ETFs auch für Vermögenswirksame Leistungen

ETFs sind bei Privatanlegern stark im Kommen. Die niedrigen Kosten sind auch bei VL-Verträgen ein starkes Argument. Verfügbarkeit ist allerdings nach wie vor stark eingeschränkt.

Ali Masarwah 14.05.2014

Wir haben in unserer Übersicht zu VL-Investments zunächst die große Gruppe der breit investierenden Aktienfonds behandelt (lesen Sie hier weiter). In einem zweiten Schritt haben wir Aktienfonds mit engeren Anlageuniversen thematisiert und bei Branchenfonds einige warnende Worte angebracht (hier gelangen Sie zu den VL-Satelliten-Investments). Beide Fondstypen haben eines gemeinsam: Es handelt sich um aktiv verwaltete Fonds. Indexfonds wurden nicht in VL-Verträgen eingesetzt. Bisher.

Ebase ist nach wie vor die Vorreiterin in Sachen VL

Dass VL-Depots eine weitgehend ETF-freie Zone sind ist kein Wunder: VL-Sparverträge werden in aller Regel über die klassischen Vertriebswege angeboten. Genossenschaftsbanken, Privatbanken, Sparkassen und unabhängige Vermittler sind auf die Vereinnahmung von Provisionen in Gestalt von Kickbacks abhängig und bieten deshalb Produkte an, die Retrozessionen beinhalten.

Gerade die Selbstentscheider unter den Privatanlegern wenden sich indes zunehmend Indexfonds zu, weil diese günstige Gebühren aufweisen. Aus den Managementgebühren von börsennotierten Indexfonds (ETFs) lassen sich freilich keine Kickbacks zahlen, weshalb klassische Vertriebskanäle diese günstigen Produkte allenfalls auf Nachfrage anbieten. Das ist bei VL nicht anders.

Es gibt auch einen technischen Grund für das eher spärliche Angebot von ETFs in VL-Depots. ETFs werden über die Börse gehandelt. Fonds für VL-Verträge werden jedoch traditionell über Fondsgesellschaften abgewickelt. ETFs in VL einzubinden ist also auch eine technische Frage, die noch insgesamt nicht zufriedenstellend - im Sinne von marktbreit - adressiert wurde.

Codewort ETF-VL-Depot: Haken Sie bei Ihrem Fondsvermittler nach

Doch die Zeiten ändern sich. Heute sind VL nicht mehr eine Domäne von aktiv verwalteten Fonds. Eine einsame Fondsplattform hat sich aus der Deckung gewagt: Die Tochter der Comdirect, Ebase. Sie bietet seit rund drei Jahre ausgewählte ETFs für VL an, nach eigenen Angaben mit wachsendem Erfolg. Das klingt nach einsamer Insellösung, aber nicht nur Comdirect-Kunden können in den Genuss von ETFs in VL-Verträgen kommen. Sehr viele Investmentvermittler sind an die Ebase angebunden und können somit über diese Plattform potenziell das VL-Depot mit ETFs bestücken. Haken Sie beim nächsten Gespräch mit Ihrem Berater also nach!

Auch wenn bei ETFs im Gegensatz zu aktiven Fonds Handelskosten bei VL-Verträgen anfallen, weisen Indexfonds ungeachtet dieses Nachteils noch immer deutlich günstigere Gebühren auf als aktiv verwaltete Fonds. Das hat Folgen für die Performance, wie unsere untere Tabelle zeigt. 

Tabelle: Welche Indexfonds Anleger für die VL nutzen können 


Vorweg eine kleine Beichte: Die obere ETF-Liste, die nach der höchsten Ablaufleistung nach sieben VL-Jahren sortiert ist, ist insofern Fiktion, als ETFs erst seit rund drei Jahren im Rahmen von VL-Verträgen verfügbar sind. Die Tabelle ist also als rein illustrativ zu betrachten und stellt nicht reale VL-Ergebnisse zwischen 2007 und 2014 dar. Einerseits.

Andererseits liefert die Tabelle durchaus eine Indikation über die Leistungsfähigkeit von ETFs, da es sich um reale Performance-Daten handelt. Wer wollte, konnte in jedes der oberen Produkte seit März 2007 40 Euro monatlich einzahlen. Eine freie Anlage hätte per Ende Februar 2014 die oben aufgeführten Ergebnisse (vor Steuern) erzielt. Insofern halten wir diese Zahlenspielerei für legitim. Denn vergleicht man die Performance dieser Indexprodukte mit den Renditen der aktiv verwalteter Fonds mit guten Morningstar Analyst Ratings zeigt sich, dass ETFs durchaus mithalten können.

Deutsche Bank und iShares dominieren das Ranking

Aufgrund des geringen Angebots an ETFs mit einer siebenjährigen Historie dominieren Produkte von iShares und der Deutschen Bank (db x-trackers) unsere Auswahl. Die Gesamtzahl der ETFs (mit geringeren Historien) ist deutlich größer, und unsere künftigen VL-Auswertungen von ETFs werden diese Vielfalt zunehmend widerspiegeln. 

Auch unsere Auswahl an ETF-basierten VL-Verträgen ist gewachsen. Waren in der VL-Auswertung vor einem Jahr (lesen Sie hier weiter) mit Ausnahme des db x-trackers MSCI Welt World kein einziger ETF vertreten, der nicht aus dem Hause iShares stammte, finden sich heute bereits drei Produkte der Deutschen Bank in der ETF-Auswahl.

Wegen der begrenzten Auswahl an Produkten haben wir Kern- und Satelliten-ETFs in einer Liste zusammengefasst. Sie zeigt ein breites Spektrum mit Blick auf die Anlageuniversen. Vertreten sind ETFs für globale Standardwerte sowie US-, Europa-, Euroland-, Deutschland- und Dividendenprodukte. 

MDAX-ETF macht das Rennen

Angeführt wird die ETF-Auswahl vom iShares MDAX, der die Performance von deutschen Nebenwerten abbildet. Dieser ETF lieferte sich in der siebenjährigen VL-Periode ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem iShares ETF auf den NASDAQ 100. Beide kommen auf 5.629 Euro. Während der iShares MDAX ein Vier-Sterne-Rating aufweist, kommt der iShares NASDAQ 100 sogar auf fünf Sterne im quantitativen Morningstar Rating. Mit anderen Worten: Beide Indexfonds schneiden besser ab als der Durchschnitt der (zumeist aktiven) Fonds der jeweiligen Morningstar-Kategorie. Der Indexfonds auf den US-Technologieindex zählt sogar zu den 10% besten Produkten der Kategorie US-Standardwerte (Growth). 

Sehr ansehnliche Ergebnisse lieferten auch der iShares TecDAX und der iShares STOXX Europe Small 200. Das ist kein Wunder, da in den vergangenen Jahren Nebenwerte-Indizes deutlich besser liefen als Standardwerte-Indizes wie DAX und STOXX Europe.

Am Ende der Tabelle finden sich ETFs auf Euroland-ETFs. Hier muss man konstatieren, dass diese Produkte vom Regen (Finanzkrise 2008/09) in die Traufe (Eurokrise ab 2010) kamen. Und dennoch: Auch der schwächste ETF unserer Auswahl, der Dividendenfonds iShares Euro STOXX Select Dividend 30 brachte es im VL-Modus auf ein Endergebnis von 3.471 Euro. Das ist zwar relativ schwach, impliziert aber dennoch ein Plus von insgesamt 20,5 Prozent gegenüber den eingezahlten 2880 Euro. Kleinvieh hätte also auch hier Mist gemacht.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich