von Dialysepatienten negativ beeinflusst werden könnte, wenn diese Medikamente die Ursachen der Nierenerkrankung reduzieren“, bemerkt Morningstar-Aktienanalystin Julie Utterback. Der Titel notiert zurzeit im 4 Sterne-Bereich.

Gute Noten von unseren Analysten bekommt die Allianz. Das Unternehmen sei einer der leistungsstärksten Multiline-Versicherer innerhalb unserer europäischen Versicherungs-Abdeckung. „Das Unternehmen kombiniert eine einzigartige Palette von Vermögenswerten, um überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. In seiner Schaden- und Unfallversicherung hat das Unternehmen weiter in Technologie und Daten investiert, um nicht nur die Kundenerfahrung zu verbessern, sondern auch die Bearbeitung von Policen und Schäden zu verbessern“, so Morningstar-Analyst Henry Heathfield.

„Wir sind der Meinung, dass die Allianz eines der leistungsstärksten Lebens- und Krankenversicherungsgeschäfte hat. Während die traditionellen europäischen Multiline- und Lebensversicherer durch die hohen Kapitalanforderungen für garantierte langfristige Spareinlagen belastet wurden, hat die Allianz ihr Portfolio sehr effektiv neu positioniert.“ Dabei profitiert der Versicherer auch vom Geschäft des Asset Managers Pimco, der zur Allianz gehört. Die Allianz-Aktie wurde zuletzt einem Preis-/Fair Value-Verhältnis von 0,89 gehandelt.

 

 

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie sind weder als Aufforderung noch als Anreiz zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers oder Finanzinstruments zu verstehen. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sollten nicht als alleinige Quelle für Anlageentscheidungen verwendet werden.

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Über den Autor

Antje Schiffler  ist Redakteurin bei Morningstar in Frankfurt.