Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Fünf Neujahrsvorsätze für die finanzielle Gesundheit

Wir haben einige Hinweise für Anleger zusammengestellt, die Sie nicht nur zum Jahresanfang beherzigen sollten. 

Ali Masarwah 05.01.2017

Das Jahr 2017 ist noch sehr jung. Sollten Sie sich vornehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, dann ist das zweifellos Ihr wichtigstes Ziel, wichtiger sogar, als der Aufbau eines Langfristportfolios. Schließlich erhöht der Abschied vom Glimmstängel ihre Chancen, das Rentenalter zu erreichen! Ich würde aber die Behauptung wagen, dass der Kauf eines neuen Autos oder die Wahl des nächsten Urlaubsziels in der Prioritätenliste hinter der Beherzigung idealerweise aller Punkte dieser Checkliste rangieren sollten. Es geht schließlich um Ihre Altersvorsorge! Fünf Regeln, die Sie beherzigen sollten: 


1. Regel: Nähern Sie sich neuen Finanzprodukten mit Skepsis

Auch wenn ich damit Gefahr laufe wie jemand zu klingen, der behauptet, nach den Beatles habe es keine gute Musik mehr gegeben: Es gibt nur selten wirklich gute neue Finanzprodukte. Die Einführung von speziellen Fonds für die Altersvorsorge, wie etwa Laufzeitfonds, war ein Schritt nach vorn, und auch günstige Indexfonds können dem Investor von großem Nutzen sein. Aber es gibt sehr viel mehr schlechte Produkte als solche, die sich für Anleger wirklich lohnen. Deswegen sollten Sie neue Produkte mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten und erst einmal abwarten, wie sich diese bewähren.

Oft werden Innovationen verkauft mit dem Verweis auf eine gute Entwicklung in der Vergangenheit. Diese Werbung bezieht sich aber in vielen Fällen nur auf einen kurzen Zeitabschnitt oder sogar nur auf eine Simulation - im Fachjargon backtest genannt. Die Performance eines Produktes lässt sich erst dann einschätzen, wenn man die risikobereinigten Ergebnisse eines kompletten Marktzyklus betrachtet.

Wenn Sie sich überlegen, in ein Produkt zu investieren, sollte es eine nachvollziehbare Historie von mindestens 10 Jahre aufweisen. Nur so lässt sich analysieren, wie sich ein Fonds in konkreten Situationen verhält. Wenn in dieser Zeit nur ein Trend vorherrschte (wie beispielsweise in den 1990er Jahren, als die Bullen die Oberhand hatten), sollten Sie in der Betrachtung sogar noch länger zurückgehen.

2. Regel: Stellen Sie viele “dumme” Fragen

Dass Investoren schlechte Produkte in ihrem Portfolio vorfinden, liegt zum Teil auch an ihnen selbst: Viele haben Angst, Fragen zu stellen. Sie trauen sich nicht, den Finanzberater zu fragen, warum er genau diesen Fonds empfiehlt bzw. was hinter den Marketing-Aussagen der Produktanbieter steht. Viele Anleger fürchten, dumm oder hinterwäldlerisch zu wirken, wenn sie Produkte hinterfragen. „Wie funktioniert das Produkt?“ und „Was kann dabei schief gehen?“, sind zwei elementare Fragen, die jeder stellen sollte, auch dann, wenn er meint, es bei der ersten Erklärung verstanden zu haben. Oft sind die einfachen Fragen die richtigen, und Sie sollten niemals davor zurückschrecken, sie zu stellen.

3. Regel: Treiben Sie es mit der Diversifikation nicht zu weit

Eine der ersten Regeln, die Sie über das Investieren gelernt haben, war vermutlich, wie wichtig eine breite Streuung des Vermögens ist; dass zusätzliche Investitionen das Risiko-Chance-Profil Ihres Depots verbessern können. Die goldene Regel der Diversifikation ist valide, und Sie sollten sie beherzigen. Aber mehr ist nicht immer mehr. Viele Anleger haben sich diesen Grundsatz zu sehr zu Herzen genommen. Wenn Sie aber ein ausgeglichenes Portfolio mit günstigen Produkten aus den Anlageklassen Aktien, Anleihen und Cash haben, ist es unwahrscheinlich, dass Ihnen kleine Positionen anderer Produkte einen nennenswerten Mehrwert bringen. Schlimmer noch: Wenn Sie auf zahlreiche aktiv verwaltete Fonds setzen und gerne mal einen neuen Alpha-Manager dazunehmen, dann laufen Sie Gefahr, dass die Summe aller Alpha-Spezialisten sich ausgleicht und Sie am Ende mit einem Marktportfolio da sitzen. Minus Kosten, denn Alpha-Manager sind teuer! Und seien wir ehrlich: Es ist außerdem schwer, den Überblick zu behalten, wenn man ein überdiversifiziertes Portfolio hat.

4. Regel: Sie sollten die Performance des Gesamtdepots im Blick haben

Ob Ihr Depot zu komplex ist, können Sie mit einem simplen Vergleich überprüfen. Haben die zusätzlichen Produkte im Depot die Performance verbessert? Kann Ihr gemischtes Portfolio einigermaßen mit einer günstigeren, einfachen Investition mithalten, wie beispielsweise ein guter Mischfonds oder ein einfach gestricktes ETF-Portfolio? Für die Altersvorsorge lohnen oft so genannte Target Date Fonds. Das sind Laufzeitfonds, die Anlegern ermöglichen, in jungen Jahren von einer hohen Aktienquote zu profitieren und im fortgeschrittenen Alter mit dem selben Produkt weniger Risiko nehmen. Hinkt Ihr Depot derartigen Produkten hinterher? Wenn das über einen längeren Zeitraum der Fall ist, ist die Frage berechtigt, ob nicht die Zeit gekommen ist, einen anderen Portfolio-Konstrukteur zu mandatieren bzw. auf einfachere Produkte zu setzen.

5. Regel: Nehmen Sie sich vor „disruptiven Fintechs“ in Acht

Banker und freie Finanzberater haben einen miesen Ruf in diesen Zeiten: Schlechte Beratung und eine häufig miese Produktperformance haben viele Anleger abgeschreckt. Doch wer nun allzu schnell auf den Zug von so genannten „Robo-Advisorn“ springen will, der sei gewarnt. Nicht jeder Banker oder IFA ist darauf aus, Sie zu übervorteilen. Nur weil sich manche Technologie-Unternehmen, die man in der Finanzsprache auch als „Fintechs“ bezeichnet, als altruistisch veranlagte Rebellen gerieren, ist das noch lange kein Grund, ihnen ohne hinreichende Prüfung das mühsam ersparte Geld anzuvertrauen. Hinter diesen, gerne als „disruptiv“ apostrophierten Finanztechnologie-Unternehmen stecken oft nur Musterportfolios, die jedes Jahr neu auf ihre Ausgangsposition zurückgeführt werden. (In der von Anglizismen geprägten Finanz-Fachsprache heißt es „rebalancing“).

Natürlich kann so ein Portfolio eine hervorragende Lösung sein. Statische Portfolios, die regelmäßig auf ihre Ausgangsposition zurückgeführt werden, spiegeln sehr oft die Bedürfnisse eines langfristig investierenden Privatkunden wider. Er kann antizyklisch investieren und Verluste auch einmal aussitzen, denn er muss nicht wie bei vielen Altersvorsorgeeinrichtungen der Fall zum Jahresende seine Schäfchen im Trockenen haben.

Aber das ist nur ein Teil der Gleichung. Die Kosten solcher Robo-Advisor sind leider oft zu hoch. Asset Allocation Tools müssen tiefe Kosten aufweisen, sonst verlieren sie viel von ihrem Charme. Warum man für Musterportfolios pro Jahr teilweise mehr als 100 Basispunkte berappen muss, die häufig nur in für Jedermann erhältliche ETFs investieren, wird mir vermutlich immer ein Rätsel bleiben. Wer vorgibt, die Welt der Kapitalanlage zu revolutionieren, muss mehr in die Waagschale werfen können ein ETF-Musterportfolio. Übrigens haben viele Anleger in den USA in den vergangenen Jahren mit Robo-Advisors schlechte Erfahrungen gemacht. Als die Kurse wiederholt auf Tauchstation gingen, mussten sie feststellen, dass das Fintech-Unternehmen ihres Vertrauens für brennende Fragen nicht erreichbar war. Vielleicht kann ein Berater aus Fleisch und Blut doch sein Geld wert sein? Mehr jedenfalls als so manches, ach so "disruptives" Fintech?

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.