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ETF-Dachfonds: Das Wachstum stimmt, die Qualität nicht

Aktuelle Morningstar-Auswertung zeigt, dass ETF-Dachfonds in einem stagnierenden Markt wachsen. Allerdings lässt die Qualität dieser Vermögensverwaltungsprodukte zu wünschen übrig. Eine Übersicht.

Die ETF-Branche wächst stetig, und Vermögensverwalter sowie Dachfonds zählen zu den aktivsten Nutzern von ETFs. Allerdings gibt es jenseits des Marketing-Schlagwortes "ETF-Dachfonds" wenig aussagekräftige Untersuchungen zu dem offenkundig immer bedeutsameren Marktsegment. Um Licht in das Dunkel zu werfen, haben wir in der Vergangenheit mehrmals das Segment der ETF-Dachfonds unter die Lupe genommen (lesen Sie hier und hier). Per Ende 2014 haben wir uns die in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen ETF-Dachfonds erneut angesehen. Voraussetzungen für die Aufnahme in die Analyse waren aktuelle Portfoliodaten sowie ein ETF-Anteil von mindestens 45% des Fondsvermögens. 

Bemerkenswert ist, dass das Segment der ETF-Dachfonds im letzten Jahr einen Wachstumssprung hingelegt hat. Eine Auswertung von 99 ETF-Dachfonds, die auf aktuellen Daten per Ende 2014 basiert, zeigt ein Vermögenszuwachs gegenüber Jahresende 2013 von 17%, und zwar von 11,53 Milliarden auf 13,52 Milliarden US-Dollar. 

Das Wachstum ist umso beachtlicher, als dass Dachfonds insgesamt kaum wachsen. Das in Dachfonds investierte Vermögen, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, ist im selben Zeitraum nach unserer Berechnung nur um 1,66% auf rund 54 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Wir haben im nächsten Schritt geschaut, in welchen Morningstar Kategorien ETF-Dachfonds besonders häufig zu finden sind. Wie aus der unteren Grafik hervorgeht, steckt das meiste Vermögen in ETF-Dachfonds der Morningstar Kategorie Aktien weltweit Standardwerte Blend, gefolgt von ausgewogenen und defensiven Mischfonds (jeweils global anlegend). Das ETF-Aktiendachfonds stark vertreten sind, ist nachvollziehbar, da der ETF-Markt nach wie vor von Aktien-ETFs dominiert ist und Aktienmanager inzwischen auf einen sehr granularen Baukasten zurückgreifen. Zudem sind ETFs naheliegende Tools für die Bestückung von Asset Allocation-Portfolios. Entsprechend befinden sich drei Mischfonds-Kategorien unter den volumenstärksten ETF-Dachfondsgruppen.   

Grafik: Welchen Morningstar Kategorien ETF-Dachonds entstammen

 

So weit, so gut. Dass Dachfondsmanager das ETF-Segment für sich entdeckt haben und welche Felder sie bespielen, ist also hinlänglich klar. Das starke Wachstum – auch gegenüber herkömmlichen Dachfonds - wirft nun die Frage auf, worauf dieses Wachstum zurückzuführen ist. Ein naheliegender Erklärungsversuch wäre zunächst die Performance der Vergangenheit. Es ist bekannt, dass Investoren gerne auf die Gewinner der Vergangenheit setzen. Wir haben uns deshalb angeschaut, wie das Rendite-Risiko-Profil von ETF-Dachfonds ausschaut und haben dafür das Morningstar Sterne Rating herangezogen.

Wie bereits bei unseren früheren Auswertungen, zeigt auch die aktuelle Übersicht, dass ETF-Dachfonds unterdurchschnittlich abschneiden. Auch wenn sich die Bilanz gegenüber 2013 verbessert hat, finden sich deutlich mehr ETF-Dachfonds mit einem Zwei-Sterne-Rating als solche mit Vier-Sterne-Ratings. Dachfonds mit Fünf-Sterne-Ratings fehlen gänzlich – im Gegensatz zu Produkten mit einem Morningstar-Stern. ETF-Dachfonds sind also nach wie vor auf der Suche nach der rechtsschiefen Renditeverteilung! (siehe Grafik).

Tabelle: Bei ETF-Dachfonds ist die Verteilung eindeutig linksschief 

Obwohl wir den Ursachen des unbefriedigenden Rendite-Risiko-Profis nicht näher nachgegangen sind, wollen wir den Versuch einiger Thesen wagen. Zum einen investieren ETF-Dachfonds zwar in ETFs, allerdings heißt das nicht, dass die Kosten eines ETF-Dachfonds günstig wären. In der Regel weisen diese Produkte im Vergleich zu den anderen Fonds ihrer Peergroup durchschnittliche Kosten auf, sodass man nicht von einem Kostenvorteil sprechen könnte.

Zum anderen, und dies wäre bedenklich, könnte die Tatsache, dass ETFs börsentäglich handelbar sind, auch Dachfondsmanager zu mehr taktischem Handeln bewegen, als es der Anleger-Performance gut tut. Eine Untersuchung, die die relative Performance von Anlegerportfolios vor und nach der Hinzunahme von ETFs vergleicht, kommt zu dem Schluss, dass sich die Performance nach dem Einsatz von ETFs verschlechtert hat (lesen Sie hier mehr). Die These, wonach ETFs zu einem Zuviel an Market Timing verleiten, ist also nicht von der Hand zu weisen. Das zeigt, dass die erfolgreiche Vermarktung von ETF-Dachfonds nicht von einer überdurchschnittlichen Leistung begleitet ist. Diese Produkte sind Investoren bisher den Nachweis schuldig geblieben, dass sie wirklich in der Lage sind, Anlegern einen Mehrwert gegenüber vergleichbaren Produkten aus den identischen Morningstar Kategorien zu erbringen.

Pioneer, Deutsche Bank und Feri dominieren den ETF-Dachfondsmarkt

Kommen wir nun zu einigen Auffälligkeiten. Der ETF-Dachfonds-Markt ist recht kopflastig: Es gibt einige wenige große Produkte und sehr viele kleine Fonds mit einem Vermögen von unter 50 Millionen Euro. Die größten Produkte am Markt, die Sie in der unteren Tabelle finden, stammen von Pioneer (HVB), DeAWM und der Bad Homburger Feri Trust (Best Concept). Aus der Liste geht hervor, dass Produkte mit einem schwächeren Rendite-Risiko-Profil 2014 überwiegend Mittelabflüsse hinnehmen mussten.

Tabelle: Eine Übersicht der größten ETF-Dachfonds am deutschen Markt

 

Im zweiten Teil unseres Artikels beschäftigen wir uns mit den Zielfonds. Hier gelangen Sie zur Übersicht, in welche ETFs und welche ETF-Anbieter ETF-Dachfonds investieren.

Über den Autor

Ali Masarwah und Michael Haker  Ali Masarwah ist Chefredakteur von Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz; Michael Haker ist freier Mitarbeiter von Morningstar in Frankfurt