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Wie viel Risiko können Sie tragen?

Die Risikoneigung und der Zeithorizont sind in diesem Marktumfeld unumgänglich.

Sonya Morris, CFA 23.10.2008
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Vor dem Hintergrund von Talfahrt und Zickzackkursen an den internationalen Finanzmärkten ist in letzter Zeit viel von Risiko die Rede. Für Anleger steht dabei das Verlustrisiko an erster Stelle. Auch wenn der Blick ins Depot gerade sehr schmerzhaft ist – denken Sie daran, dass die Verluste momentan nur auf dem Papier stehen. Ein dauerhafter Verlust entsteht letztendlich erst dann, wenn Sie verkaufen. In der Vergangenheit sind diejenigen am besten gefahren, die dran blieben. Die Märkte haben sich immer wieder erholt, auch wenn es zwischenzeitlich zu starken Kursverlusten kam. Daher sollten Anleger, die über einen ausreichenden langen Investmenthorizont verfügen, jetzt nicht die Nerven verlieren.

Anleger sorgen sich nicht nur über Verlustrisiken. Auch die Risiken, die durch hohe Ku

rsschwankungen bedingt sind, sorgen für große Verunsicherung. Wer Aktien kauft, rechnet mit einer gewissen Volatilität, doch auf die dramatischen Bewegungen, die wir in letzter Zeit an den Märkten gesehen haben, waren wohl wenige gefasst.

Volatilität beschleunigt den Kreislauf aus Angst und Gier

Die Volatilität der Wertpapierkurse kann Anlegern auf verschiedene Art und Weise zu schaffen machen. Zunächst einmal kommt es bei Kursschwankungen sehr stark auf das Timing an. Jeder Anleger hat schon volatile Zeiten erlebt, doch relevant ist vor allem, wann dieses Auf und Ab stattfindet. Besonders schmerzhaft sind die aktuellen Kursschwankungen für diejenigen Aktiensparer, die gerade in den Ruhestand getreten sind, ist doch ihre Altersvorsorge stark im Wert gesunken. Auch wenn die Märkte sich letztendlich wieder fangen werden, bleibt ihren Depots nur wenig Zeit zur Erholung. Die jetzige Börsenkrise könnte sich also sehr deutlich auf ihr zukünftiges Einkommen auswirken.

Der vielleicht gefährlichste Aspekt der Volatilität ist ihre Auswirkung auf das Anlegerverhalten. Starke Kursschwankungen verleiten Anleger dazu, einen der gängigsten Fehler bei der Kapitalanlage zu machen: zu teuer zu kaufen und zu billig zu verkaufen. Dieses Verhalten ist auch in der gegenwärtigen Krise zu beobachten. Damit werden Verluste auf dem Papier zu echten Verlusten. Wir haben die Kehrseite dieses Verhaltens auch in steigenden Märkten gesehen: Sobald ein Fonds mit eindrucksvollen Zahlen glänzt, stehen viele Anleger Schlange. Der Preis für eine spektakuläre Rendite ist aber meist ein hohes Risiko. Unsere Analyse der Anlegerrendite (Rendite einer Anlage unter Berücksichtigung der Käufe und Verkäufe) zeigt, dass Anleger mit sehr volatilen Fonds nicht gut zurechtkommen. Die tatsächliche Anlegerrendite liegt bei solchen Fonds oft unter der offiziell ausgewiesenen Fondsrendite, die nicht berücksichtigt, wann die Anlagen getätigt wurden.

Überprüfen Sie Ihre Risikotoleranz

Um solche typischen Fehler zu vermeiden, sollten Anleger ihre eigene Risikotragfähigkeit genau hinterfragen. Wie es so schön heißt: Wenn Sie sich selbst nicht kennen, ist der Aktienmarkt ein teures Pflaster, um dies nachzuholen. Und tatsächlich werden Anleger momentan auf eine harte Probe gestellt. Für eine vernünftige und auch profitable Anlagestrategie sollten Sie genau wissen, inwieweit Sie Kursverluste aussitzen können. Wer eher vorsichtig ist und eine geringe Risikoneigung hat, sollte volatile Anlagen meiden und auf eine ausreichende Risikostreuung achten. Zudem sollte man seine Anlageziele (und vor allem den Anlagehorizont) berücksichtigen. Je weniger Zeit noch verbleibt, bis sie auf Ihr Kapital zurückgreifen möchten, desto mehr kommt es darauf an, die Volatilität zu reduzieren. Anleihen und andere stabilere Anlageformen sind dann die beste Wahl.
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Über den Autor

Sonya Morris, CFA  Sonya Morris, CFA, is Associate Director of Fund Analysis at Morningstar.