Japan erhöht zum ersten Mal seit 17 Jahren die Zinsen

Kreditkosten nach Zinserhöhung der Bank of Japan jetzt im positiven Bereich.

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Mount Fuji, Japan

Die Bank of Japan hat eine lange Zeit der Spekulationen beendet, indem sie zum ersten Mal seit 17 Jahren die Zinssätze erhöht hat. Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, in dem der Druck auf die Zentralbanken in Europa und in den USA wächst, die Leitzinsen nach einer Reihe von aggressiven Zinserhöhungen zu senken (Lesen Sie hier - auf Englisch - die Einschätzung unseres europäischen Marktstrategen zu anstehenden Zinssenkungen).

In Japan wurde der kurzfristige Leitzins von -0,1% auf 0% bis 0,1% angehoben, was technisch gesehen keine große Veränderung darstellt, aber symbolisch ist, da es das Ende der Ära der negativen Zinsen markiert. Das umstrittene Programm zur Steuerung der Renditekurve wurde ebenfalls beendet, ebenso wie der Kauf von ETFs und Immobilienfonds durch die Zentralbank.

Auch in Japan gibt es Inflation

Nach vielen Jahren des Kampfes gegen die Deflation liegt die Inflation in Japan nun über dem Zielwert von 2%, was auf die ersten Lohnerhöhungen für japanische Arbeitnehmer seit Jahrzehnten zurückzuführen ist. Auch die inländischen Unternehmen konnten nach einer langen Phase stabiler und fallender Preise die Kostensteigerungen an die Verbraucher weitergeben.

Nach dem erwarteten Schritt der Bank of Japan stiegen die japanischen Aktienindizes nach einer Periode der jüngsten Rekordhöhen leicht an. Der Morningstar Japan Index ist im bisherigen Jahresverlauf um fast 9% gestiegen und hat in 10 Jahren 124% zugelegt.

Trotz der Zinserhöhung fiel der Yen gegenüber den wichtigsten Währungen, wobei der Kurs USD/JPY über ¥150 und GBP/JPY über ¥190 stieg. Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst der Swissquote Bank, veröffentlichte heute Morgen eine Notiz mit dem Titel "Where are the yen bulls?". Der lang erwartete Schritt der BoJ sollte das Schicksal des Yen umkehren - und viele Devisenhändler glauben an einen Aufschwung des Yen in diesem Jahr - aber heute hat er nicht die erwarteten Auswirkungen auf die Währung gehabt. "Die Kursentwicklung deutet auf eine einmalige Maßnahme der BoJ hin", so Ozkardeskaya.

"Beachten Sie, dass die heutige Entscheidung den Yen auf einen Aufwärtstrend schicken sollte. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich nicht, was eine Long-Position im Yen zum besten Handel des Jahres machen würde."

Naomi Fink, Global Strategist und Managing Director bei Nikko Asset Management, bekräftigte den Gedanken, dass die Märkte nicht mit weiteren Zinserhöhungen der BoJ rechnen, was einen Teil der Währungsschwäche erklären könnte.

"Wir sind jetzt in einer abwartenden Haltung, insbesondere angesichts der 'Unsicherheit', die nicht nur von Japan, sondern auch von den Volkswirtschaften in Übersee ausgeht", sagte sie.

"Es gibt keinen unmittelbaren Katalysator, der die BOJ zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen könnte. Anzeichen für ein reales Einkommenswachstum, anhaltende produktivitätssteigernde Investitionen und eine positive Stimmung bei den Unternehmen sowie eine Erholung des Inlandsverbrauchs müssen abgewartet werden, bevor ein nächster Schritt unternommen wird, da die Reflation so verläuft, dass die Stimulierungsmaßnahmen ganz bewusst zurückgefahren werden können.

Das wirtschaftliche Erbe von Shinzo Abe

Howe Chung Wan, Managing Director und Head of Asian Fixed Income bei Principal Asset Management, ist der Ansicht, dass die Zinsänderung lange auf sich warten ließ und die Früchte der von dem verstorbenen Premierminister Shinzo Abe eingeleiteten Veränderungen, die als "Abenomics" bekannt sind, darstellt.

"Ich glaube, dass Japan auf diesen Moment hingearbeitet hat - es ist mehr als ein Jahrzehnt her, seit 'Abenomics' eingeführt wurde, um zwei Jahrzehnte eines deflationären Umfelds zu bekämpfen.

"Dieses umfassende politische Paket, das geld- und fiskalpolitische sowie soziale, arbeits- und wirtschaftspolitische Reformen umfasst, hat nun ein reifes Umfeld für eine beginnende Erholung Japans geschaffen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung noch nie ein wachstumsstarkes Japan erlebt hat, so dass es Zeit braucht, um Vertrauen aufzubauen."

Japans (langsame) Revolution der Governance

Eine von Abes wichtigsten Reformen betraf die Unternehmensführung, die nach Ansicht von Experten zu einem Teil der Börsengewinne der letzten Jahre beigetragen hat. Einige Investoren aus dem Ausland haben die Geduld mit den vielen Fehlschlägen der letzten Jahre verloren. Japans Aktienmarktrallye hat keinen offensichtlichen Aufhänger wie der derzeitige KI-Boom in den Vereinigten Staaten. Leslie Norton von Morningstar vertrat jedoch kürzlich die Ansicht, dass die hohen Aktienmarktwerte von Dauer sein können.

Das vorherrschende Narrativ in der Ära der hohen Inflation ist, dass Japan irgendwie immun gegen den globalen Preisdruck ist, dass seine Wirtschaft einzigartig ist und sich auf einem anderen Weg befindet als die des Westens. David Mitchinson, Fondsmanager bei Zennor Asset Management, vertritt die Ansicht, dass die Verflechtung der Kapitalmärkte bedeutet, dass der Schritt der BoJ auch anderswo Auswirkungen haben wird:

"Dies ist eine strukturelle Veränderung, die für Japan und für die globalen Kapitalmarktströme sehr wichtig ist. Die USA zum Beispiel konnten sich auf die hohen japanischen Ersparnisüberschüsse verlassen, um ihr Defizit zu finanzieren. Angesichts der steigenden Zinsen in Japan und der hohen Absicherungskosten ist dies zunehmend unattraktiv. Werden sich diese Ströme umkehren? Welche Auswirkungen wird das auf die US-Zinsen haben?"

Disee Wochen stehen Zinsentscheide der Federal Reserve und der Bank of England an, und es wird erwartet, dass beide die Zinssätze beibehalten. Auch die Schweizer Nationalbank entscheidet am Donnerstag. 

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie sind weder als Aufforderung noch als Anreiz zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers oder Finanzinstruments zu verstehen. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sollten nicht als alleinige Quelle für Anlageentscheidungen verwendet werden.

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Über den Autor

James Gard  ist Redakteur bei Morningstar.