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Anlegerfreundlichkeit auf dem Prüfstand: Die globalen Fondsstandorte im Vergleich

Die Morningstar Untersuchung "Global Fund Investor Experience Study" zeigt positive Veränderungen für Investoren weltweit auf, doch bleibt einiges zu tun. Deutschland befindet sich im Mittelfeld des globalen Rankings.

Natalia Wolfstetter 09.06.2015

Welche Erfahrungen machen Fondsanleger in unterschiedlichen Ländern und wo gibt es Verbesserungsspielraum? Diesen Fragen gehen wir seit 2009 in der Global Fund Investor Experience Studie nach. Die globale Analyse, die Morningstar alle zwei Jahre durchführt, ist die mittlerweile vierte und nimmt insgesamt 25 Länder in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika unter die Lupe. Dafür wurden in jedem Land vier für Fondssparer relevante Bereiche untersucht: Regulierung & Besteuerung, Offenlegungspflichten, Gebühren, Vertrieb & Medien.

Im Allgemeinen bieten diejenigen Länder für Fondsanleger ein gutes Umfeld, die über eine unabhängige und proaktive Aufsichtsbehörde verfügen, wo sich die steuerliche Belastung in Grenzen hält und langfristiges Investieren fördert, wo eine hohe Transparenz herrscht, das Gebührenniveau moderat ist, Fonds über verschiedene Vertriebskanäle verfügbar sind und Anleger in den Medien umfangreiche Informationen über unterschiedliche Investmentmöglichkeiten vorfinden.

Die wichtigsten Ergebnisse unserer diesjährigen Studie

  • Fondsanleger in den USA sind am besten gestellt, doch hat mittlerweile auch Südkorea ins Spitzenfeld aufgeschlossen. Dagegen kommen Fondssparer in China am schlechtesten weg.
  • Die Niederlande und Großbritannien haben sich in der Rangliste verbessert. Dies war maßgeblich durch die eingeführten Provisionsverbote, vielfältige Vertriebsstrukturen und treuhänderische Tests für Anlageberater bedingt.
  • Die Regulierung wurde in fast allen Märkten weiterentwickelt. Weniger Aktivität war in den USA und Kanada zu verzeichnen, die in diesem Bereich unterdurchschnittlich abschneiden.
  • Die Besteuerung für Fondsanleger fällt in den asiatischen Märkten weiterhin am geringsten aus.
  • In Bezug auf die Transparenz und Offenlegung erhalten die USA, Taiwan und Kanada die besten Noten. Südafrika, Singapur und Frankreich hinken hinterher.
  • Immer mehr Länder verpflichten Fondsanbieter mittlerweile zur Offenlegung der Managernamen, darunter China, Indien, Kanada, Neuseeland, Südkorea, Taiwan, Thailand und die USA.
  • In den USA, Australien, Südafrika und den Niederland sind typischerweise keine Vertriebskosten in den laufenden Fondsgebühren enthalten, was zu einem Rückgang bei den veröffentlichten Fondsgebühren führt. Falls Anleger jedoch zusätzlich für die Beratung und Verwaltung zahlen, erhöht das die Gesamtkosten des Besitzes eines Fonds um weitere 1,0 bis 1,5 Prozent.
  • In 22 der 25 bewerteten Länder sind Banken und Versicherungen der dominierende Vertriebskanal. Der nächsthäufigste Vertriebsweg, der in sieben Ländern aufgeführt wird, sind die unabhängigen Berater.

Die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland auf einen Blick:

  • Deutschland liegt mit einer Note von C + im Mittelfeld der untersuchten Länder und sticht also im globalen Vergleich weder positiv noch negativ hervor.
  • Die nationale Regulierung folgt in großen Teilen der europäischen Aufsichtspraxis.
  • Trotz der Anwendung der Abgeltungssteuer fällt die Nachsteuerrendite für deutsche Fondssparer im internationalen Vergleich eher niedrig aus. Zwar wird das Fondssparen für die Altersvorsorge steuerlich gefördert (Stichwort: ‚Riester-Rente‘), doch ist hier die Auswahl im Vergleich zu nicht geförderten Alternativen begrenzt.
  • Die Anlegern zur Verfügung stehenden Produktinformationen bewertet Morningstar in der Studie als durchschnittlich. Für jeden Fonds ist eine ‚Wesentliche Anlegerinformation‘ erforderlich, die Informationen zu Anlagezielen, Risiko, Kosten und der historischen Wertentwicklung beinhaltet. Die Aussagekraft dieses Dokuments könnte durch Angaben zu den Portfolioinhalten, Transaktionskosten und dem Fondsmanagement (verantwortliche Personen, Unternehmenszugehörigkeit, Zeitraum) verbessert werden. Portfolioinhalte müssen halbjährlich veröffentlicht werden, doch in der Praxis sind für fast die Hälfte der Fonds monatliche Aufstellungen verfügbar, wenn auch mit Zeitverzug.
  • Die laufenden Gebühren bewegen sich im globalen Vergleich im Mittelfeld. Asymmetrische Erfolgsgebühren (d.h. Gebühren auf die Outperformance, ohne im Gegenzug eine Reduktion bei Underperformance zu gewähren) sind, wie in vielen anderen Länder auch, zulässig, doch hat sich die Gestaltung der Erfolgsgebühren durch 2013 eingeführte Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht insgesamt verbessert.
  • Deutschland schneidet in der Kategorie ‚Vertrieb und Medien‘ insgesamt überdurchschnittlich ab. Einziges größeres Manko: Weniger als 50% der vertriebenen Fonds werden in einem System der ‚Open Architecture‘, d.h. unter Berücksichtigung von Fremdfonds, angeboten. Die Bevorzugung hauseigener Fonds ist nicht zwangsläufig im Interesse der Anleger.

Die Gesamtergebnisse für alle betrachteten Länder zeigt die folgende Aufstellung. Dabei werden Länder in Form der Noten A bis F bewertet, wobei A die Bestnote darstellt, die Noten D und F für ungenügend bzw. mangelhaft stehen.

Die Noten für das Jahr 2015 lauten (in absteigender und dann alphabetischer Reihenfolge):

Korea: A
USA: A
Niederlande: A -
Taiwan: A -
Vereinigtes Königreich: B +
Schweden: B
Australien: B -
Dänemark: B -
Finnland: B -
Norwegen: B -
Schweiz: B -
Deutschland: C +
Indien: C +
Kanada: C +
Neuseeland: C +
Thailand: C +
Belgien: C
Frankreich: C
Hong Kong: C
Singapur: C
Südafrika: C
Spanien: C
Italien: C -
Japan: C -
China: D +

Die Gewichtung der einzelnen Kategorien wurde gegenüber der Studie 2013 angepasst, um das Gewicht der Kategorie ‚Vertrieb und Medien‘ stärker mit den anderen bewerteten Kategorien in Einklang zu bringen:

Darüber hinaus wurde mehr Gewicht auf quantifizierbare Daten gelegt, da dies den Vergleich über Ländergrenzen hinweg erleichtert.

Details sind in der ausführlichen Fassung des ‚Global Fund Investor Experience Report 2015‘ nachzulesen. Dieser kann hier als PDF (englischsprachiges Dokument) heruntergeladen werden.

 

Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar