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Goldene Vergangenheit, volatile Zukunft: Zehn Bond-Kategorien im Überblick

Auch wenn die Notenbanken in Europa unverändert expansiv operieren, könnte aus den USA reichlich Volatilität herüberschwappen. Wir blicken auf zehn für Euro-Anleger wichtige Bond Kategorien.  

Ali Masarwah 25.11.2016

Bei wohl kaum einer Asset Klasse klafft eine derart große Lücke zwischen der Performance der Vergangenheit und den Perspektiven der Zukunft. Anleihen hatten in den vergangenen Jahrzehnten einen Riesenlauf, seien es Euro-Staatsanleihen, US-Treasuries, Unternehmensanleihen oder Emerging Markets Renten. 

Dass auch die schönste Hausse zu Ende geht, ist eigentlich klar und muss auch kein Drama sein. Zumal es keinesfalls ausgemachte Sache ist, dass die Bond-Hausse zwangsläufig in einem Crash einmünden muss. Wer von tiefsten Renditen auf einen bevorstehenden Zusammenbruch a la Neuer Markt schließt, schüttet das sprichwörtliche Kind mit Bade aus. Zum einen gibt es fundamentale Unterschiede in der Kapitalstruktur zwischen Aktien und Bonds, die Armageddon-Szenarien unrealistisch machen. Zum anderen sind in weiten Teilen der Welt, vornehmlich in Japan, Großbritannien und der Eurozone, mächtige Notenbanken mit expansiven Strategien im Einsatz, was sich stabilisierend auf die Bond-Kurse auswirkt.

Doch die Zeiten werden rauer, da die US-Notenbank aller Voraussicht nach die Zinszügel straffen wird. Das lässt die globalen Bond-Märkte nicht kalt. In den vergangenen Wochen wurden die Märkte von rapide steigenden Renditen erschüttert; an den Märkten wird derzeit ein Reflationierungs-Szenario für die US Wirtschaft gespielt, und das hat die Kurse weltweit unter Druck gesetzt. Wir haben verschiedentlich in den vergangenen Tagen über die Bond-Märkte berichtet (hier gelangen Sie zu den bisher erschienenen Artikeln unseres Bond Spezials). 

Wir wollen nun zum Abschluss unserer Reihe zu Bond-Investments die vergangenen Wochen anhand der (Nicht-) Performance der zehn wichtigsten Rentenfonds-Kategorien für Euro-Anleger Revue passieren lassen. Dabei blicken wir auch auf den Kontext der vergangenen drei Jahre, der vermutlich nach wie vor den „Mind Set“ von vielen Bond-Anlegern widerspiegelt, die unverändert hohe Rendite-Erwartungen haben. 

Kommen wir zunächst zur Übersicht über die wichtigsten Bond-Kategorien für hiesige Anleger. Sie lassen sich in folgende Großgruppen einsortieren: Euro-(Staats-)Anleihen, flexible EUR-Rentenfonds, Anleihen global (inklusive USA) und Emerging Markets, die in dieser Reihenfolge in der unteren Tabelle aufgelistet sind. Wir haben dabei die Performance für diverse Zeiträume ebenso wie das Risiko, ausgedrückt durch die Volatilität und den maximalen Verlust, aufgeführt. 

Tabelle: Rendite-Risiko-Profile von zehn wichtigen Bondfonds-Kategorien

Die obere Tabelle zeigt zweierlei: Die Performance der vergangenen drei Jahre war hervorragend. Auch die Schwankungsbreite der einzelnen Bond-Kategorien war seit 2013, eine Zeit, die in Europa vor allem von der expansiven Politik der EZB geprägt war, erfreulich niedrig. Nach wie vor blicken EUR-Langläufer auf eine hervorragende Zeit zurück. Pro Jahr gewannen Fonds aus dieser Kategorie im Schnitt jedes Jahr knapp 10,5 Prozent. Das ist deutlich mehr, als langfristig bei Aktien herausspringt! 

Auch die anderen EUR Kategorien verbuchten ordentliche Zugewinne von zwischen 2,5 bis knapp vier Prozent pro Jahr, was angesichts der praktisch nicht vorhandenen Inflation auf akzeptable Realrenditen hinausläuft. Bei der Kategorie Anleihen global ist das Bild seit 2013 ebenfalls rosig. Befeuert wurde die Performance von Fonds mit Ausrichtung auf Fremdwährungspapiere zusätzlich von der schwachen Entwicklung des Euro seit Anfang 2015.

Eine Ausnahme sind Fonds für lokale Schwellenländer-Währungen, die Anleger definitiv nicht für das eingegangene Risiko belohnten. Sie legten im Schnitt seit 2013 nur um 1,7 Prozent pro Jahr zu.

Ein Blick auf die Volatilität zeigt, dass die meisten EUR-Rentenfondskategorien Anlegern keine schlaflosen Nächte bereitet haben. Pro Jahr lag die Schwankungsintensität zumeist deutlich unter fünf Prozent pro Jahr. 

Der maximale Verlust zeigt die Gefahren an, die auch seit 2013 lauerten

Das Risikoprofil einiger Rentenfonds-Kategorien deute indes an, dass es sich bei Bonds keines falls um risikolose Investments handelt. Auch nicht in prinzipiell freundlichen Märkten. Bei Euro-Langläufern zeigt sich dies besonders deutlich – hier schwankten die Fondspreise im Durchschnitt jährlich um 8,6 Prozent seit Dezember 2013. Das war nur geringfügig geringer als bei diversifizierten USD Anleihen der Fall und ist auch nicht weit von der Volatilität von Emerging Markets Bonds entfernt. 

Noch aussagekräftiger ist der maximale Verlust. Hier illustriert die Spanne zwischen vorläufigem Höhepunkt und dem tiefsten Punkt des nachfolgenden Tals in einer Dreijahres-Spanne, wie schmerzhaft die maximal möglichen Verluste für Anleger gewesen wären. Fonds der Kategorie Schwellenländer Bonds lokale Währungen brachen um rund 18.5 Prozent ein; USD Hochzinsfonds fielen maximal 17 Prozent, gefolgt von EUR Langläufern, die um bis zu gut 13,5 Prozent korrigierten. Das sind Verlustniveaus, die eher an Aktien-Investments erinnern! 

Kommen wir zum Schluss auf einen näheren Blick auf die jüngste Vergangenheit, die von empfindlichen Kursverlusten geprägt waren. Die unteren beiden Grafiken kontrastieren den drastischen Unterschied zwischen der sehr wohltemperierten Dreijahres-Historie der oberen Tabelle mit der hohen Volatilität in der Zeit seit der Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten. Die Aussicht auf Steuererleichterungen und Konjunkturprogramme haben Aktienanleger in dem Maße beflügelt, wie sie Bond-Investoren geschockt hat, da letztere nunmehr mit der Gefahr steigender Zinsen und höherer Teuerungsraten konfrontiert sind. Hohe Inflationsraten sind naturgemäß Gift für Nominalwert-Investments.   

Die unteren Grafiken illustrieren die Performance und die Volatilität der oberen zehn Bond-Kategorien für das laufende Jahr (obere Grafik) sowie für die vergangenen 30 Tage (untere Grafik). Auf der X-Achse findet sich die Performance, die annualisierte Standardabweichung auf der Y-Achse.

Interessant ist dabei, dass sich in jüngster Zeit zwei mehr oder weniger distinktive Cluster gebildet haben, was insbesondere oberen Grafik deutlich wird. EUR-Langläufer und diversifizierte USD Anleihen befinden sich im Konzert mit den riskanten Hochzins- und Emerging Markets Fondskategorien. Fonds der Kategorien EUR Renten diversifiziert, EUR Unternehmensanleihen, EUR Renten flexibel, EUR Staatsanleihen und Anleihen global haben in den vergangenen Wochen und Monaten indes deutlich weniger gelitten. 

Grafik: Im bisherigen Jahresverlauf ist die Vola hoch, die Performance indes positiv

 

 

Grafik: In den vergangenen Wochen war die Vola hoch und die Performance zumeist negativ

 

Natürlich ist es unrealistisch, auf längere Zeit die Volatilitätsniveaus der vergangenen 30 Tage zu sehen. Aber die massive Gegenbewegung an den Bond-Märkten der vergangenen Wochen zeigt, dass das Klima in der ehemaligen Komfortzone rauer wird. 

Abschließend wollen wir einige Fonds mit guten Morningstar Analyst Ratings vorstellen, Produkte also, deren wir Überdurchschnittliches zutrauen. Wir stellen sowohl Indexfonds (ETFs) als auch aktiv verwaltete Fonds vor in den Bereichen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Emerging Markets. 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.