ETF-Portfolios im Performance-Check

Wir haben Ende 2016 vier ETF-Musterportfolios für verschiedene Investorentypen vorgestellt. Heute lassen wir die Performance der Portfolios Revue passieren – und werfen auch einen Seitenblick auf aktiv verwaltete Mischfonds.

Ali Masarwah 22.06.2018

ETFs sind optimale Vehikel für langfristiges Investieren. Immer mehr Anleger in Europa haben erkannt, dass börsennotierte Indexfonds ihnen einen diversifizierten Zugang zu Märkten verschaffen und aufgrund der sehr niedrigen Kosten eine insgesamt ordentliche Performance-Prognose haben. 

Zahlreiche Studien zeigen, dass tiefe Kosten ein entscheidender Faktor sind für die künftige relative Performance von Investments. Günstige Investmentvehikel haben - ceteris paribus – eine bessere Performance-Chance als vergleichbare teure Portfolios, und wir haben 2017 in unserem Active-Passive Barometer erstmals für Europa einen praktischen Vergleich zwischen dem Erfolg aktiv verwalteter Fonds und vergleichbaren Indexprodukten angestellt. Unsere Untersuchung zeigt, dass passive Investoren öfter denn nicht einen besseren Schnitt gemacht haben als Investoren in aktiv verwalteten Fonds.  

Aufgrund zahlreicher Nachfragen, auch aus den Medien, haben wir Ende 2016 folgende vier Musterportfolios auf ETF-Basis für verschiedene Anlegertypen zusammengestellt, die wir unten kurz vorstellen: (Details und Hintergründe der vier Portfolios finden Sie hier.) 

Das einfache Portfolio: Für den eher kleinen Geldbeutel kommt ein gleichermaßen einfaches wie bewährtes Aktien-Renten Portfolio zum Einsatz. Es setzt sich aus dem MSCI World auf der Aktienseite und dem Barclays Euro Aggregate auf der Rentenseite im Verhältnis von 60:40 zusammen. 

Das diversifizierte Portfolio: Größere Vermögen können granularer investiert werden. Das diversifizierte Portfolio setzt sich aus elf ETFs zusammen. Es kommen Schwellenländeraktien in Gestalt des MSCI Emerging Markets ins Spiel. Mit Blick auf Industrieländer kommen Länder-ETFs zum Tragen und durch Nebenwerte ergänzt; europäische und amerikanische Mid und Small Caps sind mit jeweils fünf Prozent gewichtet. Die Rentenquote von 35 Prozent wird vom Barclays Global Aggregate Bond bestritten. 

Das realwirtschaftliche Portfolio: Hier wird auf der Aktienseite das weltweite Bruttoinlandsprodukt stärker als Gewichtungsmaßstab verwendet als das Prinzip der Marktkapitalisierung. Schwellenländer kommen deutlich stärker als bei den beiden oberen Vorschlägen zum Einsatz. Wie auch beim diversifizierten ETF-Portfolio findet sich der globale Rentenindex wieder. 

Das inflationsbremsende Portfolio: Hier werden den Teuerungsrisiken auf der Bond-Seite stärker Rechnung getragen. Inflationsschutzanleihen machen insgesamt 25 Prozent des Portfolios aus. Hinzu kommt eine Goldquote von zehn Prozent. Aktienseitig kommen der der MSCI World und der MSCI Emerging Markets zum Einsatz. 

Kommen wir nun zu den Performance Ergebnissen, die in der unteren Tabelle en Detail dargestellt sind. Insgesamt haben die statischen ETF-Portfolios den aktiv verwalteten Mischfonds en Gros den Schneid abgekauft. Alle Portfolios lagen in den ersten fünf Monaten im Plus. Im laufenden Jahr hat das Inflationsschutz-Portfolio mit einem Plus von gut zwei Prozent am besten abgeschnitten, was vor allem an der guten Performance der US-Inflationsschutzanleihen und an der Goldpreis-Entwicklung lag. Allerdings hat die Stärke des US-Dollar hier Pate gestanden und weniger die Entwicklung der Underlyings als solche. 

Das diversifizierte Portfolio folgt mit einem Plus von nur minimal geringeren 1,98 Prozent in den ersten fünf Monaten des Jahres. Auch hier punkteten Anleger mit dem Schub für den US-Dollar beim globalen Rentenfonds, aber auch die Nebenwerte-Komponente war eine Performance-Stütze – im Gegensatz zum Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets. 

Das ein einfache Basisportfolio stieg um 1,72 Prozent in den ersten fünf Monaten, gefolgt vom realwirtschaftlichen Portfolio, das unter der relativ hohen Emerging Markets-Gewichtung litt – aber immer noch mit einem Plus von 1,68 Prozent ordentlich abschnitt.

Anders das Bild bei den aktiven Mischfonds, ausgedrückt in der Performance der vier Mischfondskategorien für Euro-Anleger. Defensive, ausgewogene und flexible Mischfonds lagen in diesem Jahr leicht im Minus, nur aktienorientierte Mischfonds konnten die ersten fünf Monate mit einem leichten Plus beenden. 

Tabelle: Die Performance der ETF-Portfolios in der Übersicht

Auch die längerfristige Bilanz der ETF Portfolios sehen überzeugend aus. Dabei schnitten in den vergangenen fünf Jahren das diversifizierte Portfolio und das einfache Portfolio am besten ab, wobei das letztere risiko-adjuststiert am besten abschnitt.

Natürlich gilt es zu berücksichtigen, dass Indexportfolios in den vergangenen Jahren überaus deutlich von den Aufwärtsmärkten profitiert haben. Bei einer Marktkorrektur werden die aktienlastigen Indexfonds-Portfolios deutliche Rücksetzer erleiden. Allerdings spricht das nicht gegen ein Indexfondsinvestment in volatileren Zeiten, wie wir sie heute sehen. Als ersters besteht der Vorteil der tiefen Kosten, der auch in Abwärtsphasen für die Indextracker spricht. 

Hinzu kommt, dass an der Börse nicht zum Ausstieg geklingelt wird. Will sagen, dass auch aktiv verwaltete Fonds zunächst von fallenden Märkten getroffen werden. Darüber hinaus erscheint fraglich, dass die Manager aktiv verwalteter Mischfonds den optimalen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg finden werden. Aktiv verwaltete Fonds verpassen typischerweise en Gros den Wendepunkt an den Märkten, was gerade bei volatilen Seitwärtsmärkten verheerende Folgen für die Performance habne kann.

Für langfristig ausgerichtete ETF-Portfolio-Investoren bietet es sich in volatilen Zeiten an, häufiger als in normalen Marktphasen zu rebalancieren. Dann werden sie von antizyklischen Wirkung der Portfolio-Adjustierung stärker profitieren als bei einem jährlichen Rebalancing.     

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.