Ist Ihr Portfolio diversifiziert?

Naiv konstruierte Portfolios sind oft hoch konzentriert, ohne dass sich Anleger dessen bewusst sind. Wir analysieren diese wenig beachtete Risikoquelle - und weisen Anleger auf Lösungen hin.

Barbara Claus 11.10.2013

Was sind Klumpenrisiken?

Klumpenrisiken sind Risiken, die aus Konzentrationen auf Länder-, Branchen- oder Einzeltitelebene innerhalb eines Investments bzw. Portfolios entstehen. Das Risiko äußert sich dahingehend, dass der Wert einzelner Anlagen, beispielsweise innerhalb einer Branche, in der Regel hoch mit deren Gesamtentwicklung korreliert ist.

Ein Beispiel veranschaulicht dies: Besteht das Portfolio eines Anlegers nur aus Daimler-Aktien, ist es hochkonzentriert. Das Klumpenrisiko ist also groß. Kauft dieser Anleger nun zusätzlich BMW-Titel hinzu in der Absicht, das Risiko zu streuen, wird seine Bemühung höchstwahrscheinlich vergeblich sein. Denn die Performance der beiden Aktien wird sich in der Regel ähnlich entwickeln; die Rendite des Zwei-Aktien-Portfolios wird zudem weitgehend der Performance des Automobilsektors folgen.

Die hohe Korrelation der Renditen der Automobilbranche erklärt, warum der Diversifikationseffekt (Risikostreuungseffekt) durch die Hinzunahme eines weiteren Wertes, in diesem Fall BMW, gering ausfällt. (Der Einfachheit halber  lassen wir in diesem Beispiel unternehmensspezifische Aspekte außen vor.) Bei einem Portfolio, in dem Automobilaktien ein hohes Gewicht haben, besteht also aufgrund der hohen Korrelation der Automobilaktien untereinander ein Klumpenrisiko.

Der Diversifikationsgedanke wird vielen von Ihnen bereits bekannt sein, doch finden sich in der Praxis viele Beispiele für Klumpenrisiken, auf die ich an dieser Stelle näher eingehen möchte.

Nicht jeder Index ist automatisch auch diversifiziert

Auch wenn Indizes, verglichen mit Einzeltiteln, alleine aufgrund ihrer relativ hohen Anzahl an einzelnen Investments eine höhere Risikostreuung aufweisen, heißt das noch lange nicht, dass ihre Diversifikation auch optimal ist. Beispiele gibt es hierfür genug: So ist der DAX-Index, der für viele deutsche Investoren ein Basisinvestment darstellt, verglichen mit anderen Indizes wie dem MSCI World oder dem S&P500, ein recht schwankungsanfälliges Investment. Dies liegt darin begründet, dass konjunktursensible (zyklische) Unternehmen stark überrepräsentiert sind und defensive Titel nur eine Nebenrolle spielen. So hat der Sektor der nichtzyklischen Konsumgüter gerade einmal einen Anteil von 2,7%. Dessen Vertreter, zu denen Coca Colas oder Nestle gehören, haben sich bisher in Krisenphasen als besonders resistent erwiesen.

Ein weiteres Beispiel für Klumpenrisiken, sowohl auf Branchen- als auch auf Einzeltitelebene, liefert der Schweizer Leitindex SMI (Swiss Market Index) – unter umgekehrten Vorzeichen als beim DAX. Hier machen die defensiven Branchen Gesundheitswesen und nichtzyklische Konsumgüter ungefähr zwei Drittel des Index aus, vor allem abgebildet durch die Aktie von Nestle mit über 20% Gewicht, gefolgt von Novartis (19%) und Roche (17%).

Auch globale Indizes sind nicht automatisch hinreichend diversifiziert. Der bekannte und beliebte Aktienindex MSCI World beispielweise besteht zu ca. 53% aus US-Aktien, die gleichzeitig neun der zehn am stärksten gewichteten Aktien stellen.

Konzentrationen auf Fondsebene

Auch bei aktiv verwalteten Fonds lohnt sich der Blick auf die Aufstellung der Portfolios, doch ist das Thema „Diversifikation“ hier etwas differenzierter zu betrachten. Für Anleger ist es zwar beruhigend zu wissen, dass Fonds einem Diversifikationsgebot folgen, das sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Maximalanteil einer einzelnen Aktie am Portfolio ist auf 10% begrenzt, und Positionen über 5% dürfen nicht mehr als 40% des Gesamtportfolios ausmachen.

Doch nicht immer ist der am breitesten diversifizierte Fonds auch der Beste – im Gegenteil: Hat man es mit einem talentierten Manager zu tun, ist es besser, wenn dieser in seinem Fonds auch die Möglichkeit hat, akzentuierte Positionierungen einzugehen. Dennoch sollten Anleger die Ausrichtung ihrer Fonds kennen und im Gesamtportfoliokontext einordnen können.

Einen guten Anhaltspunkt für die vergangenen Positionierungen bilden die Portfolioaufstellungen in den gesetzlich vorgeschriebenen Jahres- und Halbjahresberichten, auch wenn sich die Positionierung im Laufe der Zeit natürlich ändert. Auf unserer Website finden Anleger zudem die aggregierte Branchen- und Länderaufstellung ihrer Fonds. Wenn Sie in der Suchmaske auf unserer die Kennnummer eines Fonds (ISIN) eingeben, gelangen Sie automatisch auf die Übersichtsseite des Fonds, von der aus Sie nähere Informationen zur Zusammensetzung des Portfolios abrufen können.

Wo prominente Fonds derzeit unterwegs sind   

Einen Fonds mit sehr konzentriertem Portfolio stellt beispielsweise der Metropole Selection dar, der mit einem positiven Morningstar Analyst Rating (Silver) ausgezeichnet wurde. Der von der französischen Boutique Metropole Gestion verwaltete Fonds umfasst derzeit lediglich 27 europäische Aktien fast ausschließlich aus zyklischen Branchen.

Ein weiteres Beispiel für ein konzentriertes Portfolio ist der Morgan Stanley INVF Global Brands, der lediglich in 30 Titel investiert ist und dessen Top-10-Positionen derzeit fast zwei Drittel des Portfolios ausmachen. Auf Platz eins befindet sich (mal wieder) die Aktie von Nestle, und mit einem Gewicht von fast zehn Prozent bewegt sich diese Position nahe am erlaubten Maximum. Eine weitere Besonderheit dieses Fonds, der auf Qualitätsunternehmen mit einer starken Marke setzt, ist sein hoher Anteil an Aktien des Sektors nichtzyklischer Konsum, der derzeit fast 70% beträgt. Daher ist der Fonds folgerichtig in der Morningstar Kategorie „Branchen: Konsumgüter und –dienstleistungen“ eingruppiert. Dennoch wird der Fonds trotz seiner eher einseitigen Ausrichtung gerne als defensives Basisinvestment für Investoren angepriesen.

Auch Regionenfonds sind ein gutes Beispiel für konzentrierte Portfolios, jedoch auf Länderebene: So sind Anleger oft überrascht, dass ihr aktiv gemanagter Osteuropa-Fonds ein Russland-Gewicht von 60% aufweist bzw. ihr Lateinamerika-Fonds fast ausschließlich aus Titeln aus Brasilien und Mexico besteht. Ein Blick in die Länderallokation schützt hier vor Überraschungen.

Klumpenrisiken auf Portfolioebene

Nicht nur auf Einzelfondsebene, sondern auch auf Gesamtportfolioebene können Klumpenrisiken existieren. Es empfiehlt sich daher, das eigene Portfolio kritisch zu überprüfen. Fondsanleger wissen häufig nicht, wie die Summe aller Teile aussieht: Wo Ihr Portfolio Übergewichte aufweist und ob vielleicht sogar eine bedenkliche Unwucht besteht, dürfte den meisten Investoren unbekannt sein.

Klumpenrisiken können sich auch innerhalb von auf den ersten Blick diversifizierten Portfolios bilden. So tendieren Anleger dazu, Fonds zu kaufen, die sich in der Vergangenheit besonders gut entwickelt haben, beachten dabei aber nicht, dass dies oft auch alleine durch deren Ausrichtung auf einzelne Branchen, Länder oder Investmentthemen bedingt war.

So hatten beispielsweise viele Anleger Ende 2007 nicht nur ein Themeninvestment in ausgewiesene Rohstoffaktienfonds getätigt, da sich diese in den Jahren zuvor besonders gut entwickelt hatten, sondern zusätzlich noch in Fonds mit guter Performance, die vor allem einem hohen Anteil an Rohstoffaktien geschuldet war (Die Top Fonds zu dieser Zeit waren unter anderem der M&G Global Basics, der inzwischen geschlossene ABN Amro US Opportunities oder der ehemalige Fortis OBAM, der heute unter BNP Paribas L1 OBAM Equity World Classic firmiert). Zusätzlichen hatten viele auch ein Übergewicht in Emerging-Markets-Aktien, deren Investment Case stark mit Rohstoffinvestments korreliert. Ein weiteres Lieblingsinvestment dieser Zeit war der Fonds Carmignac Investissement, dessen zentrale Themen ebenfalls Rohstoffe und Schwellenländer umfassten - zwei Bereiche, die seit 2007 zu den größten Underperformern im Markt gehören.

Qualitätsaktien machen Portfolio nicht ausgewogen

Derzeit zeigt sich ein anderes Muster: Sehr viele aktiv gemanagten Fonds weisen ein Übergewicht in defensiven Branchen wie nichtzyklischer Konsum oder Gesundheitswesen auf. Hohe Gewichte in den defensiven Klassikern wie Nestle, Roche oder Novartis und starke Untergewichte in den Sektoren Rohstoffe,  Industrie, Banken und Versorger sind mittlerweile Konsens und ziehen sich durch die Mehrzahl der Fonds. Zusätzlich sind aktuell defensive Dividenden- oder Qualitätsstrategien hip, deren Branchenallokation recht ähnlich aussieht.

Anleger sollten daher die Gewichtungen in ihren Portfolios im Hinblick auf die Ausgewogenheit der Branchenallokation im Blick behalten. In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass es sich lohnt, nicht dem Konsens zu folgen und die jetzt bereits schon ambitioniert bewerteten Branchen nichtzyklischer Konsum und Gesundheitswesen nicht blind überzugewichten. Dies ist zudem theoretisch in der „Mean-Reversion-Strategie“ bzw. dem „Value Investing“ fundiert.

Auch wenn antizyklisches Investieren nicht jedermanns Sache ist, weil man oft starke Nerven braucht, auf die Underperformer im Markt zu setzen, so gilt es zumindest, Klumpenrisiken zu vermeiden und eine ausgewogene Allokation auf Sektor- und Länderebene im Portfolio beizubehalten. Auch ist immer ein Blick auf die Zusammensetzung der Fonds oder Indizes sinnvoll, da diese oftmals anders aufgestellt sind, als erwartet und dies zu unbeabsichtigten Positionierungen auf Gesamtportfolioebene führen kann.

Ich kann Ihnen ein sehr nützliches Tool auf unserer Website empfehlen, mit dem Anleger ihr Portfolio auf Klumpenrisiken abklopfen können. Unser Screening-Tool Instant X-Ray ermöglicht Ihnen, Ihre Portfolios vollständig zu durchleuchten. Je nachdem wie Sie das Tool einstellen, können Sie das Länder-, Branchen-, Regionen und natürlich auch das Exposure zu einzelnen Aktien aggregiert darstellen. Mit diesem Tool, das auch Profi-Investoren verwenden, können Privatanleger auf sehr einfache Art tückische Klumpenrisiken mit einen Mausklick entdecken. 

Über den Autor

Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar