Der heimliche Abschied von Swap-ETFs

Vor drei Jahren wollte iShares mit „einem neuartigen Angebot von ETFs“ den europäischen Markt aufrollen. Inzwischen hat sich iShares hierzulande faktisch von Swap-ETFs verabschiedet. Und kaum einer hat es gemerkt.

Ali Masarwah 07.11.2013

ETF-Schließungen gehören heute, im Jahr 2013, auch im Wachstumssegment ETF zum Alltag. Zum einen werden Ladenhüter immer häufiger vom Markt genommen. So hat die Deutsche Bank zum Beispiel im August 36 ETFs und Rohstoff-ETCs geschlossen. Zum anderen werden im Zuge von Fusionen und Übernahmen Produktpaletten zusammengeführt und um Überschneidungen bereinigt.

Insofern kam die Mitteilung von iShares am 21. Oktober nicht weiter spektakulär daher. Im Zuge der Übernahme des ETF-Geschäfts der Schweizer Großbank Credit Suisse seien einige Änderungen beim Produktangebot vorgenommen worden. Unter anderem kündigte iShares an, die Gebühren von einigen Credit Suisse-Produkten an die der iShares-Pendants anzugleichen. (Die Kosten wurden nach unten revidiert.) Darüber hinaus wurden einige Fondsschließungen „aufgrund der geringen Investorennachfrage“ angekündigt. Pflichtbewusst meldeten einige Medien über diese wenig spektakulären Änderungen.

Die Geschichte hinter der Geschichte

Doch es gibt eine zweite Geschichte hinter der Geschichte, die viel über die Schnelllebigkeit des ETF-Geschäfts aussagt. Schaut man sich die Schließungen genauer an, drängt sich der Eindruck auf, dass iShares die Gelegenheit genutzt hat, um sich in Europa heimlich, still und leise eines wenig geliebten Produktangebots zu entledigen: Swap-ETFs.

Unter den 15 Produkten, die per 24. Oktober vom Markt genommen wurden, befinden sich 12 synthetische ETFs. Das entspricht nahezu dem gesamten Swap-ETF-Angebot von iShares in Europa. Alle Swap-ETFs auf Emerging-Markets-Aktienindizes wurden liquidiert. Was bleibt, sind ein ETF auf einen diversifizierten Rohstoff-Index und vier ETCs auf physisch besicherte Edelmetalle.  

Im September 2010 hatte iShares angekündigt, „ein neuartiges Angebot von Exchange Traded Funds (ETFs) auf den Markt“ zu bringen. Dabei beschritt der seinerzeit ausschließlich auf physisch replizierende ETFs fokussierte ETF-Anbieter durchaus neue Wege: Die Swap-ETFs von iShares wiesen mehrere Swap-Kontrahenten sowie eine Übersicherung der Swap-Positionen auf. Darüber hinaus wurden die hinterlegten Sicherheiten, die Swap-Gebühren und die im Fonds gehaltenen Positionen transparent gemacht.

Die schönsten Produktoffensiven nutzen nichts, wenn nicht genügend Bedarf seitens der Investoren besteht.

Einige dieser Punkte zählen inzwischen zum gängigen Standard in der ETF-Branche (vollständiger Ausweis der Sicherheiten, Grad der Besicherung), andere noch immer nicht (Offenlegung der Swap-Kosten).

Doch die schönsten Produktoffensiven nutzen nichts, wenn nicht genügend Bedarf seitens der Investoren besteht. Die Nachfrage nach den Produkten war sehr überschaubar. Allerdings dürfte iShares das locker verschmerzt haben. Grund dafür war die Verschärfung der Eurokrise im Jahr 2011. Sie brach über die Anbieter von Swap-ETFs herein wie ein Tsunami.

Im Sommer 2011 begann das Leiden der Swap-ETF-Anbieter

Im Spätsommer 2011 verkauften Anleger alle Produkte, die im Ruch standen, dem Risiko europäischer Banken ausgesetzt zu sein. Auch Swap-ETFs. Die Anbieter dieser nunmehr als „unsicher“ eingeschätzten Produkte, vor allem Lyxor, aber auch die Deutsche Bank, mussten hohe Mittelabflüsse aus ihren Swap-ETFs hinnehmen. Derweil stand iShares für die „sicheren“  physisch replizierenden Produkte und wurde von verunsicherten Anlegern regelrecht mit Geld überschüttet. 

Spätestens als im November 2011 Black-Rock-Chef Larry Fink die Investoren in Lyxor-ETFs warnte, sie hätten de facto unbesicherte Anleihen der Société Générale gekauft, dürfte den Verantwortlichen bei der BlackRock-Tochter iShares gedämmert haben, dass ihrer Swap-ETF-Offensive in Europa keine Nachhaltigkeit beschieden sein würde.

Als Larry Fink Lyxor-ETFs als unbesicherte Anleihen der Société Générale bezeichnete, dürfte den iShares-Verantwortlichen gedämmert haben, dass ihre Swap-ETF-Offensive nicht nachhaltig sein würde. 

Die Folgen der Eurokrise wirken nach. Nicht zuletzt die traumatische Erfahrung der massenhaften Abwanderung von Anlegern dürfte Anbieter wie die Deutsche Bank und Lyxor dazu motiviert haben, nicht nur Swap-ETF, sondern auch physische ETFs anzubieten. Wie sagten noch die alten Römer? "Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ – die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich